Unternehmensbeispiele: Unternehmen schauen genauer auf Ihre Nachwuchskräfte

Familienbewusste Unternehmenskultur – viral verbreitet

Wooga ist europäischer Marktführer für Computerspiele und sucht weltweit Personal – unter anderem die von vielen gesuchten Programmierer. Das Unternehmen ist in nur drei Jahren von 50 auf 280 Beschäftigte aus 43 Nationen gewachsen – mit insgesamt 57 Kindern in 38 Familien. Allein 2013 wurden 14 Kinder geboren, eine Geburtenrate, die sich 2014 – so die Prognose der Personalleiterin Gitta Blatt – noch steigern könnte. Auf dem Flur steht eine Wickelkommode, die neugeborenen Babys werden über die Website willkommen geheißen, die Karriereseite des Unternehmens zeigt Fotos vom gemeinsamen Familienfasching.

„Unsere wichtigste Bewerberzielgruppe sind hoch qualifizierte Young Professionals zwischen 28 und 35, für die nicht mehr nur die Karriere, sondern auch Familie und Work-Life-Balance einen sehr hohen Stellenwert haben“, so Gitta Blatt. Im Zuge dieser Entwicklung hat sich eine Unternehmenskultur entwickelt, in der Partnerschaft, Karriere und Kinder Kernbegriffe sind. Sinnhaftes tun, sichtbar werden, zuverlässige Entwicklungsmöglichkeiten haben und Verantwortung übernehmen – so beschreibt die Fachfrau die zentralen Ziele ihrer Beschäftigten. Und sie betont, dass daraus auch eine hohe Erwartungshaltung an Arbeitgeber erwachse. „Wir vermitteln unserer Zielgruppe, dass sie bei uns erfolgreich sein kann, was in einem so trendgetriebenen Umfeld wie dem unseren extrem wichtig ist.“

Vollkommen selbstverständlich sei für die Young Professionals aber auch das Familienleben. Gitta Blatt zählt auf, was im Personalmarketing bei Wooga vielleicht den Ausschlag gibt: Zehn Minuten früher zu gehen oder später zu kommen sei kein Problem, der Geschäftsführer sei selbst Vater von zwei Kindern, in der Regel arbeite niemand mehr als 40 Stunden und „Showsitzen“ sei verpönt.

Familienfreundlichkeit einfach so vermarkten möchte das Unternehmen aber natürlich nicht. Vielmehr setzt es auf eine „virale Verbreitung“ von Mund zu Mund. Der Erfolg spricht für sich: 40 Prozent der Neueinstellungen bewerkstelligt Wooga tatsächlich über Empfehlungen von Beschäftigten, zehn Prozent über Universitätskooperationen, 20 Prozent über Headhunting und Messen und 30 Prozent über Direktbewerbungen auf die Homepage und über Informationen aus Blogs und sozialen Netzwerken. Und Familienfreundlichkeit spielt dabei eine Rolle. Gitta Blatt: „Auf die Frage, warum sich jemand am Ende dann für Wooga entschieden hat, nennen viele neu eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kulturelle Faktoren wie Familienfreundlichkeit.“


Generation Y und Young Professionals: Typisch sind Entscheidungsfreude und Mitgestaltung

Anspruchsvoll, teamorientiert, kritisch und individualistisch, Digital Natives und hoch qualifiziert – auf diese Beschreibungen wird die Generation Y immer wieder reduziert. Heike Kandziora, Teamleiterin des Bereichs Recruiting in der HR-Abteilung der Computacenter AG & Co. oHG, kann dieses Bild nur in manchen Punkten bestätigen. Die gelernte Betriebswirtin berichtet, dass die Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die sich bei ihnen bewerben, sehr wohl großen Wert auf die Inhalte ihrer zukünftigen Arbeit, ihre Rolle im Unternehmen und die damit verbundenen Karrieremöglichkeiten legen. Und die zahlreich vorhandenen Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise zu Work-Life-Balance nicht unbedingt aktiv abfragen, sondern eher als selbstverständlich zur Kenntnis nehmen. 

Der britische Dienstleister für Informationstechnologie ist in Deutschland an 25 Standorten vertreten und erhält konstant zwischen 1.200 und 1.500 Bewerbungen pro Monat. Zurzeit sind etwa 250 Stellen offen. Über Traineeprogramme unter anderem zu IT-Beratern oder zu Vertriebsexperten erhalten Hochschulabsolventinnen und -absolventen den fachlichen Schliff. Was sie tatsächlich wünschen, das sei, so Kandziora weiter, Kommunikation auf Augenhöhe durch alle Hierarchieebenen, flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit – je nach Rolle im Unternehmen –, auch ortsunabhängig zu arbeiten. Unter den Young Professionals würden die Väter die zwei „Vätermonate“ deutlich öfter in Anspruch nehmen als früher – Tendenz steigend. Ein Familienservice bietet Dienstleistungen rund um das Thema Kinderbetreuung und Elder Care an, aber auch zu Themen wie etwa Coaching. Er wird über die Homepage sowie über die Facebookseite des Unternehmens beworben. „Unsere Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zu Work-Life-Balance decken sich im Wesentlichen mit den Erwartungen der Bewerber“, sagt Heike Kandziora. Die Unterschiede zwischen den jungen Absolventinnen und Absolventen und den schon etwas erfahrenen Young Professionals seien gar nicht groß: Entscheidungsfreude und Mitgestaltung seien typisch für sie. Finden lässt sich diese Zielgruppe inzwischen völlig ohne gedruckte Anzeigen. Natürlich akquiriere das Unternehmen über seine Homepage, über Hochschulveranstaltungen, Messen, über Exkursionen und Vorlesungen in Kooperation mit Universitäten und über die eigenen Beschäftigten. „Wir greifen auf persönliche Kontakte unserer Berater und ehemaligen Trainees zu ihren alten Universitäten zurück“, berichtet Kandziora. Die Unternehmenskultur sei dynamisch, man würde sich über alle Hierarchieebenen hinweg duzen und dies auch nach außen vermitteln.

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