Fortschritte für Familien

Der „Fortschrittsindex 2017“ zeigt, was Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften in den vergangenen Jahren für eine familienfreundliche Arbeitswelt erreicht haben.

Bild zeigt: Bedeutung von Familienfreundlichkeit.
Quelle: Fortschrittsindex 2017

Auf Einladung des Bundesfamilienministeriums hatten Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Dr. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK, und die stellvertretende Vorsitzende des DGB, Elke Hannack, am 21. September 2015 gemeinsam die zehn Leitsätze des Memorandums zur NEUEN Vereinbarkeit unterzeichnet. Das darin ausgedrückte gemeinsame Verständnis: Familienbewusste Arbeitsbedingungen leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltig erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung, und berufliche und familiäre Verantwortung stehen gleichwertig nebeneinander.

NEUE Vereinbarkeit – das heißt: eine Modernisierung der Arbeitskultur hin zu einer familienbewussten, lebensphasenorientierten Arbeitszeitgestaltung, die die Wünsche der Beschäftigten und betriebliche Erfordernisse in Einklang bringt. Seitdem haben die Partner mit vielfältigen Aktivitäten eigene und gemeinsame Beiträge auf diesem Weg geleistet. Die Fortschritte sind erkennbar, messbar und darstellbar. Der neue „Fortschrittsindex 2017 – Erfolge auf dem Weg zur NEUEN Vereinbarkeit“ gibt hierzu einen Überblick.

Vorteil für Beschäftigte, Vorteil für die Wirtschaft

Deutschlands Arbeitswelt ist familienfreundlicher geworden – auch aufgrund der gemeinsamen Aktivitäten von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Unternehmen haben verstanden, dass familienfreundliche Angebote ein entscheidendes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl sind. Viele Unternehmen setzen die NEUE Vereinbarkeit aktiv und kreativ um, denn sie steigert die Arbeitgeberattraktivität gerade für Beschäftigte mit Kindern und für diejenigen, die ihre Angehörigen pflegen. Doch auch für Personen ohne akute Betreuungspflichten sind familienfreundliche Angebote ihres Arbeitgebers wichtig, meinen 81 Prozent der Beschäftigten. Vereinbarkeit lohnt sich auch betriebswirtschaftlich. 71 Prozent der Unternehmen, die zum Beispiel Home-Office anbieten, können damit ihre Produktivität erhöhen. Werden grundlegende Elemente der NEUEN Vereinbarkeit in der Personalpolitik umgesetzt – wie etwa individuelle Angebote, Nutzung der Digitalisierung oder die bewusste Einbeziehung von Vätern und Pflegenden –, sind langfristig Renditen von bis zu 40 Prozent möglich.

Für eine konsequent umgesetzte Familienpolitik im Zeichen der NEUEN Vereinbarkeit zeichnen sich zudem nachhaltige Effekte für die gesamte Gesellschaft ab. Trendprognosen zeigen ein mögliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt bis 2030 von 28 bis 69 Milliarden Euro. Zudem könnte die Zahl der Erwerbstätigen um 360.000 bis rund eine Million ansteigen. Der Blick in die Unternehmen zeigt: Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt nur dann, wenn familienfreundliche Leitlinien auch im betrieblichen Alltag gelebt werden. Nach wie vor besteht oft noch ein Unterschied zwischen der Selbstwahrnehmung von Unternehmen in puncto Familienfreundlichkeit und der Wahrnehmung der Beschäftigten.

Väterbeteiligung – mehr Zeit für die Familie

Die „neuen“ Väter treiben den Wandel in der Arbeitswelt weiter voran. Rund 70 Prozent der jungen Väter möchten ihre Arbeitszeiten reduzieren. Anreize wie das ElterngeldPlus haben dazu beigetragen, dass partnerschaftliche Aufgabenteilung für immer mehr Paare zum Wunschmodell wird. Mittlerweile nimmt jeder dritte Vater Elterngeldmonate in Anspruch. Für die Wirtschaft ist das ein Gewinn, denn die „neuen“ Väter unterstützen ihre Partnerin so dabei, nach der Geburt des Kindes wieder in den Job zurückzukehren. Tatsächlich ist die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern im Alter zwischen zwei und drei Jahren von 2006 bis 2015 um 17 Prozent gestiegen. Vor allem mit Angeboten zur flexiblen und individuellen Arbeitszeitgestaltung gehen immer mehr Unternehmen auf die Wünsche von Vätern nach mehr Familienzeit ein, wie die Ergebnisse des 2. Väter-Barometers zeigen. Teilzeit, flexibler Arbeitsort und flexible Führungsmodelle sind in Deutschlands Unternehmen ebenfalls häufiger anzutreffen. Dennoch: Es bleibt Luft nach oben in Sachen Familienfreundlichkeit. Denn nur rund 24 Prozent der Befragten stimmten in der Umfrage der Aussage voll und ganz zu, dass in ihrem Unternehmen verstärktes familiäres Engagement von Vätern akzeptiert wird – auch wenn es ein zeitlich reduziertes berufliches Engagement bedeutet.

Betreuungsangebote als Basis für eine gute Vereinbarkeit

Wie gut Familien eine partnerschaftliche Aufgabenteilung gelingt, ist nicht zuletzt eine Frage der Kinderbetreuungsangebote. Hier sind deutliche Fortschritte gelungen. Im vergangenen Jahr lag die Betreuungsquote im U3-Bereich bei 33 Prozent, demgegenüber waren es im Jahr 2006 gerade einmal 14 Prozent. In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen liegt die Betreuungsquote sogar bei 94 Prozent. Zusätzlicher Betreuungsbedarf besteht aber nach wie vor für Grundschulkinder: An fast jeder fünften der insgesamt rund 18.000 Ganztagsschulen in Deutschland gab es 2016 mehr Anmeldungen als freie Plätze.

Den „Fortschrittsindex 2017“ finden Sie hier.

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