mywork@merck schafft Rahmen für mehr Flexibilität

„Ein großes Thema bei uns ist das Loslassen“

Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck KGaA hat bereits 2012 den Pilotversuch mywork@merck zur Arbeitsautonomie und eine entsprechende Betriebsvereinbarung dazu abgeschlossen. Der Pilot stellte die Weichen für das neue Arbeitsmodell. Rund 350 Beschäftigte aus 14 Bereichen nahmen daran teil. Verschiedene Teams konkretisierten mit ihrer Führungskraft die Umsetzung des flexiblen Modells entlang fester Rahmenbedingungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzten das Modell, schärften es und schafften so als Vorreiter die Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung von mywork@merck.

„Das Modell schafft den Rahmen für eine flexible Wahl von Arbeitsort und Arbeitszeit“, berichtet Katharina Ebrecht-Spahn, die in der Personalabteilung bei Merck unter anderem für Arbeitsmodelle in Deutschland verantwortlich ist. Die Beschäftigten können individuell ihre Arbeitszeiten und ihre Arbeitsorte festlegen und stimmen dies im Team gemeinsam mit ihren Vorgesetzten ab. Grundlage hierzu können sogenannte Teamvereinbarungen sein, die dabei helfen, ein gemeinsames Verständnis von Freiräumen und Verantwortlichkeiten im Team zu schaffen. Inhalte sind beispielsweise der Arbeitszeitrahmen, Präsenzpflichten, Funktionszeiten und Vertretungsregelungen.

Unabhängig davon, ob Teile des Teams oder ob Führungskräfte selber mobil arbeiten, verändert die freie Wahl des Arbeitsortes, so die Erfahrung bisher, das Führen grundsätzlich. „Ein großes Thema ist bei uns das Loslassen“, sagt Ebrecht-Spahn. Vorgesetzte müssten bereit sein, den mobil arbeitenden Teamkolleginnen und -kollegen Freiraum zu geben, eigenständig zu entscheiden, wie sie ein bestimmtes Ergebnis erreichen, und entsprechendes Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen. „Wir müssen mehr als zuvor klare Zielsetzungen vereinbaren und ein gleiches Verständnis hinsichtlich der Aufgaben und Erwartungen zwischen Vorgesetzten und Beschäftigten schaffen“, fasst Ebrecht-Spahn die Herausforderung zusammen.

Darüber hinaus sollte eine Führungskraft, so die Erkenntnis bei Merck, einen regelmäßigen Austausch im Team sicherstellen und Sorge tragen, dass es fest vereinbarte Anwesenheitszeiten für alle Teammitglieder im Büro gibt. Denn die neuen Führungsaufgaben gelten nicht nur im Hinblick auf mobil arbeitende Beschäftigte, sondern auch für die vor Ort verbliebenen. „Hier hatten wir zum Beispiel den Fall, dass einem Kollegen das Gefühl, überhaupt noch in einem Team zu arbeiten, abhandenkam“, erzählt Ebrecht-Spahn. Daraufhin habe das Team feste Präsenzzeiten vereinbart, was die Situation sofort verbessert habe. Bei Merck arbeitet zwar nach wie vor die große Mehrheit der Beschäftigten vor Ort. Doch die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, ist den Kolleginnen und Kollegen laut Ebrecht-Spahn extrem wichtig und wird sehr positiv aufgenommen. Die Beschäftigten nutzen mobiles Arbeiten häufig, um Arbeit mit privaten Verpflichtungen oder Freizeitaktivitäten zu verbinden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat sich verbessert. Auch haben sich die Unterbrechungen bei der Arbeit laut Aussage der Mitarbeiter seit der Einführung von mywork@merck merklich reduziert.

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