KMU-Stärken nutzen

Zurück in die Zukunft: Wiedereinstieg mit mobilem Arbeiten

Dr. Rahild Neuburger arbeitet an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Geschäftsführerin des MÜNCHNER KREISES, der sich gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit neuen Technologien widmet. Ihre These zum raschen Wiedereinstieg nach der Elternzeit: Gerade der Mittelstand kann auf mobiles Arbeiten, auf Ergebniskultur, Vertrauen und persönliche Absprachen setzen.

Frau Neuburger, welche Bedeutung hat mobiles Arbeiten für einen raschen Wiedereinstieg von Müttern und Vätern nach der Elternzeit?

Prinzipiell ist diese Bedeutung sehr hoch. Die technischen und organisatorischen Möglichkeiten, mobil zu arbeiten und auch mit Kleinkindern beruflich am Ball zu bleiben, waren noch nie so gut wie heute. Man kann Mütter und Väter in Elternzeit sehr kurzfristig standortverteilt in Arbeitsprozesse einbeziehen. Natürlich geht das nur bei wissensbasierten Berufen. Meines Erachtens werden diese Chancen noch zu wenig erkannt. Viele Unternehmen halten am tätigkeitsorientierten Modell fest, das heißt, sie kontrollieren die Arbeit vor Ort.

Was muss geschehen, damit die Möglichkeiten mobiler Arbeit ausgeschöpft werden?

Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass arbeitende Mütter und Väter auch während der Elternzeit und auch vom Homeoffice aus mitarbeiten können. Dazu brauchen Fachkräfte in Elternzeit insbesondere Medienkompetenz und bestimmte persönliche Fähigkeiten, zu denen vor allem Selbstmanagement und Selbstorganisation gehören. Vorteile haben daher Unternehmen, deren Kultur von vornherein das Selbstmanagement ihrer Beschäftigten fördert. Denn selbstbestimmtes Arbeiten und der problemorientierte Zugriff auf intelligente Arbeitsmittel sind nicht unbedingt selbstverständlich und müssen erlernt, also auch vermittelt werden. Und gerade für mobile Arbeit während der Elternzeit gilt besonders: Es sollte klare Absprachen über die Erreichbarkeit geben. Letztlich treten derartige Erreichbarkeitsregeln an die Stelle klassischer Anwesenheitsregeln. 

Konzerne haben häufig Policies für den Umgang mit mobilem Arbeiten. Wie sollten kleine und mittlere Unternehmen während der Elternzeit damit umgehen?

Das hängt von der Größe ab und hat letztlich auch etwas mit Effizienz zu tun. Generelle Regeln, die man nur auf drei Fälle anwendet, machen ökonomisch keinen Sinn. Hier liegen ja gerade die Chancen für den Mittelstand. Die Führungskräfte sind dort näher an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dran. Man kennt sich und man vertraut sich. Die Stärke gerade der KMU liegt ja in den kurzen Wegen, den flachen Hierarchien und der Möglichkeit der persönlichen Absprachen. Dies sollten kleine Unternehmen nutzen und mit dem Thema mobiles Arbeiten während der Elternzeit – aber auch generell als Instrument der Vereinbarkeit – offensiver umgehen.

Worauf müssen Unternehmen besonders achten, wenn ihre Beschäftigten nach dem Wiedereinstieg – zunächst – verstärkt mobil arbeiten?

Unternehmen sollten möglichst variable Teilzeitmodelle anbieten. Auch die Arbeit im Homeoffice als alternierende Telearbeit sollte möglich sein. Von reinem Homeoffice würde ich abraten, da die Gefahr zu groß ist, dass die Beschäftigten die Anbindung an ihr Unternehmen verlieren. Aus eigener Erfahrung kann ich nur betonen, dass Kommunikation und Anbindung wichtig sind – genauso wie der gemeinsame Zugriff auf Dokumente oder virtuelle Projekträume. Ich denke, ein möglichst selbstbestimmtes Arbeiten mit festgelegten Rahmenbedingungen und individuellen Absprachen erleichtert den Wiedereinstieg und die Bindung. Denn wir wissen ja über die jüngere Generation, die viel beschriebene Generation Y, dass Entlohnung als Anreizmechanismus nicht mehr unbedingt ausreicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

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