„Bei uns ist die Kommunikation familiär“ 

Mathias Schäfer ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten, als er 2007 kaufmännischer Geschäftsführer der FingerHaus GmbH wurde. In fünfter Generation führt er nun das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Geschäftsführer-Kollegen Klaus Cronau und erklärt, wie es gelingt, dass der Betrieb für Fertighäuser eine erstaunlich hohe Väter-Elternzeitquote hat.

Herr Dr. Schäfer, Ihr Unternehmen hat beim Unternehmenswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie“ vor Kurzem den Sonderpreis „Väterfreundliche Personalpolitik“ erhalten. Von Ihren 538 Beschäftigten sind 410 Männer. Wie ist bei Ihnen aktuell die Elternzeitquote unter Vätern?
 2007 hat genau ein Vater Elternzeit genommen. Im Jahr 2015 waren es bereits zehn von 18 Männern, die Väter geworden sind. 2016 haben bis dato alle Mitarbeiter, die Väter geworden sind, Elternzeit beantragt. Und weitere männliche Beschäftigte haben bereits ihr Vaterwerden angekündigt. 

Wie informieren Sie sich über die Bedürfnisse der Väter?
 Der Schwerpunkt liegt bei uns auf dem persönlichen Gespräch. Wir führen mit allen Beschäftigten – künftig auch mit den Montagemitarbeitern, die in ganz Deutschland unterwegs sind – ein Jahresgespräch. Dort erfahren wir, was in Sachen Vereinbarkeit gefragt ist, und kommunizieren unsere Angebote. Außerdem sprechen unsere Teams am Rande von Besprechungen, Fortbildungen oder Workshops darüber, sodass sich Informationen multiplizieren. Bei uns ist die Kommunikation familiär, und wenn Probleme auftauchen, stellen wir den persönlichen Kontakt zur Personalabteilung her.

Sprechen Sie Väter genauso wie Mütter an oder machen Sie Unterschiede in der Kommunikation?
 In der Verwaltung unterscheiden wir nicht. Doch in der Produktion haben wir einen Männeranteil von nahezu einhundert Prozent. Dort ist das Rollenverständnis oft noch traditionell. Deshalb sprechen wir hier einzelne Männer auch direkt an und fragen sie, welche Vereinbarkeitslösung für sie günstig wäre. Sobald man erste „Leuchtturmväter“ hat, wird klar, es funktioniert tatsächlich: Der Mitarbeiter kommt wieder, sein Arbeitsplatz wird vorgehalten und er erfährt Unterstützung.

Männer arbeiten bei Ihnen in Teilzeit und werden kurz vor der Geburt ihrer Kinder nur noch wohnortnah eingesetzt: Wie gelingt Ihnen das als Selbstverständlichkeit?
 Es wird nicht gelästert, wenn ein Vater Zeit für sein Kind haben will. Das geschieht aber nicht von alleine. Einer der ersten Väter überhaupt, der bei uns Elternzeit genommen hat, war einer unserer Gesellschafter. Diese Vorbildrolle von Männern in der Hierarchie ganz oben ist extrem wichtig. Beim Thema Vereinbarkeit für Väter müssen wir von oben nach unten kommunizieren. Erst dann etabliert sich die Nutzung von Vereinbarkeitsinstrumenten durch Väter als völlig normal.

 


 

„Leicht, locker, authentisch“

Marco Krahl ist stellvertretender Chefredakteur von „Men’s Health“ und Redaktionsleiter des noch jungen Ablegers „Men’s Health Dad“. Der 45-jährige Vater von zwei Kindern war selber Elternzeitler der ersten Stunde. Sein Credo beim Blattmachen: den Leser ernst nehmen, aber die Themen nicht todernst präsentieren.

Herr Krahl, Sie bringen Anleitungen zum Zöpfchenflechten und Babywickeln: Unterstützt das Magazin „Men’s Health Dad“ eine Emanzipation der Väter von den Müttern?
Sofern Sie Ihre Frage nicht nur ironisch meinen, ja durchaus. Männer wachsen ja erst in diese neue Rolle hinein. Sie verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern und übernehmen dann auch verstärkt Tätigkeiten wie Zöpfchenflechten. Aber manchen Frauen fällt es gar nicht so leicht, Verantwortung abzugeben. Männer sollen natürlich nicht die besseren Mütter sein, sondern ihren eigenen Stil entwickeln. Meiner Erfahrung nach machen sich Väter weniger Sorgen als Mütter – vielleicht auch, weil sie weniger intensiv Ratgeberliteratur lesen. Unser Anliegen ist es, die Flut von Informationen zum Thema Elternschaft für Väter zu selektieren und ihnen mit einer guten Vorauswahl das Leben zu erleichtern.

