„Führungskräfte müssen voran gehen“

„Ich setze ein Zeichen im Team“

Yvonne Hommes leitet bei der Deutschen Telekom AG den Bereich Employment Conditions. Damit ist sie unter anderem für strategische Arbeitszeitthemen, Abbauinstrumente und die Steuerung von Work-Life-Management verantwortlich. Die Mutter eines vier Monate alten Mädchens ist vor Kurzem in Vollzeit aus der Elternzeit zurückgekehrt. Ihr Rezept für mobiles Arbeiten: Ergebnisorientierung, „Strategietage“ im Homeoffice, klare Kommunikation und Grenzen setzen.

Frau Hommes, warum müssen Führungskräfte Vorbilder bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein?

Ich denke, dass sich dieses Thema nur von oben nach unten in der Unternehmens-kultur etablieren kann. Führungskräfte müssen dabei vorangehen. Für mich ist die Möglichkeit, mobiles Arbeiten vorzuleben und den Kollegen aus meinem Team zu ermöglichen, ein wichtiger Motivationsfaktor. Das steigert die Leistungsbereitschaft und unterstützt die Vereinbarkeit. Ich setze damit ein Zeichen im Team. Außerdem ist mobiles Arbeiten angesichts der flexiblen neuen Arbeitsformen und der Digitalisierung ein Wettbewerbsvorteil, den Führungskräfte vermitteln müssen. Und dabei bedarf es Vorbilder und Botschafter, um Skeptiker zu überzeugen.

Was ist für Sie persönlich der Vorteil von mobilem Arbeiten?

Ich arbeite im Moment sehr strategisch und kann daher einen, manchmal auch zwei Tage von unterwegs oder zu Hause arbeiten. Dadurch spare ich die Wege nach Bonn in die Zentrale, was natürlich für mich ein Gewinn ist. Aber auch qualitativ sehe ich Vorteile. Im Homeoffice kann ich mich oft besser konzentrieren als in der Zentrale, wo ein Termin den nächsten jagt. Ich nenne es übrigens lieber „Strategietage“, weil ich mich in ein Thema total vertiefen kann. Aber natürlich gibt es auch bei uns Führungspositionen, die eine Präsenz vor Ort erfordern.

Wie können Sie sich und andere davor schützen, im Homeoffice zu viel zu arbeiten?

Ich achte darauf, dass mein Team eine gute Work-Life-Balance hat, aber die Grenzen muss jeder selbst ziehen. Zwar machen uns die modernen Kommunikationstechnologien heute in vielen Bereichen flexibler, effektiver und schneller. Aber es besteht die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben immer mehr verwischen. Vor allem zwei Faktoren kosten sehr viel Zeit: Das sind die tägliche Flut an E-Mails und die vielen Meetings. Was die Bearbeitung der Mail angeht, so habe ich kein Patentrezept. Meine Lösung ist, dass ich Mails an mein Team prinzipiell erst montags versende, auch wenn ich am Wochenende arbeite. Denn das würde sonst Druck erzeugen, sofort zu antworten. Außerdem greife ich lieber kurz zum Telefon, als eine Mail zu schreiben. Zu den Meetings: Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, muss sich selbst davor schützen, unter Rechtfertigungsdruck zu geraten, weil sie oder er an manchen Meetings nicht persönlich teilnehmen kann. Hier sollten aber beispielsweise Web-Konferenzen oder telefonische Einwahl ermöglicht werden.

Wie gelingt es Ihnen, zuverlässig Zeiten zu vereinbaren, in denen Sie persönlich zu sprechen sind?

Ich vereinbare mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßige Präsenz-Termine, z. B. für Gespräche, Feedback zu den Arbeitsergebnissen, gemeinsamen Informationsaustausch und Team-Meetings. Dienstags haben wir unseren Jour fixe, bei dem ich Präsenz vor Ort erwarte. In meinem Team haben wir zehn goldene Regeln für die Arbeit im Homeoffice. Dazu gehören beispielsweise für den Notfall eine Erreichbarkeit von 8 bis 18 Uhr und die Information an mich, wenn jemand zum Beispiel wegen eines Arzttermins länger nicht erreichbar ist. Ich selber bin bei Bedarf jederzeit erreichbar und habe, wenn ich in der Zentrale bin, immer eine offene Tür.

Manche Führungskräfte befürchten, dass die Produktivität im Homeoffice leidet. Wie sind Ihre Erfahrungen persönlich, aber auch in Bezug auf Ihr Unternehmen?

Wir haben Instrumente der mobilen Arbeit durch unsere Führungskräfte ein halbes Jahr lang testen lassen und die Ergebnisse gemeinsam mit der Universität zu Köln wissenschaftlich ausgewertet und evaluiert. Dabei kam heraus, dass die Produktivität nicht sinkt und die Lebensqualität durch eine bessere Vereinbarkeit steigt. Ich persönlich kann dies bestätigen: Ich schaffe an meinen „Strategietagen“ mehr. Und Leistung überzeugt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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