Liebe Leserinnen und Leser,

79 Prozent der Väter in Deutschland wünschen sich mehr Zeit für die Familie. Ein Drittel der Väter, deren Kinder 2013 geboren wurden, gingen in Elternzeit, 80 Prozent von ihnen aber begrenzt auf zwei Monate. Gut ein Viertel der Väter mit Kindern unter 18 Jahren würde gerne einige Wochenstunden weniger arbeiten, tatsächlich umsetzen können dies aber nur magere 5 Prozent. Zwischen den Wünschen von Vätern und der Wirklichkeit der Arbeitsstrukturen liegen Welten. Grund für uns, das neue Forum in diesem Jahr unter den Titel „Väter und Vereinbarkeit“ zu stellen. In sechs Ausgaben bereiten wir für Sie die wichtigsten Aspekte einer väterfreundlichen Personalpolitik auf. Um Ihnen dabei noch mehr Informationen zu bieten und mehr Übersichtlichkeit zu schaffen, haben wir zwei neue Rubriken eingerichtet: „Checkliste“ als praktische Hilfe und „Schon gewusst?“ als Anregung.

In der ersten Ausgabe fragen wir unter dem Stichwort „Faktencheck“, warum eine väterbewusste Personalpolitik überhaupt so wichtig ist. Weiter geht es dann im Zweimonatstakt mit den Themen „Karriere und Führung“, „ElterngeldPlus“, „Ergebnisorientierung statt Präsenzkultur“, „Kommunikation“ und „Botschafter und Väternetzwerke“.

Wie erwähnt, treffen neue Einstellungen bei Vätern auf veraltete Strukturen auf dem Arbeitsmarkt. Ähnliches gilt für Frauen. Sie wünschen sich oftmals einen größeren Arbeitsumfang und bessere Karrieremöglichkeiten. Eine Voraussetzung dafür ist eine stärkere Beteiligung von Vätern an der Familienarbeit und damit eine neue Form der Partnerschaftlichkeit rund um das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Was dies für die betriebliche Praxis bedeutet und welche Hürden dabei zu nehmen sind, darum geht es in dieser Ausgabe. Interessante Einblicke aus Wissenschaft und Praxis liefern Volker Baisch von der Väter gGmbH, Dr. Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und Barbara David von der Commerzbank AG. Wir wünschen Ihnen ein frohes und gesundes Jahr 2016 und eine anregende Lektüre!

Ihre

Kirsten Frohnert und Larissa Roy-Chowdhury

Projektleiterin                   Referentin


Väter und Vereinbarkeit

Experteninterviews mit Volker Baisch, Väter gGmbH und Dr. Martin Bujard, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) 

Im Doppelinterview mit zwei Experten erfahren Sie, was Sie über väterfreundliche Personalpolitik vielleicht schon länger wissen wollten. Volker Baisch ist Geschäftsführer der Väter gGmbH, einer auf väterfreundliche Personalpolitik spezialisierten Unternehmensberatung. Dr. Martin Bujard ist Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Wer sich einen schnellen Überblick verschaffen möchte, bekommt mit der jeweils ersten Frage und Antwort eine kurze Standortbestimmung aus praktischer und wissenschaftlicher Sicht. Im weiteren Verlauf des Interviews geht es dann an die Detailfragen: Wie grenzt sich eine jüngere Männergeneration von ihren eigenen Vätern ab? Welche Rolle spielen Mütter in dieser Dynamik? Und wie kommt es zu dem Spannungsverhältnis zwischen dem eigenen Rollenbild von Männern als aktive Väter und dem Druck, doch die Ernährerrolle übernehmen zu müssen? Tipps dazu, wie Unternehmen darauf reagieren können und welche Maßnahmen geeignet sind, runden das Gespräch ab.

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Väter und Vereinbarkeit

Unternehmensbeispiel: Barbara David, Commerzbank AG

Die Commerzbank AG hat schon in den 1990er-Jahren ihre Personalarbeit väterorientiert ausgerichtet. Jetzt hat sie eine neue Studie dazu erstellen lassen. Die teilweise überraschenden Ergebnisse stellt Barbara David, Leiterin Diversity-Management der Bank, vor. Lesen Sie zum Beispiel, welche Vorteile die Elternzeit Vätern in der Commerzbank gebracht hat.

