Für Glaubwürdigkeit zählen nicht nur Erfolgsgeschichten

Echte Geschichten über echte Menschen! Was so einfach klingt, kann in der internen Kommunikation ein echtes Erfolgsrezept sein. Das Thema unseres März-Newsletters ist deshalb Authentizität und Glaubwürdigkeit. Für uns bedeutet das vor allem, Beruf und Familie in echten, glaubwürdigen Geschichten über Menschen aus dem eigenen Unternehmen zu thematisieren. Und durchaus zuzugeben, wenn etwa bei der Umsetzung von familienbewussten Arbeitszeitmodellen in Abteilung X nicht alles auf Anhieb funktioniert hat. Ein allzu schöngefärbter Blick auf das eigene Unternehmen schadet schon deshalb, weil Kommunikation damit angreifbar wird. Gut erzählt aber können authentische Geschichten die Vorstellungen von Beschäftigten über ihr Unternehmen und dessen Kultur prägen und manchmal auch verändern. Mit dieser Ausgabe unseres Newsletters wollen wir dazu anregen, im Rahmen der internen Kommunikation zu Beruf und Familie die eigenen Beschäftigten zu fragen und ihre „Vereinbarkeitsgeschichten“ zu erzählen. Ein Unternehmen, in dessen Mitarbeiterzeitung ein Vater in Elternzeit porträtiert wird, sendet eine klare, in manchen Unternehmen auch erstaunliche Botschaft: dass traditionelle Rollenbilder dort keine große Rolle mehr spielen. In unserem Interview mit Verantwortlichen aus zwei Berliner Unternehmen erfahren Sie mehr darüber, welche Möglichkeiten solch ein Ansatz bietet, aber auch welche Risiken er nach sich ziehen kann. Wie kann interne Kommunikation zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie konkret aussehen? Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, echte Beispiele zu erzählen und diese für alle Beschäftigten transparent zu machen? Sofie Geisel, Projektleiterin im Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“, im Gespräch mit Sigrid Heudorf, Leiterin Beschäftigungsbedingungen bei der Deutschen Bahn, und Thorsten Neumann, Leiter Personalbetreuung bei der GASAG.


Interne Kommunikation

Echte Geschichten über echte Menschen, inwieweit kommen die in Ihrer internen Kommunikation vor?

Thorsten Neumann, GASAG: Wir bemühen uns sehr darum, gerade beim Thema Beruf und Familie möglichst konkrete Beispiele, also echte Geschichten aus allen Mitarbeiterebenen zu veröffentlichen. Wir haben zum Beispiel in unserer Mitarbeiterzeitung, dem „Gaskieker“, über einen Kollegen berichtet, der nicht nur die zwei Vätermonate genommen hat, sondern anschließend noch ein halbes Jahr von zu Hause aus gearbeitet hat, um noch mehr Zeit für sein Kind zu haben.

Sigrid Heudorf, Deutsche Bahn: Unsere Mitarbeiterzeitung „DB Welt“ berichtet auch über echte Geschichten. Je konkreter wir darin die Beispiele beschreiben, desto mehr sind die Leser daran interessiert, weil sie ein Thema entweder betrifft oder sie selbst daran beteiligt sind. Dies ermöglicht eine andere Form der Identifikation: mit der einzelnen Person aus der Geschichte, aber auch mit dem Unternehmen selbst.

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März 2013

März 2013

Dos and Don’ts authentischer interner Kommunikation

Intern geht immer vor extern. Keine Befragung macht Sinn ohne nachfolgende Veränderung. Und Berichterstattung zu Familienthemen statten Sie am besten immer mit Beispielen aus dem direkten Arbeitsumfeld der Kolleginnen und Kollegen aus.

Was nach einfachsten Kommunikationsregeln klingt, ist im Alltag für Kommunikatoren oft nur schwer umsetzbar. Wie interne Kommunikation dennoch authentisch und damit langfristig glaubwürdig gelingen kann, dazu hier einige Tipps und Tricks:

Do's

1. Reale Kolleginnen und Kollegen

Als interne Kommunikatoren haben Sie ein breites Netzwerk. Nutzen Sie es und zeigen Sie, wie Beschäftigte mit den Herausforderungen rund um den Familien- und Arbeitsalltag umgehen. Zeigen Sie Menschen und erzählen Sie Geschichten.

2. Wahrhaftige Bilder

Bilder der Porträtierten, durchaus auch private Aufnahmen, unterstreichen die Authentizität der Geschichte. Bilder transportieren Emotionen und helfen dabei, zentrale Aussagen zu illustrieren. Stockmaterial wirkt oft unglaubwürdig und mitarbeiterfern.

3. Mehrwert bieten

Stellen Sie zusätzliche Information bereit. Ein Infokasten mit weitergehenden Informationen bietet den Leserinnen und Lesern echten Mehrwert. Hier können Sie über Angebote und Ansprechpartner im eigenen Unternehmen, Links zu themengerechten Internetangeboten oder auch über externe Organisationen und Hilfsangebote informieren.

4. Hürden gehören dazu

Erzählen Sie die ganze Geschichte. Wie aus Fehlern gelernt wird, welche Lösungen warum gewählt und welche verworfen wurden, das macht Ihre Story authentisch und nachvollziehbar.

5. Interessenlage der Beschäftigten

Nutzen Sie Ihr Netzwerk und ermitteln Sie, was die Beschäftigten zum Thema Familie gerade besonders bewegt, und erstellen Sie Themenpläne. Halten Sie regelmäßig Kontakt zu Betriebsrat und Personalabteilung. Dort laufen viele Informationen zur Interessenlage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen.

Dont's

1. Schönfärberei

Vermeiden Sie Schönfärberei genauso wie Schwarzmalerei. Fehler gehören zum Leben, daraus zu lernen auch. Ihre Berichte gewinnen an Authentizität, wenn sie realitätsnah sind.

2. Gestelzte Sprache

Nutzen Sie eine klare, verständliche Sprache. Phrasen, Hohlformeln und substantivierte Sätze, die weder zu den agierenden Personen noch zum Thema passen, rauben Glaubwürdigkeit und Authentizität.

3. Leere Versprechen

Achten Sie darauf, keine Versprechungen zu transportieren, deren Erfüllung nicht schon absehbar ist. Ein Betriebskindergarten, der auch zwei Jahre nach Ankündigung noch nicht einmal projektiert ist, beschädigt die Glaubwürdigkeit.

4. 360-Grad-Perspektive

Bei der Suche nach Protagonisten für Ihre Storys sollten Sie die gesamte Belegschaft im Blick haben. Immer wieder Führungskräfte und die Geschäftsführung zu zeigen ist kontraproduktiv. Stellen Sie auch die „Hidden Champions“ in der Belegschaft vor, jene, die sich nicht in den Vordergrund schieben. Auch beim Thema Familienfreundlichkeit gilt: Die Mischung macht’s.

5. Überfrachten

Wie sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen, ist ein zentrales Thema. Wird es aber zu häufig behandelt, verlieren die Leserinnen und Leser das Interesse. Nutzen Sie verschiedene Darstellungsformen von der Reportage bis zum Interview. Suchen Sie unterschiedliche Einzelthemen und Blickwinkel, um „Abnutzungserscheinungen“ zu vermeiden.

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