Führungskräfte müssen langfristiger kommunizieren

Individuelle Eigenschaften sind wichtiger als Rahmenbedingungen

Josephine Hofmann ist Abteilungsleiterin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Ihre Untersuchungen zeigen: Führungskräfte arbeiten durch ihren Job an sich schon viel mobil. Dadurch müssen sie langfristiger und klarer kommunizieren und sind dadurch sogar besser ansprechbar als vor Ort im Büro. 

Frau Hofmann, Sie sind Mitautorin der Studie „Die flexible Führungskraft“ und haben dafür 2500 Führungskräfte befragt und 40 Tiefeninterviews geführt: Welche Bedeutung hat mobiles Arbeiten für Führungskräfte?

Die Nutzung mobiler Arbeitsformen ist bei Führungskräften grundsätzlich genauso wie bei allen anderen Beschäftigten auch Teil eines modernen Arbeitslebens. Führungskräfte arbeiten meistens schon durch ihre Aufgaben mobil. Sie sind oftmals mehr unterwegs als ihre Teamkollegen. Sie arbeiten aber eher mobil in der Bahn oder im Flugzeug als vom Homeoffice aus, was mehr Koordinierung verlangt. Dies wiederum führt interessanterweise zu einer besseren Ansprechbarkeit.

Wie gelingt es denn Führungskräften, viel unterwegs zu sein und gleichzeitig gut mit ihren Teams zu kommunizieren?

Sie müssen mehr in Koordination und Planung investieren. Die Vielfalt und Intensität der Nutzung von technischen Geräten steigt erheblich. Dadurch können Führungskräfte durchgängig und besser kommunizieren. Besser heißt hier: langfristiger und expliziter. Zwei Drittel der Führungskräfte bestätigen, dass sie mehr Zeit dafür einsetzen, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeitnah eine Rückmeldung für geleistete Arbeit zu geben, wenn sie mobil arbeiten. 

Wie wirkt sich dieser Führungsstil denn auf die Beschäftigten aus?

Führungskräfte berichten von einem hohen Maß an Steigerung der Motivation, Arbeitszufriedenheit und Loyalität zur Organisation, wenn die Mitarbeiter flexible Arbeitsformen nutzen können. An nächster Stelle nennen sie eine Steigerung der individuellen Leistung und der Serviceorientierung.

Was sind denn kurz zusammengefasst die Erfolgsfaktoren für gelingendes mobiles Führen?

Unsere Studie hat ergeben, dass die individuellen Eigenschaften der mobil Arbeitenden für den Erfolg von flexibler Arbeit noch wichtiger sind als strukturelle Gegebenheiten. Es ist vor allem die Fähigkeit, sich selbst zu managen, aktiv zu kommunizieren und gut mit neuen Medien umzugehen. Erfolgsfaktoren sind dann aber auch bestimmte unterstützende betriebliche Rahmenbedingungen, wie Anreizsysteme für Führungskräfte, für ihre Teams Flexibilität möglich zu machen, ein geeignetes Zeiterfassungssystem oder die passende IT- und Arbeitsplatzausstattung.

Wird das Klima in Unternehmen, in denen Führungskräfte mobil arbeiten, familienfreundlicher?

Dazu habe ich keine Daten. Aus meiner Erfahrung würde ich aber sagen, dass in dem Moment, in dem die Führungskräfte – auch durch eigene Erfahrungen – bei ihren Teams die Fähigkeiten für erfolgreiches flexibles Arbeiten feststellen und sie dann mehr auf Ergebnis- statt auf Prozesskontrolle setzen, mobile Arbeitsformen kein Problem mehr sind. Das spart Wege und erlaubt ein individuelles Management von Job- und Familienaufgaben. Damit trägt es zu einem familienfreundlichen Klima bei. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Teile: