Unternehmensbeispiel: Müssen Unternehmen sich bei ihren Bewerbern bewerben?

Zu viel Kommunikation zu diesem Thema gibt es nicht

„Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach außen zu kommunizieren ist für uns zentral“, sagt Wolfgang Witte, Gesellschafter der perbit Software GmbH. „Bei den letzten zehn Einstellungsgesprächen hat jeder danach gefragt.“ Und das Unternehmen hat Erfolg damit: perbit hat beim bundesweiten Wettbewerb „Beste Arbeitgeber in der ITK 2014“ des Instituts Great Place to Work den ersten Platz in der Kategorie 50 bis 100 Mitarbeiter belegt. Beim branchenübergreifenden Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2014“ kam das Softwareunternehmen in der Größenklasse 50 bis 500 Mitarbeiter auf Platz sieben.

Das auf Human-Resources-Management-Systeme spezialisierte Unternehmen trifft seine potenziellen Beschäftigten auf Recruiting-Messen und durch Kooperationen mit Hochschulen. „Wir kennen schon viele derjenigen, die wir einstellen“, sagt Witte. Denn Praxissemester oder Betreuung der Abschlussarbeit stehen in seinem Unternehmen auf der Tagesordnung. Gute Leute langfristig zu binden sei aber insgesamt schwieriger geworden, meint der 63-Jährige. In seinen Augen muss sich das Unternehmen mittlerweile bei den Bewerbern bewerben. Er vermutet, dass die Kommunikation einzelner Unternehmen falsche Erwartungen weckt. Nach außen mehr darzustellen, als tatsächlich umzusetzen sei aber ein Kardinalfehler. Authentizität und Stringenz in der Kommunikation nach innen und außen ist dann auch die Empfehlung, die er allen gibt, die bei ihrem Personalmarketing das Thema Beruf und Familie in den Fokus rücken. Dabei gilt: Eine Kommunikationsstrategie lässt sich nicht innerhalb von wenigen Wochen erarbeiten und umsetzen. „Fragen Sie Ihre eigenen Leute, welchen Bedarf sie haben, und sprechen Sie im Bewerbergespräch darüber, auch über Details“, rät Witte, der die Kommunikation zum Thema Beruf und Familie im Kontext eines neuen CI-Prozesses eingeführt hat.

Die Kommunikation zu Beruf und Familie läuft bei perbit über das Marketing auf der Website, wo es beispielsweise ein Factsheet zur Work-Life-Balance gibt, aber auch über Vorträge, Pressearbeit und Teilnahme an regionalen Wettbewerben. „Zu viel Kommunikation zu diesem Thema gibt es nicht“, sagt Witte ohne Zögern. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt Witte zufolge, dass sie gar nicht mit Bosch oder Daimler mithalten wollen. perbit zum Beispiel vermarktet stattdessen die Vorteile, die es als mittelständisches Unternehmen mit 72 Beschäftigten an drei Standorten hat: „Unsere Beschäftigten sind kein kleines Rädchen, sie haben Gestaltungsfreiraum.“ Deswegen signalisiert perbit beim Personalmarketing grundsätzlich, dass individuell zugeschnittene Maßnahmen möglich sind. 

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