Vereinbarkeit für alle? Alles eine Frage der Kultur

Eine familienfreundliche Unternehmenskultur und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollten Hand in Hand gehen – eine aktuelle Studie zeigt aber, wie unterschiedlich Arbeitgeber und Beschäftigte familienfreundliche Angebote noch wahrnehmen.

Vereinbarkeit hat viele Erfolgsfaktoren. Wie gut Beschäftigte Familie und Beruf in unterschiedlichen Lebenssituationen unter einen Hut bekommen, hängt dabei insbesondere von der Unternehmenskultur ab. Die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie „Unternehmenskultur – Der entscheidende Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit“ zeigt: Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist der Schlüssel für eine tatsächlich gelingende Vereinbarkeit im Betriebsalltag. Vieles hat sich hier schon bewegt: Knapp ein Viertel der Beschäftigten bewerten die Unternehmenskultur ihres Arbeitgebers als sehr vereinbarkeitsfreundlich. Beschäftigte in solchen Unternehmen können Familie und Beruf zu fast 100 Prozent vereinbaren. Deutlich wird aber auch: In vielen Unternehmen bestehen zum Teil deutliche Unterschiede darin, wie Arbeitgeber und Beschäftigte das Angebot der Vereinbarkeitsmaßnahmen wahrnehmen. Während sich 44 Prozent der Unternehmen als sehr familienfreundlich einschätzen und Vereinbarkeit als Teil ihrer Unternehmenskultur sehen, stimmen dieser Aussage nur 24 Prozent der Beschäftigten zu. Diese „Wahrnehmungsschere“ wird auch am Beispiel von angebotenen flexiblen Arbeits- und Arbeitszeitmodellen deutlich: Hier liegt die Wahrnehmung des Angebots aus Beschäftigtensicht im Schnitt rund 23 Prozent niedriger als die Unternehmensangabe zum Angebot. Das zeigt: Nur weil ein Angebot existiert, heißt das noch nicht, dass alle Beschäftigten – auch Männer und Führungskräfte – dieses ohne Nachteile nutzen können. Entscheidende Elemente einer familienfreundlichen Unternehmenskultur können dazu beitragen, das Potenzial der NEUEN Vereinbarkeit besser auszuschöpfen:

  • Passgenaue Maßnahmen – die Angebote entsprechen den Bedarfen der Beschäftigten in unterschiedlichen Lebenssituationen
  • Führungskräfte als Gestaltende und Vorbilder – sie prägen durch ihr Verhalten, wie Vereinbarkeit im Betrieb tatsächlich gelebt wird
  • Transparenz und aktive Kommunikation – Beschäftigte werden zielgruppengerecht angesprochen und über vorhandene Maßnahmen informiert
  • Nachhaltige Verankerung – Leitbilder, Betriebsvereinbarungen und andere verbindliche Regelungen geben Beschäftigten Sicherheit, ob und wie sie angebotene Maßnahmen nutzen können.

Je nachdem, inwieweit jeder dieser Aspekte einer familienfreundlichen Unternehmenskultur umgesetzt wird, lassen sich drei Kulturtypen von Unternehmen unterscheiden: Die „Champions“ – meist größere oder länger bestehende Unternehmen – haben Vereinbarkeit in den Unternehmensalltag integriert und ermutigen Beschäftigte aktiv, diese Angebote in Anspruch zu nehmen. Die Unternehmensleitung kommuniziert offen und schult Führungskräfte entsprechend. Vorgesetzte unterstützen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die „Soliden“ ziehen sich durch die gesamte Unternehmenslandschaft und haben eine familienfreundliche Kultur sowie ein Angebot an Vereinbarkeitsmaßnahmen, die sie aber noch nicht aktiv fördern. Bei den „Nachzüglern“ – häufig eher kleinere und jüngere Unternehmen in arbeitsintensiven Branchen – ist Familienfreundlichkeit kein zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur; teilweise wird es Beschäftigten durch die Rahmenbedingungen eher erschwert, Angebote in Anspruch zu nehmen. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Vereinbarkeit wird zur Selbstverständlichkeit, wenn Unternehmen das Thema offen kommunizieren, es fest verankern und Führungskräfte entsprechend schulen. Daraus lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten:

  1. Finden Sie heraus, wie familienfreundlich Ihr Unternehmen ist und wie Beschäftigte die Unternehmenskultur wahrnehmen – Onlinetools wie der Kulturcheck von „Erfolgsfaktor Familie“ können erste Anhaltspunkte geben.
  2. Definieren und institutionalisieren Sie Eckpunkte der familienfreundlichen Unternehmenskultur – in der Unternehmensstrategie oder durch etablierte Strukturen der Personalpolitik.
  3. Der Kulturwandel muss glaubhaft kommuniziert werden – machen Sie deutlich, dass das Thema für die Unternehmensführung wichtig ist, stellen Sie die Vorteile heraus und ermutigen Sie zu Offenheit. Teilen Sie Erfolgsbeispiele in Mitarbeiterzeitung oder Intranet.
  4. Eine familienfreundliche Kultur muss authentisch gelebt werden – das gelingt nur, wenn Vereinbarkeitsangebote auch tatsächlich genutzt und Beschäftigte aktiv dazu ermutigt werden. Wichtig sind auch klare Signale, dass die Nutzung flexibler Arbeitszeitmodelle kein Nachteil für die Karriere ist.

 Die Studie finden Sie hier.

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