Interview mit Professorin Dr. Sonja Sackmann

Führungskräfte sind die Kulturprägenden in Unternehmen

Prof. Sonja Sackmann leitet den Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität der Bundeswehr München. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen u. a. in den Bereichen Führung, Unternehmenskultur und Change Management. Die Entwicklung einer familienorientierten Unternehmenskultur macht sie – außer an der Fachkräftesituation – vor allem an einem Wertewandel der jüngeren Generationen Y und Z fest.

 

Frau Prof. Sackmann, was motiviert Unternehmen heute, eine familienorientierte Kultur zu pflegen?
Unternehmen müssen sich aufgrund der geringeren Anzahl an Arbeitskräften je nach Branche und Region wirklich anstrengen, noch qualifiziertes Personal zu gewinnen. Arbeitgeberattraktivität spielt dabei eine wichtige Rolle. Die demografische Situation ist also eine entscheidende Motivation. Hinzu kommt ein Wertewandel der jüngeren Generationen.

Wie sieht dieser Wertewandel aus?
Die klassische Arbeitsteilung, die früher in Familien herrschte, gibt es so nicht mehr. Frauen wollen heute ein erfülltes Berufsleben und Männer wünschen sich mehr Zeit für die Beziehung zu ihren Kindern. In Deutschland verlassen sich jüngere Beschäftigte zum großen Teil dabei auf ihren Arbeitgeber und erwarten, dass er ihnen Angebote macht. Eine aktive Vernetzung der Beschäftigten auch im privaten Umfeld, um beispielsweise eine Kinderbetreuungslücke zu schließen, wäre ja auch ein gangbarer Weg. Doch die jüngeren Beschäftigten sehen hier deutlich den Arbeitgeber in der Pflicht. So ist ein hoher Erwartungsdruck Arbeitgebern gegenüber entstanden. Manche Unternehmen haben darauf aus meiner Sicht zu spät reagiert.

Mit welchen Angeboten kann ein Unternehmen sich besonders hervorheben?
Im Zentrum stehen flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, mobil, also auch im Homeoffice, zu arbeiten. Diese Flexibilität muss jedoch für alle bestehen, nicht nur für Eltern. Unternehmen müssen sich mit jeder einzelnen Person und ihrer konkreten Lebenssituation befassen. Damit rückt auch die Familie in den Fokus und erfährt eine viel stärkere Integration in die Personalarbeit von Unternehmen als früher.

Welchen Tipp hätten Sie für Unternehmen in ländlichen Regionen, wenn es um die Fachkräftesuche geht?
Besser als jede Werbekampagne ist es, die Beschäftigten selbst über die Familienorientierung des Arbeitgebers sprechen zu lassen, zum Beispiel auf der Homepage. Allerdings müssen wir bedenken: Ein professionelles Personalmanagement lohnt sich erst ab ca. 400 Beschäftigten. In KMU oder auch in Kleinstunternehmen hängt oft sehr viel an der Haltung des Chefs oder der Chefin. Ohnehin sind Führungskräfte die Kulturprägerinnen und Kulturpräger in Unternehmen, dessen sollten sie sich bewusst sein. Außerdem empfehle ich Unternehmen, einen starken Austausch mit Schulen in ihrer Region zu suchen. Kinder kennen ja in der Regel nur die Berufe ihrer Eltern. Es ist wichtig, ihnen neue Horizonte zu eröffnen und sie auch für andere Berufe zu begeistern. So lässt sich Nachwuchs für die besonders gefragten Fachkräfte gewinnen.


Sie wollen weitere Information dazu, wo Sie ansetzen können, um Ihre Unternehmenskultur (noch) familienfreundlicher zu gestalten? Die finden Sie in unserem Leitfaden Familienfreundliche Unternehmenskultur, den Sie hier herunterladen können.

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