Echte Geschichten über echte Menschen, inwieweit kommen die in Ihrer internen Kommunikation vor?

Welche Bedeutung kann Authentizität im Bereich der internen Kommunikation im Zusammenhang mit Vereinbarkeit von Beruf und Familie darüber hinaus haben?

Heudorf: Sie sollten aufpassen, nicht nur die Erfolgsgeschichten zu erzählen. Positive Beispiele sind wichtig, um die Mitarbeiter zu ermutigen. Es verführt aber auch manchmal zu glauben, man habe schon alles erreicht. Zur Redlichkeit – und das meine ich mit Authentizität eben auch – gehört ebenfalls zuzugeben, dass es auch Bereiche gibt, um die wir uns noch kümmern müssen. Authentisch sein heißt dann, die gesamte Landschaft zu zeigen. Sonst erreichen Sie das Gegenteil: Geschichten motivieren nicht, sondern frustrieren die Leute eher, wenn ihr eigenes Leben anders aussieht.

Neumann: Wir versuchen, in möglichst engem Kontakt zu unseren Beschäftigten zu stehen, ihnen zuzuhören und zu spüren, welche Themen wichtig werden oder welche schon wichtig sind. Wir haben beispielsweise festgestellt, dass das Thema Pflege die Beschäftigten bewegt – und haben dann Beispiele aus unserem Unternehmen dazu veröffentlicht. Die Mitarbeiterin, die über sich berichtet hat, wurde von allen Seiten kontaktiert, und es hat sich ein richtig informelles Netzwerk gebildet.

Was sind denn die Risiken, wenn man sich traut, authentisch zu erzählen?

Heudorf: Es gibt zwei Aspekte. Wenn Sie Ihre Geschichte in einem Unternehmen öffentlich machen, dann werden Sie gesehen. Es gehört also immer Mut dazu, sich mit seiner Geschichte zu zeigen. Der andere Aspekt betrifft das Thema Information an sich: Unsere weltweite Mitarbeiterbefragung hat gerade ergeben, dass sich viele Mitarbeiter über den gesamten Konzern hinweg mehr Einbindung und offene Information wünschen. Wir schönen an den erzählten Geschichten nichts, aber natürlich wählen wir aus, welche Geschichten wir erzählen wollen. Wir sind gerade dabei zu überdenken, wie wir Themen noch transparenter und auch selbstkritisch aufbereiten können.

Neumann: Ich suche für diese Geschichten Menschen, die ehrlich und freundlich sind. Aber ich versuche auch, das Thema gut zu dosieren. Nicht in jeder Ausgabe unserer Mitarbeiterzeitschrift kommt jemand zu Wort, der etwas über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzählt. Das wäre zu viel.

Wie finden Sie denn echte Geschichten? Und wie motivieren Sie die Beschäftigten, diese auch publik zu machen?

Neumann: Wenn einmal etwas Spannendes im Bereich Beruf und Familie veröffentlicht worden ist, bekommen unsere Beschäftigten eine Idee davon, was alles möglich ist, wodurch wir auch auf Erfahrungen weiterer Kolleginnen und Kollegen aufmerksam werden. So entwickelt sich Verständnis füreinander, und das ist eben auch glaubwürdig.

Heudorf: Die Größe unseres Unternehmens ist ein Vorteil, denn glücklicherweise gibt es viele Menschen, die ihre Geschichte gerne erzählen. Oft tragen uns Kolleginnen und Kollegen die Geschichten auch selbst an uns heran. Eine wichtige Rolle spielt außerdem, wie unsere Kommunikationskollegen auf die Beschäftigten zugehen und wie gut beschützt sich jemand fühlt, der interviewt wird.

Bilder, Texte, Medien: Worauf muss man bei authentischen Geschichten im Hinblick auf diese drei Begriffe achten?

Heudorf: Zum Thema Bilder: Wir fotografieren echte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im realen Arbeitsumfeld. Eine weitere Möglichkeit sind Bilder im privaten Umfeld. Ich finde es schön, wenn bei den Themen rund um Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch Kinder zu sehen sind, aber das entscheiden natürlich die Beschäftigten selbst. Texte sollen adressatengerecht sein sowie eine einfache und klare Sprache sprechen.

Neumann: Bei den Bildern stimme ich Ihnen zu, die müssen ehrlich sein. Was die Texte angeht, so achte ich darauf, dass sie nicht zu steif und gestelzt geraten. Sie sollen die Sprache wiedergeben, die die Leute sprechen. Und zu den Medien: Wir bieten zum einen die Mitarbeiterzeitung, aber wir haben in unseren Teeküchen auch Monitore, die beispielsweise auf unser Intranet verweisen. Ehrlich und kurz sollten die Geschichten sein – nicht zu lang. Das senkt das Interesse.

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