Führen von überall (Teil 2)

Liebe Leserinnen und Leser,

zunächst einmal etwas in eigener Sache: Ich habe im Oktober die Projektleitung des Netzwerkbüros „Erfolgsfaktor Familie“ übernommen. Sofie Geisel widmet sich zukünftig als Geschäftsführerin der DIHK Service GmbH anderen Aufgaben. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe, denn ich bin überzeugt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Stellschraube ist, um Arbeit zukunftsfähig zu gestalten. Ich freue mich daher auf den Austausch mit Ihnen und viele inspirierende Gedanken, mit denen wir unsere Arbeit gegenseitig bereichern

Herzlichen Dank für Ihre Beteiligung an unserer Onlinediskussion zum Thema „Führen von überall“. Drei zentrale Themenbereiche kristallisieren sich aus Ihren Beiträgen heraus: erstens die grundsätzliche Bedeutung von mobiler Arbeit für Führungskräfte mit Familienverantwortung, zweitens die Bedeutung der Kommunikation für gelingende „Führung von überall“ und drittens, wie die unterstützenden Rahmenbedingungen dafür zu gestalten sind.

Hier unsere Thesen, die wir auf der Grundlage Ihrer Beiträge formuliert haben:

Mobiles Arbeiten für Führungskräfte mit Familienverantwortung ist eine wesentliche Unterstützung bei der Balance zwischen beruflichen und familiären Aufgaben. Denn es bedeutet, dass

  • insbesondere in Verbindung mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein Karrierebruch vermieden werden kann,
  • die Möglichkeit besteht, entsprechend den individuellen Bedürfnissen phasenweise näher an der Familie zu sein und die Übernahme beruflicher Aufgaben daran auszurichten,
  • mobiles Arbeiten ein wichtiger Schlüssel ist, um Führungskräfte in den nachrückenden Generationen (vor allem in der Generation Y) zu gewinnen, die mit einem hohen Anspruch an die Vereinbarkeit auf Unternehmen zugehen.

Das zentrale Instrument, um „Führen von überall“ und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist eine strukturierte und klare Kommunikation:

  • Anwesenheits- und Abwesenheitszeiten sowie Fenster der Erreichbarkeit sollten im Voraus geregelt und transparent kommuniziert werden.
  • Es gilt, der „Entgrenzung“ vorzubeugen, weshalb eindeutige Regeln für Online-arbeitszeiten aufgestellt werden sollten, z. B. für die Beantwortung von E-Mails.
  • Die eigene Vereinbarkeitsgeschichte zu erzählen trägt zu einer positiven Vereinbarkeitskultur in Unternehmen bei und stärkt Führungskräfte in ihrer Vorbildfunktion. Das Intranet, die Betriebszeitung oder andere Kommunikationskanäle im Unternehmen bieten sich dafür an.

Führen aus der Ferne ist eine Herausforderung, die gut zu meistern ist, wenn

  • die technische Infrastruktur angemessen ist und versiert genutzt werden kann,
  • die notwendigen Sicherheitsbedingungen geregelt sind,
  • Zielvereinbarungen mobiles Führen aufgreifen und eine entsprechende Zielerreichung kontrolliert wird,
  • Ergebnisse gesichert werden,
  • sich Führungskräfte ihrer Vorbildfunktion in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bewusst sind.

Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation erklärt im Interview, was aus ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren für gelingendes Führen aus der Ferne sind. Lesen Sie außerdem im Unternehmensbeispiel, wie sich beim Technologieunternehmen Merck KGaA Führung durch mobiles Arbeiten verändert.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Ihre Kirsten Frohnert


Mobiles Arbeiten

Führungskräfte müssen langfristiger kommunizieren

Josephine Hofmann erläutert im Interview: Da Führungskräfte schon durch ihren Job viel mobil unterwegs sind, müssen sie ihre Kommunikation sehr gut koordinieren. Dadurch sind sie in dieser Zeit teilweise besser ansprechbar, als wenn sie vor Ort sind. Die Abteilungsleiterin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart ist Mitautorin der Studie „Die flexible Führungskraft“, aus der sie im Interview berichtet. Sie unterstreicht: Führungskräfte verzeichnen eine große Steigerung der Motivation, Arbeitszufriedenheit und Loyalität zur Organisation, wenn die Beschäftigten flexible Arbeitsformen nutzen können.

Weiterlesen


Mobiles Arbeiten

mywork@merck schafft Rahmen für mehr Flexibilität

Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck KGaA hat 2012 seinen Pilotversuch mywork@merck zur Arbeitsautonomie abgeschlossen. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung dazu liegt vor. Heute können die Beschäftigten individuell ihre Arbeitszeiten und ihre Arbeitsorte festlegen und stimmen dies im Team gemeinsam mit ihren Vorgesetzten ab. Teamvereinbarungen helfen dabei, ein gemeinsames Verständnis von Freiräumen und Verantwortlichkeiten zu schaffen. Lesen Sie im Praxisbeispiel mehr zu Führen aus der Ferne bei Merck und den Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Weiterlesen

Teile: