Workshop Text: Gute und erfolgreiche Texte in der internen Kommunikation zu Beruf und Familie

Liebe Netzwerkmitglieder, kürzlich erhielt ich einen Text zum Gegenlesen. Es handelte sich um die Beschreibung eines Projektes. Es war Vormittag, ich war weder müde noch unkonzentriert. Ich fing trotzdem drei Mal von vorne an, schweifte immer wieder ab, war am Ende so schlau wie vorher – und zusätzlich genervt. Als ich genauer hinschaute, wurde mir klar, was mich störte: 80 Prozent der Sätze waren im Passiv verfasst – ließen also unklar, wer in dem Projekt eigentlich handelt. Die meisten Sätze gingen über drei Zeilen, und bei manchen musste man erst mal das Verb suchen. Stattdessen: -ungs, -keiten und -ierungen wie mit der Streusandbüchse über den Text verteilt. Kommunikation besteht aus Texten – nicht nur, aber auch. Und Texte können, wenn sie Menschen erreichen, die Wirklichkeit verändern – oder eben auch nerven. Gute Schreibe ist dabei keineswegs nur eine Sache von Geschmack oder Begabung, sondern hat mit Regeln zu tun, die man lernen kann. Und weil gute Texte auch und gerade der internen Kommunikation über Beruf und Familie helfen, beschäftigen wir uns in unserer Novemberausgabe damit, was gute Texte ausmacht: eine kleine Schreibschule, die all die unterstützen soll, die Beschäftigte wie Führungskräfte und Unternehmensleitung mit geschriebener Sprache erreichen, überzeugen und vielleicht sogar begeistern wollen. Bevor ich Ihnen jetzt die Lektüre dieser zehnten und letzten Ausgabe des „Forums Interne Kommunikation“ zur Lektüre empfehle, möchte ich Ihnen allen für Ihre treue Leserschaft und für die vielen Anregungen und Praxisbeispiele danken, die wir erhalten haben. Erlauben Sie mir auch einen kurzen Ausblick auf das kommende Jahr: Die Ergebnisse des „Forums Interne Kommunikation“ werden wir als Leitfaden im ersten Quartal 2014 in gedruckter Form veröffentlichen. Freuen Sie sich außerdem auf die Fortsetzung unseres Forums mit dem Thema Personalmarketing. Ich wünsche Ihnen eine nicht allzu gedrängte Weihnachtszeit, ein frohes Fest und vor allem ein gesundes und gutes Jahr 2014.

Ihre Sofie Geisel
Projektleiterin


Interne Kommunikation

„Das Wichtigste gehört immer nach vorn“

Nina Gerstenberg ist ausgebildete Journalistin, war für „Die Welt“ Asienkorrespondentin in Hongkong, hat später für die „Berliner Morgenpost“ eine preisgekrönte Familienseite – die erste in Deutschland überhaupt – aufgebaut und ist Expertin zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nach einigen Jahren bei Stiftung Warentest als Ressortleiterin Weiterbildung unterrichtet sie heute an der Berliner Journalistenschule und hat gerade ihr Unternehmen ressourcia für Sprache, Coaching und Kommunikation gegründet.

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Ausgabe November/Dezember 2013

Ausgabe November/Dezember 2013

Zum Lesen verführen

Sieben Tipps, die Ihnen helfen können, mit spannenden, interessanten und fundierten Artikeln Leserinnen und Leser für die Themen rund um Familie und Beruf zu gewinnen.

1. Erst einmal Fragen beantworten

Bevor Sie überhaupt loslegen, fragen Sie sich, was Sie Ihren Leserinnen und Lesern sagen wollen. Warum ist gerade diese Story in Ihrem Unternehmen interessant und relevant? Warum jetzt? Wen interessiert’s? Diese Fragen zu beantworten wird Ihnen helfen, den richtigen Zugang zu Ihrer Geschichte zu finden. Gleichzeitig legen Sie die Basis für die spätere Struktur Ihres Artikels.

