„Wir nennen es nicht Achtsamkeit“

Wir haben den Praxistest gemacht: Tina Sarmann leitet im Unternehmen Elektro Rosin mit 49 vorwiegend männlichen Beschäftigten die Personalabteilung und hat die vorliegende Ausgabe vorab gelesen. Sie lebt Achtsamkeit in der betrieblichen Praxis, auch wenn sie es anders nennt.

Frau Sarmann, erst einmal vielen Dank, dass Sie die drei Geschichten zum Thema „Achtsamkeit“ gelesen haben. Ist Achtsamkeit zu abstrakt oder finden Sie sich aus Unternehmenssicht wieder?
Ich fand die Geschichten höchst interessant und gar nicht abgehoben. Der Unterschied zu uns als kleinem Mittelständler liegt darin, dass die Prozesse bei uns weniger hierarchisch verlaufen und die Kommunikation direkt über den Flur geht. Aber ansonsten erkenne ich auch vieles wieder: die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehenden Angebote bei kranken Kindern und die flexible Nutzung von Überstunden, um nur ein paar Beispiele zu geben. Wir nennen unsere Mitarbeiterorientierung allerdings nicht Achtsamkeit. Wir sind ein Familienbetrieb, da läuft vieles selbstverständlich auf der menschlichen Ebene.

Gab es für Sie auch zukunftsweisende Aspekte, von denen Sie sagen würden, dass eine neue Vereinbarkeitskultur daraus entstehen könnte?
Als interessant bewerte ich den Ansatz von Herrn Jabin von Upstalsboom, dass Eltern nicht das Gefühl bekommen dürfen, einen Sonderstatus zu genießen. Ich denke, wir müssen alle Beschäftigten in den Blick nehmen. Schließlich haben wir Leute, die seit 30 Jahren für uns arbeiten und ihre Kinder ohne all die Unterstützungsmaßnahmen von heute großgezogen haben. Und natürlich haben auch Menschen ohne Kinder ein berechtigtes Interesse, neben dem Beruf noch ihren Hobbys nachzugehen oder andere Dinge zu tun, die für sie wichtig sind. Ich denke, es ist richtig, in Zukunft den Vereinbarkeitsbegriff etwas weiter zu fassen.

 

 

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