Was hat Sie überzeugt, dass der Markt reif ist für ein Vätermagazin?
Wir wissen, dass ein Drittel unserer Leser Kinder hat und dass das Durchschnittsalter bei ihnen 35 Jahre ist. Außerdem ist uns klar, dass „Men’s Health“ häufig in einer relativ jungen Lebensspanne gelesen wird. Mit dem Magazin möchten wir diejenigen abholen, die „Men’s Health“ vielleicht gelesen haben, bevor sie Kinder bekamen, oder denen der Lifestyle unseres Hauptheftes nicht so wichtig ist, vielleicht, weil sie Kinder haben. Hinzu kam ein gewisser medialer Väterhype, der uns bestärkt hat, mit einem Männermagazin für Väter eine Lücke im Magazinmarkt zu schließen.

Wie sprechen Sie Väter an?
Wir haben den Anspruch, für Männer bisher noch ungewöhnliche Themen unterhaltsam und informativ aufzubereiten. Dabei nehmen wir uns selbst nicht zu ernst. Thematisch sind wir nah am Alltagsleben der Väter und bringen – auch im Bild – Vorbilder, die ihnen Identifikation und Inspiration bieten sollen. In der Tonalität versuchen wir immer leicht und locker, aber auch authentisch zu bleiben.

Gibt es einen Link zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und was raten Sie Unternehmen?
Ja, die Verbindung gibt es. Wir bringen zum Beispiel Jobgeschichten als Praxisbeispiele für aktive Vaterschaft plus beruflicher Entwicklung. Die Zeit, in der Männer im heimischen Bereich überhaupt tätig werden können, muss aber freigeschaufelt werden. Dafür gibt es die Instrumente zur Vereinbarkeit. Unternehmen müssen aus meiner Sicht signalisieren, dass es gewünscht ist, dass auch Väter sie nutzen. Die sogenannten „Vätermonate“ haben das Eis gebrochen. Jetzt brauchen Väter und Unternehmen einen langen Atem. Niemand sollte es belächeln, wenn Väter „nur“ zwei Monate Elternzeit nehmen.

 


 

Aus der eigenen Vereinbarkeitsbiografie erzählen

Nicole Beste-Fopma ist die Gründerin des Elternmagazins LOB. Ihr Tipp: bei jedem geeigneten Anlass zur Vereinbarkeit für Väter kommunizieren, aber nur mit Plan.

Frau Beste-Fopma, welche Rolle spielen bei der internen Kommunikation über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Führungskräfte?
In diesem Prozess spielen Führungskräfte eine überragende Rolle. Sie müssen den Vätern „erlauben“, sich Zeit für die Familie zu nehmen. Konkret bedeutet das: Gerade Führungskräfte, die selber Väter sind, sollten die Vorbildrolle übernehmen. Wenn ihre Kinder schon erwachsen sind, sollten sie bei geeignetem Anlass aus ihrer eigenen (Nicht-)Vereinbarkeitsbiografie berichten. Die neuen Väter werden nicht umsonst NEUE Väter genannt, denn sie sind noch dabei, als größere Gruppe „heranzuwachsen“. Es ist wichtig, das Thema immer wieder aufzugreifen und ihm eine persönliche Note zu geben, um ihm so den Exotenstatus zu nehmen. Vereinbarkeit für Väter muss zu einer Selbstverständlichkeit werden und das ist eine Frage der Kultur.

Was können denn geeignete Anlässe sein?
Dies können das Mitarbeiterjahresgespräch oder ein Beratungsgespräch zur Elternzeit sein – am besten gemeinsam mit der Partnerin. Außerdem sind Betriebsversammlungen, Jubiläen, Familienfeste, Tage der offenen Tür oder auch Gesetzesänderungen gute Anlässe, über Vereinbarkeit für Väter zu sprechen. Dahinter muss aber immer eine Kommunikationsstrategie stehen und es darf nicht von der Bereitschaft und Spontanität Einzelner abhängen.

Wie können Unternehmen denn dem Eindruck vorbeugen, dass ihre Kommunikation sich vor allem an Mütter richtet?
Sie sollten immer wieder authentische Beispiele von Männern mit Kindern aus dem Unternehmen in den internen Medien bringen. Dabei ist eine gendergerechte (Bild-)Sprache wichtig. Auch ist es taktisch klüger, von „reduzierter Vollzeit“ als von „Teilzeit“ zu sprechen. Noch fühlen sich Männer von dem Begriff „Teilzeit“ wenig angesprochen.

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