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Praxistipps für eine väterorientierte Personalpolitik

Väterbewusste Personalpolitik gehört ins Leitbild eines familienfreundlichen Unternehmens und muss Teil der Unternehmensstrategie sein. Die Vorreiterrolle der Geschäftsleitung und der Führungskräfte sollte öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden. Fragen Sie Ihre Väter, was ihnen wichtig ist, und bieten Sie Beratung für Paare.

Väterbewusste Personalpolitik beginnt bei der Unternehmensleitung:
[  ] Abfragen, inwieweit väterfreundliche Personalpolitik durch den Vorstand mitgetragen wird
[  ] Unternehmensleitbild auf Vereinbarkeit und Väterfreundlichkeit überprüfen Personal-/Demografiestrategie darauf ausrichten
[  ] Kommunikation gezielt an Väter richten, z. B. durch Broschürenvorwort des Personalvorstands mit direkter Ansprache der Väter

Beschäftigtenbefragung schafft Klarheit über die Wünsche der Väter:
[  ] Beschäftigtenbefragungen auf die Bedürfnisse von Vätern hin auswerten oder um gezielte Fragen, die Väter betreffen, erweitern
[  ] Alternativ oder zusätzlich: Fokusgruppen quer durch die Hierarchie bilden und in den Workshops konkrete Vorschläge für mehr Väterfreundlichkeit erarbeiten lassen
[  ] Überprüfen, inwiefern externe und interne Kampagnen, Maßnahmen, Befragungen, Broschüren, Magazine etc. Väter durch Bilder, Sprache und Fragen konkret ansprechen

Mit den richtigen Angeboten für Väter starten:
[  ] Werdende Väter schon vor der Geburt mit Informationen zu Vaterschaft und dem ElterngeldPlus-Gesetz „abholen“
[  ] Möglich ist auch ein sogenannter „Väterbrief“ mit Informationen und passenden Angeboten für Väter
[  ] Generell ein bis zwei Mal im Jahr Informationsmeetings für werdende Mütter und Väter veranstalten
[  ] Konkrete Beratung für zukünftige Väter und Mütter plus jeweiligen Lebenspartner oder -partnerin anbieten. Ziel ist es, Vereinbarkeitsstrategien zu unterstützen, die dazu führen, dass sich beide Eltern gleich intensiv um Einkommen und Nachwuchs kümmern
[  ] Feste – auch männliche – Ansprechpartner im Bereich Personal und Gleichstellung für Väter benennen und qualifizieren, z. B. als sogenannte Väterbeauftragte


Zahlen, Daten, Fakten

Während 85 Prozent der Väter nach der Geburt des ersten Kindes und nach der Elternzeitphase das gleiche Arbeitszeitmodell anwenden wie vorher, arbeiten nur 22 Prozent der Mütter so wie zuvor.

83 Prozent der Väter zwischen 25 und 40 Jahren sagen, dass sich eine Tätigkeit in vollzeitnaher Teilzeit positiv auf ihre persönliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie auswirken würde.

27 Prozent der Väter finden, dass der eigene Arbeitgeber genug für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tut, bei den Müttern dagegen sind es 39 Prozent.

Quelle: Dossier Väter und Familie – erste Bilanz einer neuen Dynamik, September 2015. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Auf die Frage, wie junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren Familie und Beruf am liebsten miteinander in Einklang bringen möchten, antworten 60 Prozent: „Beide Partner kümmern sich um die Betreuung der Kinder und gehen weiterhin ihrer Berufstätigkeit nach.“

8 Prozent: „Beide Partner sind voll berufstätig und überlassen die Erziehung der Kinder weitgehend den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen wie Kita, Schulen usw.“

Quelle: Eltern. Die Zukunft der Familie, Forsa-Studie im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“, Januar 2016. Weitere Informationen finden Sie hier.

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