Väter wünschen sich offizielle Genehmigung für mobiles Arbeiten

Mobiles Arbeiten als Türöffner für Väter, die mehr Vereinbarkeit wollen

Volker Baisch ist Geschäftsführer der Väter gGmbH und unterstützt Unternehmen darin, väterbewusste Personalpolitik umzusetzen. Seine Beobachtung: Väter wünschen sich, dass mobiles Arbeiten ausdrücklich in einer Betriebsvereinbarung „erlaubt“ wird.

Herr Baisch, wie wichtig ist speziell Vätern die Möglichkeit, mobil zu arbeiten?

Enorm wichtig. Mobiles Arbeiten gibt ihnen die Freiheit, die sie sich wünschen, ohne ihre Arbeitszeit und ihren Verdienst reduzieren zu müssen. Sie brauchen dann nicht morgens um 8 Uhr anwesend zu sein, sondern können ihre Kinder in den Kindergarten bringen und vielleicht nachmittags mit ihnen schwimmen gehen. Vormittags und abends liegen Arbeitsphasen. Mobiles Arbeiten ist dann wie ein Türöffner in einen Alltag, in dem Väter erproben, wie sich Beruf und Familie vereinbaren lassen, wenn man eben nicht an fünf Tagen zehn Stunden zu Hause abwesend ist.

Sind Männer stärker an Präsenzkultur in Unternehmen gebunden als Frauen?

Meiner Erfahrung nach ja. Männer haben Präsenz von morgens bis abends im Büro viel stärker als Norm verinnerlicht als Frauen. Karriereschritte zu planen heißt für viele Männer nach wie vor, sich an diese Norm zu halten. Daher schauen sie erst einmal, ob ihr Unternehmen es ihnen überhaupt ermöglicht, aus der Präsenznorm ohne persönliche Nachteile auszuscheren.

Ist also eine explizite Erlaubnis entscheidend?

Ja, und da ist ein Impuls von Personalabteilung oder Unternehmensführung wichtig. In dem Moment, in dem zum Beispiel ein Personalvorstand dafür einsteht, dass mobiles Arbeiten in Ordnung und anerkannt ist, nutzen Väter diesen Türöffner für mehr Vereinbarkeit. Manchmal auch erst dann, wenn es mutige Kollegen gibt, die von der Norm abweichen und mobiles Arbeiten ausprobieren.

Wie können Unternehmen dafür sorgen, dass Väter mehr Vereinbarkeit durch mobiles Arbeiten praktizieren, ohne dass Führungskräfte übergangen werden?

Wichtig ist, dass das Unternehmen einen expliziten Rahmen festlegt, in welchem Umfang und ggf. auch für welche Tätigkeiten es seinen Führungskräften und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestattet, mobil zu arbeiten. Besonders hilfreich sind hier Betriebsvereinbarungen. Sie formulieren die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens. Gleichzeitig müssen für die Vorgesetzten bei der Einführung eines mobilen Arbeitsplatzes für Beschäftigte Spielräume bleiben. Dabei geht es um Fragen wie zum Beispiel: Sind der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin und ihre Tätigkeit wirklich geeignet? Kann ich der Person vertrauen? Wie schöpft er oder sie die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens aus? Hier helfen Probephasen von drei bis sechs Monaten. Dann kann man sich wieder zusammensetzen und bilanzieren. So vermeiden Unternehmen es, ihre Führungskräfte zu überfordern. Und schließlich sollte es gut kommunizierte Beispiele zum Thema mobiles Arbeiten im Unternehmen geben – auch von Führungskräften.

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