Väterbewusstsein stärkt Partnerschaft und Leistungsfähigkeit

Barbara David, Leiterin Diversity-Management in der Commerzbank AG, berichtet aus einer aktuellen Studie ihres Hauses. Der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Väterbeteiligung an der Familienarbeit prägt auch die familienbewusste Personalpolitik ihres Hauses. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Elternzeit von Vätern bringt mehr Leistungsfähigkeit im Beruf und stärkt die Partnerschaft.

Frau David, ein kurzer historischer Einstieg: Was war der Anlass, Ihre Personalpolitik schon Mitte der 90er-Jahre bewusst auch auf die Zielgruppe der Väter in Ihrem Unternehmen auszurichten?
Der Anlass war ein Symposion 1995 unter dem Titel „Die Zusammenarbeit von Frauen und Männern in der Commerzbank“. Ergebnis der Workshops war, dass sich Väter nicht ausreichend im Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf verankert sahen, weil unser Fokus zu sehr auf den „Frauen im modernen Banking“ lag. Jetzt galt es, mehr Sichtbarkeit für Männer und damit für Väter zu erreichen ? die Zeit erschien uns reif dafür. 2004, also knapp zehn Jahre später, gründeten wir das Commerzbank-Netzwerk „Fokus Väter“. Während wir in den 90er-Jahren noch an kleinen „Insellösungen“ gearbeitet hatten, verfolgen wir jetzt einen breiten Ansatz in der Bank.

2007 hat die Commerzbank die erste Studie zu Vätern anfertigen lassen. Vor Kurzem haben Sie erneut eine Studie ? dieses Mal mit dem Fokus auf Vätern in Elternzeit ? veröffentlicht. Was sind die zentralen Ergebnisse?
Wir haben alle Väter angeschrieben, die in den letzten fünf Jahren Elternzeit genommen hatten, der Rücklauf von 65 Prozent ? das entsprach 754 Vätern – war sehr gut. Das zeigt, dass das Thema wirklich relevant ist. Und tatsächlich meinen 92 Prozent der befragten Väter, dass das Thema immer wichtiger wird. 84 Prozent möchten die Beziehung zu ihrem Kind stärken, 80 Prozent wollen mehr familiäre Pflichten übernehmen und 53 Prozent den beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerin fördern. Das heißt, Elternzeit bei Vätern stärkt auch die Partnerschaft, was 86 Prozent der Väter explizit bestätigt haben. Wir wissen außerdem, dass zufriedene Mitarbeiter leistungsfähiger sind – auch das hat unsere Studie gezeigt. 81 Prozent der Väter sagen, dass unsere familienbewussten Maßnahmen sich diesbezüglich positiv auswirken.

Inwiefern sind die Ergebnisse der aktuellen Studie auch repräsentativ für andere Unternehmen in Deutschland?
Wir können nur für die Commerzbank sprechen. Aber es gibt sicher Parallelen zur Situation in Deutschland: Bei uns nehmen beispielsweise 67 Prozent der Väter nur zwei Monate Elternzeit. Diesen Trend gibt es überall: Wir wissen, dass knapp zwei Drittel der Väter in Deutschland in Elternzeit gehen, 80 Prozent davon aber nur für zwei Monate. Die Studie hat zudem gezeigt, dass viele Väter gerne länger Elternzeit genommen hätten. Warum sie das nicht tun, hat vielschichtige Gründe: Obwohl 91 Prozent der Väter angeben, dass die Elternzeit keinen negativen Einfluss auf ihr berufliches Fortkommen hatte, glauben 26 Prozent aber, dass mit einer längeren Elternzeit Nachteile einhergehen. Scheinbar gibt es hier noch einen Unterschied zwischen persönlichem Erleben und allgemeinen Befürchtungen. Wir werden das mit den Vätern in Workshops aufarbeiten.

Wir wissen auch, dass viele Väter nicht nur länger in Elternzeit gehen, sondern generell etwas weniger arbeiten möchten. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Instrumente in Unternehmen, um Vätern dies zu ermöglichen?
Zum einen sind ein klares Bekenntnis und das Engagement des Top-Managements für eine familienbewusste Personalpolitik enorm wichtig. Bei uns ist dies vorhanden und das hat uns sehr geholfen. Zum andern ist eine zielgruppenspezifische Kommunikation wichtig. Hier hat uns die Studie gezeigt, dass wir noch besser werden können. Bei vielen Vätern kommen unsere Angebote noch nicht ausreichend an, zudem empfinden sie Angebot und Ansprache oft noch als zu sehr auf Frauen zugeschnitten. Darauf müssen wir reagieren. Wir werden uns die betrieblichen Rahmenbedingungen und familienbewussten Angebote noch mal genau anschauen und eventuell anpassen. Ein weiterer bedeutender Schlüssel sind die Führungskräfte. Auch hier werden wir ins Gespräch gehen und weitere Unterstützung anbieten.

Elternzeit für Väter stärkt die Partnerschaft. Fördert sie eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und damit die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen?
Eine wichtige Voraussetzung für Frauen, die Führungspositionen übernehmen, ist die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Väter wollen sich an der Familienarbeit beteiligen und ebenfalls Elternzeit nehmen und/oder Teilzeit arbeiten. Das heißt, Frauen wie Männer wollen sich heute frei von Rollenklischees aussuchen, wie sie ihr Leben gestalten. Dazu braucht es unterstützende Konzepte in den Unternehmen und eine familienbewusste Kultur. Die Zeit der Schablonen ist vorbei.

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