Beispiel aus der Praxis

Die Strahlkraft einfacher Sätze

„Geh Du schon mal los zur Kita, ich mache hier den Rest.“ In diesem Satz steckt mehr als Teamgeist. Für Jürgen Buck drückt er genau das aus, was er als familienfreundliche Unternehmenskultur betrachtet – heruntergebrochen in einen Alltagssatz. Buck ist Kaufmännischer Geschäftsführer der Egger Holzwerkstoffe Wismar GmbH & Co. KG. Das Werk wurde 1999 gebaut – heute arbeiten dort 781 Männer und 100 Frauen.

Informelle Kommunikation: Erfahren, wo der Schuh drückt
Was eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist? „Sie beruht zunächst einmal auf Angeboten wie planbare freie Blöcke im Schichtdienst, der Möglichkeit für Paare, hier im Unternehmen in verschiedenen Schichten zu arbeiten, sodass die Kinderbetreuung klappt, Gleitzeitmodelle für Angestellte, flexible Altersteilzeit und vieles mehr“, so Buck. Bei Egger werden diese Themen formal über Newsletter, das Intranet, das Schwarze Brett, monatliche Teamgespräche und in persönlichen Gesprächen mit den Vorgesetzten kommuniziert. Wichtig ist aber auch die informelle Kommunikation. Buck berichtet, dass er bei Mitarbeiterfesten oder beim Fußballspiel „erfährt, wo der Schuh drückt, und zwar ungeschminkt“.

Eine besondere Verantwortung, wichtige Themen in die Belegschaft hineinzutragen, kommt Führungskräften zu. Deswegen erhalten sie gesonderte Mitteilungen der Personalabteilung zu neuen Gesetzen, Regelungen und Vereinbarungen bei Egger. Außerdem gibt es ein monatliches Treffen zwischen der Geschäftsführung, der Personalabteilung und allen Führungskräften. Dass die Kommunikation der Vereinbarkeitsthemen funktioniert, zeigt sich für Buck zum Beispiel in der Nutzung der Elternzeit durch Väter: „In den letzten drei Jahren sind 43 Männer in Elternzeit gegangen“, so Buck.

Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung: Schub für Vereinbarkeit
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie überschneidet sich bei Egger mit zwei anderen Themen, die gerade einen Platz ganz oben auf der Agenda haben, und bekommt dadurch noch einmal Schub. Gemeint sind der demografische Wandel und die Fachkräftesicherung. Beides bedeutet bei Egger, dass es für ältere Menschen aus der Belegschaft Regelungen zur Altersteilzeit und zu einem flexiblen Übergang in die Rente gibt – Instrumente, die auch Beschäftigte mit Kindern oder Pflegeverantwortung ganz ähnlich nutzen können. Junge Kolleginnen und Kollegen wachsen in ihre Aufgaben hinein – Wissenstransfer ist ein großes Thema und damit auch Kommunikation, nicht nur von der Personalabteilung an die Beschäftigten, sondern auch untereinander. „Wenn in altersgemischten Teams der junge Kollege zur Kita muss und die ältere Kollegin, die das vielleicht aus Erfahrung kennt, den eingangs zitierten Satz ‚Geh Du schon mal los zur Kita, ich mache hier den Rest‘ sagt, dann stimmt die Unternehmenskultur“, ist Buck überzeugt.

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