Klartext

In der Rubrik „Klartext“ stellen wir eine These zum jeweiligen Schwerpunktthema auf und bitten zwei Expertinnen oder Experten, dazu knapp Stellung zu nehmen. Lesen Sie in dieser Ausgabe die Beiträge von Holger von der Emde, geschäftsführender Gesellschafter der Ornamin-Kunststoffwerke GmbH & Co. KG, und von Christiane Flüter-Hoffmann, Expertin für Arbeitsmarkt- und Personalpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft. Bei den Kommentaren handelt es sich um persönliche Ansichten des Autors bzw. der Autorin.

These: Familienfreundlichkeit ist kulturbildend und Voraussetzung für erfolgreiches Recruitment in Unternehmen. Richtig oder falsch?

 

Holger von der Emde

Familienfreundliche Unternehmenskultur ist einer von vielen Faktoren

„Grundsätzlich stimme ich der These zu, sehe jedoch keinen zwingenden kausalen Zusammenhang, zumindest nicht in jeder Lebensphase, da ich fest davon überzeugt bin, dass erfolgreiches Recruitment von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist. Familienfreundlichkeit kann für bestimmte Personenkreise sehr bedeutsam sein. Andere hingegen messen möglicherweise Standortfaktoren wie Region, kulturellem Angebot und logistischer Anbindung oder Faktoren wie Unternehmenskultur, Karrierechancen, Branche und nicht zuletzt der finanziellen Ausgestaltung eine höhere Bedeutung bei. Letztlich haben wir alle sehr individuelle Bedürfnisse, die darüber hinaus in Abhängigkeit von intrinsischer und extrinsischer Motivation einem stetigen Wandel unterliegen.“

 

Christiane Flüter-Hoffmann

Familienfreundlichkeit hilft beim „Kampf um die Köpfe“

„Auf jeden Fall richtig. Denn das Wertesystem einer Organisation, der Charakter einer Firma, der sich durch zahlreiche betriebliche Entscheidungen und Verhaltensweisen gebildet hat, prägt die Unternehmenskultur – und dies auch in der Frage, ob und inwiefern eine Firma familienfreundlich ist. Führung ist einer der stärksten kulturbildenden Faktoren in jedem Unternehmen: Wer als Vorgesetzter in der Lage ist, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu begeistern, ihnen den Sinn ihrer Arbeit zu vermitteln, sie zu fördern und fordern, der macht einen sehr guten Job. Wichtig dabei ist vor allem, dass die Führungskraft Rahmenbedingungen schafft, in denen die Beschäftigten ihre Potenziale optimal entfalten und ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens bestmöglich leisten können. Dazu gehören natürlich auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die eine Vereinbarkeit von Familie, Pflege, Ehrenamt, Freizeit und Beruf ermöglichen. Dass Familienfreundlichkeit ein Gelingensfaktor bei der Rekrutierung ist, haben zahlreiche Studien schon nachweisen können: Immer mehr potenzielle Beschäftigte fragen nach den Arbeitsbedingungen, der Arbeitsorganisation und der Ausgestaltung der Arbeitsplätze. Dies hat für viele Fachkräfte inzwischen einen höheren Stellenwert als mögliche finanzielle Vorteile bei der Auswahl eines Arbeitsplatzes. Wer hier als attraktiver Arbeitgeber punkten kann, ist eindeutig im Vorteil beim ,Kampf um die Köpfe‘: Familienfreundliche Unternehmen können die schwierige Aufgabe der nachhaltigen Fachkräftesicherung leichter meistern.“


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