Interview mit Andrea Montua

Spannender als der Kantinenplan?

Eine allgemeingültige Kommunikationsstrategie für Unternehmen gibt es nicht, so die Kernaussage im Interview mit der Hamburger Unternehmensberaterin Andrea Montua von der MontuaPartner Communications GmbH. Die Expertin für interne Kommunikation nennt die wichtigsten Fragen, die es vorab zu klären gilt, und verweist auf unterschiedliche Mitarbeitertypen und deren spezifisches Informationsbedürfnis.

Frau Montua, wenn ein Kunde sich mit der Frage an Sie wendet, wie eine zielgerichtete und professionelle Kommunikation zum Thema Unternehmenskultur aussehen muss, was antworten Sie?
Ich erlebe häufig, dass Kunden das Thema Kultur über familienfreundliche Maßnahmen darstellen wollen und bereits einen Flyer oder Ähnliches als Kommunikationsinstrument im Kopf haben. Ich stelle ihnen dann erst einmal viele Fragen: Wie groß ist Ihr Unternehmen? In welcher Branche sind Sie tätig? Ist Ihr Betrieb noch jung und hat er schon eine eigene Kultur entwickelt? Wollen Sie über eine bereits vorhandene Kultur berichten oder soll eine neue Kultur entstehen? Was sind Werte, die Sie behalten möchten, in welchen Bereichen wollen Sie Veränderungen herbeiführen? Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen? Und: Was sind neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade Ihre wichtigsten Themen? Sie müssen sich im Klaren darüber sein, dass in Unternehmen das Thema familienbewusste Unternehmenskultur vielleicht von der Geschäftsleitung als durchaus wichtig erachtet wird, dass es aber vor allem für diejenigen wirklich Bedeutung hat, die es verantworten oder für die das Thema im eigenen Leben gerade relevant und wichtig ist. Für alle anderen ist – salopp gesagt – der Kantinenplan oft wesentlich wichtiger. Vereinbarkeit ist eines von vielen Themen. Für die meisten Beschäftigten wird es erst durch eigene Betroffenheit akut.

Was heißt das für die Kommunikation?
Aus der Kommunikationstheorie wissen wir, dass man ein Thema mindestens sieben Mal über verschiedene Kommunikationswege gehört haben muss, bevor es wirklich ankert. Viele Kommunikationsverantwortliche wenden sich zwei-, vielleicht dreimal mit Informationen an die Belegschaft und hoffen, das Thema sei „angekommen“. Im ersten Schritt müssen sie aber klären, wen sie überhaupt ansprechen wollen. Wir wissen, dass es in jeder Belegschaft unterschiedliche Haltungen zu dem Thema gibt. Da sind die Unterstützer und Förderer eines Themas, aber auch die Skeptiker und die Gegner. All diese Typen brauchen eine unterschiedliche Begleitung und verschiedene Formate. So braucht der Skeptiker beispielsweise Zahlen, Daten und Fakten zum „Return on Investment“, während der Förderer eher ein Interview mit dem Geschäftsführer über seine Väterzeit liest.

Welche Kommunikationstipps geben Sie unserer Leserschaft?
Kommunizieren Sie in eine Betroffenheit hinein. Schauen Sie zum Beispiel, welche Beschäftigten gerade eine anstehende Elternschaft bekannt gegeben haben, und versorgen Sie diese gezielt mit Informationen über Elternzeit, Elterngeld, Kontakthalteprogramme, Wiedereinstieg und Teilzeitmöglichkeiten. Bereiten Sie die Informationen zielgruppengenau auf. Wählen Sie unterschiedliche Formate, also neben dem üblichen Flyer auch eine Intranetseite, verankern Sie das Thema als feste „Größe“ in Mitarbeitergesprächen und bleiben Sie am Ball: Denken Sie an die sieben Mal …

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