Unternehmensbeispiel und Instrumente: Stellenanzeigen und Vereinbarkeitslösungen nur einen Mausklick entfernt

Familienfreundlichkeit ganz oben auf der Karriereseite

Drei Mausklicks von den Stellenanzeigen entfernt, findet der virtuelle Besucher bei Vodafone unter „Was wir bieten“ das Stichwort „Life Balance“. Hier geht es unter anderem um Beruf und Kinder, Beruf und Pflege oder flexibles Arbeiten. „Flexibilität ist der Erfolgsfaktor der Zukunft“, sagt Gerda Köster, Senior Referentin Diversity & Inclusion bei der Vodafone GmbH. Berufliche Entwicklung müsse in unterschiedlichen Konstruktionen möglich sein, damit Fachkräfte ihre Form der Partnerschaft realisieren könnten. Die Bildsprache des Telekommunikationsanbieters sticht ins Auge: „Geprüftes Engagement“ zeigt einen jungen, hoch konzentrierten Mann. Unter „Work-Life-Integration“ trägt ein Vater seine Tochter huckepack.

Ein Wendepunkt, auch gezielt Väter anzusprechen, war 2011 die Rezertifizierung des audit berufundfamilie. „Eine Arbeitsgruppe mit etlichen männlichen Führungskräften, die zum großen Teil selber als Väter Maßnahmen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nutzten, fühlte sich auf den Karriereseiten von Vodafone nicht repräsentiert“, berichtet Köster. In der Tat seien fast nur Frauen abgebildet gewesen. Die Kritik: Dies würde den Eindruck erwecken, die Angebote richteten sich nur an Mütter. Daraufhin ließ Köster nicht nur die Bildsprache, sondern auch die Texte überarbeiten: Heute verwendet Vodafone statt „Eltern“ öfter „Mütter und Väter“ und sogar der „Klassiker“ unter den Bildern, das Motiv der Mutter am Laptop mit Kind, ist hier durch einem Vater mit Kind ersetzt. „Außerdem setzen wir auf jede Stellenanzeige das Logo von berufundfamilie, das nach außen signalisiert: Wir sind auditiert, wir nehmen das Thema Beruf und Familie ernst“, sagt Köster. „Bedarf an Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort besteht sogar schon bei unseren Praktikanten“, so die 48-Jährige. „Aus unserem Recruiting höre ich immer wieder, dass unsere expliziten Angebote zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben das Zünglein an der Waage bei der Entscheidung einer Fachkraft für uns war.“

Mit dem Fokus auf Väter hat die Commerzbank früh einen Nerv getroffen

„Papa arbeitet, Mama kümmert sich zu Hause um die Kinder. Das war gestern.“ Wer jetzt erwartet, dieses Zitat auf der Karriereseite der Commerzbank AG sei der Einstieg unter der Rubrik „Frauen“, liegt falsch. Es ist der Einstieg unter der Rubrik „Väter“. Der Frankfurter Konzern spricht im Personalmarketing Frauen und Männer gleichermaßen mit seinen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben an, aber Väter als interne und externe Zielgruppe hat er schon lange im Blick.

Bereits 1995 hat die Commerzbank ihren ersten Workshop für Väter angeboten. Den Rahmen bildete ein internes Symposion zum Thema „Zusammenarbeit von Frauen und Männern in der Commerzbank“, das auch in der Öffentlichkeit intensiv wahrgenommen wurde – bis hin zur Berichterstattung in der Financial Times London. „Wir sind mit dem Thema bewusst auch nach außen aufgetreten, weil wir das schon damals als attraktives Arbeitgebermerkmal betrachtet haben“, sagt Barbara David, Leiterin Diversity-Management in der Commerzbank AG. Das gleiche gilt für das 2004 gegründete Netzwerk „Fokus Väter“ „Wir thematisieren es in Buchbeiträgen, Interviews und Fernsehbeiträgen, auch um uns als Arbeitgeber darzustellen“, berichtet David. Neben der Pressearbeit zählen die Karriereseite im Internet und die Recruiting-Messen zu den wichtigsten Personalmarketinginstrumenten, über die der Konzern das Thema Familie und Beruf in den Fokus rückt. Auf der Karriereseite liegen Stellenangebote und Informationen zu Beruf und Familie nur einen Mausklick voneinander entfernt. Die Bildsprache ist ansprechend gestaltet und zeigt mehrere Generationen von Müttern, Vätern, Großeltern und Kindern. Unter der Rubrik „Väter“ wird über verschiedene Teilzeitmodelle als Selbstverständlichkeit berichtet. Man sieht von einem Mann hauptsächlich die Hand, die eine Aktentasche, einen roten Becher und einen Teddybär trägt. Bei Recruiting-Messen setzt die Commerzbank neben Informationsmaterialien vor allem auf das persönliche Gespräch mit Interessenten. Die Zahl derer, die sich auch wegen der hohen Arbeitszeitflexibilität oder anderer Maßnahmen zu Beruf und Familie für die Commerzbank als Arbeitgeber interessieren, ist seither kontinuierlich gewachsen.

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