Eigenverantwortung als Firmenphilosophie

146 Beschäftigte, über 54 Teilzeitmodelle – eine ansteigende Teilzeitquote bei Müttern oft erst ab dem zweiten Kind, Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice-Möglichkeiten und keine klassische Führungshierarchie. Hinter dieser Beschreibung steht kein Start-up, sondern ein etabliertes Unternehmen für Brandschutz: hhpberlin. „Bei uns gibt es eine ausschließlich themenorientierte Führung“, sagt Doreen Liebenow, Talentmanagerin bei hhpberlin. „Projektleiter ist kein Titel, sondern eine zeitweilige Rolle, die man übernimmt und auch wieder abgeben kann.“

Die Philosophie im Unternehmen: ein hoher Grad an Selbstorganisation und keine formalen Grenzen der Eigenverantwortung, auch bei der Annahme neuer Aufträge. Diese Arbeitsweise setzt eine starke Ergebnisorientierung voraus. Alle technischen Arbeitsmittel sind mobile Endgeräte, Laptops lässt die Geschäftsführung möglichst alle zwei Jahre austauschen. Das heißt, auch die Ausstattung ermöglicht, jederzeit von jedem Ort zu arbeiten. Trotz der Vertrauenskultur gucken Talentmanager und Geschäftsführung genau hin, ob Beschäftigte zum Beispiel wegen eines Kindes und der Vermeidung langer Anfahrtswege im Homeoffice arbeiten oder ob jemand „die Flucht antreten möchte, um Problemen im Team aus dem Weg zu gehen“, wie Liebenow es formuliert. Neuen Kolleginnen und Kollegen empfehlen Personalverantwortliche, zunächst nicht im Homeoffice zu arbeiten. „Für den Wissenstransfer ist Anwesenheit effektiver, gerade in der Einarbeitungsphase“, so Liebenow.

Dennoch spielt für den aktuellen Informationsstand und -austausch der Beschäftigten Technik, die Mobilität ermöglicht, eine große Rolle. Zum Beispiel gibt es ein eigenes TV-Studio, in dem z. B. Vorträge der Geschäftsleitung aufgenommen, Betriebsversammlungen und Fachseminare übertragen werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil das Unternehmen inzwischen an sechs Standorten in Deutschland vertreten ist. „Standorte eröffnen wir nicht in erster Linie dort, wo es Aufträge gibt, sondern da, wo Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leben und arbeiten möchten“, berichtet Liebenow. „Durch Eigenverantwortung steigt die persönliche Freiheit, es sinkt der Druck und die Kollegen sind entspannter“, sagt die 39-Jährige, die neben ihrem Job noch promoviert. „Gleichzeitig steigt die Motivation. Die Kollegen können mitentscheiden, woran sie wachsen wollen, und überzeugen mit Ergebnissen.“

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