Willkommenskultur für die Nachfolge schaffen

Wenn man eine Firma übernimmt, sollte man nicht fragen, ob die Unternehmenskultur zu einem passt, sondern ob man selbst zur Kultur passt. So in etwa ließe sich die Haltung von Annett Barth zur Unternehmensnachfolge zusammenfassen. Barth hat 2007 im väterlichen Softwarebetrieb Delta Barth Systemhaus GmbH als Mitarbeiterin im Marketing und Vertrieb angefangen. Sie wollte – bevor sie als Geschäftsführerin anfing – alles erst einmal „von unten“ kennenlernen. Ihre zentrale Erkenntnis: „Wenn man sich auf diese Art und Weise ins Unternehmen einarbeitet und Dinge, die nicht auf der Höhe der Zeit sind, wie z. B. ein veralteter Onlineauftritt, anpackt, verdient man sich den Respekt der Belegschaft.“ Aber auch „von oben“ müsse ein Wechsel gründlich vorbereitet werden. Derjenige, der ein Unternehmen übergibt, sollte eine Art Willkommenskultur schaffen. „Wenn der Vorgänger nicht den Boden bereitet, hat man es als neue Geschäftsführerin schwer, Bewährtes weiter zu verbessern und eigene Impulse zu setzen“, sagt Barth. 

Seit 2011 ist die 38-Jährige nun Geschäftsführerin des Unternehmens mit 66 Beschäftigten. Zuhören, miteinander sprechen und sich beteiligen – das sind ihrer Meinung nach kulturbildende Schlüsselbausteine für den Erfolg bei einer Geschäftsübernahme. Denn, so ist Barth überzeugt, die Menschen wollten wissen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht, ob die Struktur sich verändert, ob der Kundenstamm bleibt und ob sie in ihrer Funktion so weiter beschäftigt werden oder ob sie neue Qualifikationen benötigen. „Einen Großteil meiner Arbeitszeit verwende ich auf die Kommunikation mit den Mitarbeitern“, berichtet Barth. So sitzt sie auch nicht in einem Einzelbüro, sondern mitten zwischen den Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand Mutter oder Vater wird, so ist Barth oft die Erste, die es noch vor der Familie erfährt. „Ich frage dann klipp und klar nach Wünschen und Anforderungen und versuche umzusetzen, was möglich ist“, berichtet Barth. Denn, so sieht sie es, die Menschen haben in ihrem Betrieb nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch einen Lebensplatz, an dem sie sich wohlfühlen sollten.

Jedes neue Teammitglied bekommt für die ersten sechs Monate einen Mentor. „Er ist der Garant dafür, die Unternehmenskultur zu transportieren“, sagt Barth. Damit meint sie, dass die Belegschaft zusammen essen geht, dass Mitarbeiter in Elternzeit den Kontakt von sich aus halten, dass Klartext gesprochen wird, wenn es irgendwelche Stolpersteine gibt, dass jeder und jede für seinen oder ihren Bereich selber Verantwortung übernimmt. Barth pflegt einen sehr offenen und guten Kontakt zu ihrem Vater, der einst das Unternehmen gründete, und hält viel von Kontinuität. Eigene Akzente setzt sie vor allem darin, Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker ins Rampenlicht zu holen, eine große Offenheit im Miteinander zu pflegen und auf Augenhöhe zu kommunizieren, was ihr vergleichsweise junges Alter erleichtert. Eine positive Unternehmenskultur drückt sich für sie darin aus, dass die Beschäftigten integriert sein wollen und das, was sie tun, auch gerne tun.

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