Dies sind die ersten sieben Schritte, …

Arbeitsanteile auch in Präsenzberufen mobil erledigen

Mobiles Arbeiten in sozialen Berufen, in denen die Beschäftigten in der Regel zu 100 Prozent vor Ort sind – gibt es das überhaupt? Dass dies tatsächlich geht, zeigt der Caritasverband Arnsberg-Sundern e. V. Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Angehörigenpflege zu unterstützen. Der Verband beschäftigt in der Altenhilfe, der ambulanten Pflege, der Behindertenhilfe und im Bereich Jugend, Soziales und Migration insgesamt rund 1270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Allein in den vier Sozialstationen, bei denen die ambulante Pflege angesiedelt ist, arbeiten rund 250 Personen.

„Wir haben damit begonnen, hier mobiles Arbeiten zu ermöglichen“, sagt Sylvia Bussmann, Qualitätsbeauftragte im Verband. Bislang können Ein-richtungsleitungen und Teamleitungen davon Gebrauch machen. Sie verlagern Tourenplanung und Dienstplanung ins Homeoffice, wo sie Zugriff auf den Unternehmensserver haben. Der Vorteil: Arbeitsphasen sind besser planbar und finden in Zeiträumen statt, die individuell am besten passen. „Langfristig werden diese Überlegungen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen“, das bestätigt auch Renate Brasse, Mitarbeitervertretung der ambulanten Pflege.

Auch andere Unternehmensbereiche, wie zum Beispiel die Caritas-Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit 150 Beschäftigten, bauen Möglichkeiten des mobilen Arbeitens auf. Projektanträge und Förderplanung lassen sich in diesem Arbeitsbereich von überall erledigen. Thomas Kellermann, verantwortlich für Personal und Organisationsentwicklung: „Administrative Arbeit muss nicht in der Kernarbeitszeit vor Ort in der Einrichtung geleistet werden.“ In seinem Arbeitsbereich lassen sich Konzeptentwicklung, Projektanträge, Verwendungsnachweise und Leistungsabrechnungen von zu Hause aus bearbeiten.

„Zurzeit werden diese Angebote noch punktuell genutzt“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Christian Stockmann. „Wir möchten die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten jedoch weiter ausbauen.“ Arbeitgeberattraktivität spiele eine große Rolle, aber auch der Blick auf die Altersstruktur der Belegschaft: Der Altersdurchschnitt liegt bei zirka 48 Jahren. „Angehörigenpflege wird uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen“, ist Stockmann überzeugt. Darauf möchte er seinen Verband bereits jetzt ausrichten. Die Beschäftigten zu schulen sei vergleichsweise einfach. Die Strukturen entsprechend umzustellen erfordere höheren Aufwand. Ein Beispiel: Die Dokumentation rund um pflegebedürftige Menschen erledigen Pflegefachkräfte zusammen mit den Hausärzten. Die Akte bleibt grundsätzlich beim Patienten. Elektronische Dokumentationen von zu Hause aus zu führen ist noch Zukunftsmusik.

In anderen Bereichen möchte Stockmann aber dafür sorgen, dass administrative Anteile von der Führungsebene auch auf die Mitarbeiterebene verlagert werden können und so Möglichkeiten entstehen, flexibler zu arbeiten. Als Rat für potenzielle Nachahmer nennen Stockmann und Kellermann die wichtigsten Schritte: 1. Abklärung der Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Frage nach der Zeiterfassung, 2. Klärung, was die Zeitvorgaben für administrative Tätigkeiten sind, was also genau abgerechnet werden kann, 3. Mitarbeiterschulungen, 4. technische Infrastruktur bereitstellen, 5. für Datensicherheit sorgen, 6. Regeln für die Arbeit im Homeoffice verabreden und 7. eventuell Onlineberatungen anbieten. „Mobiles und flexibles Arbeiten ist bei uns sicher eine größere Herausforderung als beispielsweise in anderen Dienstleistungsbereichen ohne den direkten Face-to-face-Kontakt zu Patienten, aber auch bei uns ist es letzten Endes eine Kulturfrage“, so Stockmann. Und die hat er mit seinem Team beantwortet.

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