Vereinbarkeitsangebote immer nennen …

Selbst der sogenannte „Nerd“ fragt nach Vereinbarkeitsangeboten

„Auch Softwareentwickler, die mancherorts auch als ‚Nerds‘ bezeichnet werden, sind inzwischen offen für Elternzeit“, berichtet Daniela Gehring, Abteilungsleiterin Personal & Organisationsentwicklung bei der AOK Systems GmbH. Das Unternehmen stellt eine SAP-basierte Software her, die gesetzliche Krankenkassen für alle ihre Geschäftsprozesse benötigen. Die Beschäftigten sind in der Mehrzahl männlich – der berühmte oben beschriebene Typus ist durchaus vertreten –, und trotzdem nutzen Frauen und Männer gleichermaßen die Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch melden sich in den Vorstellungsgesprächen immer mehr jüngere Männer mit Fragen zu Beruf und Familie zu Wort.

1999 mit 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegründet, hat das Unternehmen mit seinen Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie informell sehr effizient organisiert – zu beiderseitigem Nutzen und bevor die entsprechenden Trends einsetzten. Als die Nachfrage immer rasanter wuchs, wurden gemeinsam mit dem Betriebsrat feste Regeln geschaffen. „Wir haben früh erkannt, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Wettbewerbsfaktor ist“, sagt Gehring. „Und wir stellen immer wieder fest, dass Angebote in diesem Bereich tatsächlich ein Auswahlkriterium für Bewerberinnen wie für Bewerber sind.“

Daher weist das Unternehmen im letzten Drittel eines Vorstellungsgesprächs standardmäßig auf seine Leistungen und in diesem Zusammenhang auf die Maßnahmen zur Vereinbarkeit hin. Die Reaktionen in den Gesprächen seien durchweg positiv, sagt Gehring. „Wir konkurrieren mit Unternehmen, die um ein Vielfaches größer sind als wir. Da IT-Fachkräfte nicht wie Sand am Meer zu finden sind, brauchen wir gute Angebote.“ Inzwischen arbeiten 533 Beschäftigte für die AOK Systems, davon 31 Prozent Frauen. Und das Unternehmen wächst weiter.

Die „Bewerbungsunterlagen“ des Unternehmens: Was die AOK Systems GmbH Bewerberinnen und Bewerbern bietet und wie es dies darstellt, sehen Sie hier: www.aok-systems.de/karriere/wir-als-arbeitgeber.html 

Aufstiegsbereitschaft bei Frauen erfordert ein familienfreundliches Umfeld

Für ihre 410 Mitarbeiterinnen und 290 Mitarbeiter bietet die Kreissparkasse Augsburg eine nach Lebensphasen orientierte Personalpolitik, die sie bereits im Vorstellungsgespräch beschreibt. „Wir möchten mehr Frauen in Führungspositionen bringen, da wir einen Anteil an Mitarbeiterinnen von rund 60 Prozent haben“, erläutert Sabine Stölzle, die in der Personalabteilung das Referat Beruf und Familie verantwortet.

Aufstiegsbereitschaft aufseiten der potenziellen Beschäftigten müssten dann aber natürlich auch familienfreundliche Rahmenbedingungen entsprechen. „Zum Beispiel möchten wir die Begleitung beim Eintritt in die Familienphase und beim Wiedereinstieg hier bei uns weiter verbessern.“ Am wohlsten fühlten sich Mütter und Väter nach der Elternzeit, wenn sie wieder auf ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren könnten, so die 54-Jährige. Schon beim ersten Kennenlernen stellt die Personalabteilung klar: Das Unternehmen kommt solchen Wünschen entgegen. Was es darüber hinaus für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet – auch dies ist Gegenstand der ersten Unterhaltung. Informationen über Beruf und Familie haben dort einen festen Platz.

Die Sparkassen unterscheiden in ihrer Ansprache potenzieller Bewerberinnen und Bewerber gleich nach Zielgruppen und geben unter anderem Bewerbungstipps: karriere.sparkasse.de/ 

Das passende Arbeitszeitmodell schon im Vorstellungsgespräch andenken

Dr. Günther Bail bildet junge Zahnarzthelferinnen aus und arbeitet mit hoch spezialisierten zahnmedizinischen Fachkräften. Allen stellt er sich im Vorstellungsgespräch als familienfreundlicher Klinikchef vor. „Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein entscheidender Faktor“, sagt der Leiter der Dentinic Privatklinik der Zahnmedizin & Ästhetik mit zehn Beschäftigten. „Wenn wir hier nichts bieten würden, könnten wir die Kräfte, die wir aus- und fortbilden, nicht halten.“

Da er die Bewerbungsunterlagen kennt, weiß er zumeist, wer bereits Familie hat. Wenn Kinder im Spiel sind, so fragt er die Bewerberinnen und Bewerber, wie sie die Vereinbarkeit organisieren möchten, und bittet sie um Vorschläge. Diese nimmt dann die Verwaltungsleiterin auf und entwirft die passenden Arbeitszeitmodelle und entsprechenden Dienstpläne. „Hier ergänzen sich beispielsweise unsere jungen Helferinnen mit kleinen Kindern und die Wiedereinsteigerinnen geradezu ideal“, sagt Bail. Die einen arbeiten vormittags, solange die Kinder im Kindergarten sind, die anderen könnten ihre jugendlichen Kinder nachmittags bereits alleine lassen.

Somit könne durch beide Teilzeitarbeitsmodelle die gesamte Tagesarbeitszeit von 9 bis 18 Uhr abgedeckt werden. Auch ein Zahntechniker, dessen Familie etwas weiter weg lebt, kann seine 40 Wochenstunden an vier Tagen absolvieren. Für den fünften Tag und für die Tage, an denen die Auszubildenden in der Schule sind, gibt es Teilzeitkräfte. Die Bereitschaft zu dieser Flexibilität spricht Bail schon im Vorstellungsgespräch an.

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