2. Sieben W helfen

Überzeugende, interessante Artikel haben Hand und Fuß. Sie sind für Leserinnen und Leser nachvollziehbar und wirken als logische Einheit. Um das zu erreichen, beantworten Sie in der Recherche die sieben W: wer, was, wann, wo, warum, wie und welche Quelle. Die Antworten auf diese Fragen dienen der Glaubwürdigkeit, geben Ihrem künftigen Artikel Struktur und sichern seine Relevanz (siehe 1.). 

3. Roten Faden ziehen

Artikel sind nach einem simplen Rezept aufgebaut: Es beginnt mit einem lebendigen Einstieg, der das Thema (was), die Handelnden (wer, welche Quelle), die Relevanz (warum) und Ort und Zeit (wo, wann) vorstellt. Dann folgt ein Rückblick, der beschreibt, was im Vorfeld geschah oder wie die Lage bisher/vorher war (warum, wann) und was die Handelnden motivierte. Im Mittelteil bewegen Sie sich im Hier und Jetzt, führen das Thema aus und leiten hin zur heutigen Situation. Dabei lassen Sie die Handelnden immer wieder zu Wort kommen, denn Zitate schaffen Authentizität, verleihen Glaubwürdigkeit und bringen Leben in Ihren Text. Sie beschließen Ihren Artikel mit einem Resümee, einem Ausblick oder einem kraftvollen Zitat. Nehmen Sie dabei gern Bezug auf Ihren Einstieg. So spannen Sie einen Bogen, der den Text dann insgesamt „rund“ macht.

4. Sprache beleben

Sagen Sie der Substantivierung den Kampf an! Der angehende Vater, der „Tätigkeiten ausübt“, statt zu arbeiten, die nette Kollegin mit den gebrechlichen Eltern, die „große Organisiertheit aufweist“, statt zum Beispiel „alles im Griff“ zu haben, sind unnötig steife Formulierungen. Meiden Sie die oft sehr gestelzte und eher verschleiernde Arbeitssprache. Nutzen Sie Verben und zeigen Sie die Menschen als aktiv Handelnde. Verbannen Sie Füllworte und starre Floskeln, lösen Sie sich vom „Unternehmenssprech“. Und beginnen Sie nicht jeden Absatz mit „Der“, „Die“ oder „Das“, denn da kommt schnell Langeweile auf. Stellen Sie stattdessen den aktiven Satzteil an den Beginn. Nicht: „Die betroffenen Eltern empfanden die Lage als unbefriedigend.“ Sondern: „Als unbefriedigend empfanden die betroffenen Eltern die Lage.“

5. Segensreiche Punkte setzen

Vermeiden Sie eingeschobene Nebensätze und halten Sie Ihre Sätze kurz. Sätze mit mehr als 20 Worten werden für Leserinnen und Leser anstrengend. Zerlegen Sie Sätze und fügen Sie öfter mal einen Punkt ein. Ihr Text wird danach schneller erfasst und verstanden, obendrein gewinnt er an Dynamik.

6. Mit Headlines verführen

Jeder Artikel hat einen Hingucker: die Headline. Wenn Sie Ihre nächste Headline schreiben, dann denken Sie daran: Diese Headline ist meine größte Chance, Leserinnen und Leser zu gewinnen. Headlines dürfen überraschen, wortverspielt und/oder rhythmisch sein, sollen Neugier wecken und müssen natürlich zum Artikelinhalt passen. Nehmen Sie sich Zeit für die Headline. Reden Sie mit Kollegen, brainstormen Sie und schöpfen Sie alle kreativen Ressourcen aus. Es lohnt sich. Mit „Kita kommt“ werden Sie garantiert viele zum Lesen verlocken – Inhalt und Headline bilden hier eine gute Einheit.

7. Fakten auslagern

Ein Trick, damit Sie Ihre Familienthemen in interessante Storys verpacken können: Nutzen Sie Infokästen. Daten und Fakten, die Ihrer Geschichte sachliche Bodenhaftung verleihen, können im Lauftext schwerfällig und holperig wirken. Planen Sie für Öffnungszeiten, Adressen, Ansprechpartner, weiterführende Links einfach einen Informationskasten, in dem Sie die Sachinformationen bündeln. Das ist auch für die Leserinnen und Leser eine prima Lösung, da sie wichtige Fakten zum Thema auf einen Blick parat haben. 

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