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ilapo GmbH: Altersgemischte Teams sind stark in ihren Entscheidungen

„Pharmazeutisches Personal ist kaum zu bekommen“, sagt Sabine Fuchsberger-Paukert. Vor drei Jahren hat sie deswegen begonnen, ihr Unternehmen systematisch für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufzustellen. Sie nahm sich einschlägige Broschüren vor, fragte, welche Maßnahmen schnell umgesetzt werden können und welche langfristig geplant sein wollen. Den Überlegungen ließ sie konkrete Handlungen folgen.

Die Mittfünfzigerin ist Geschäftsführerin der ilapo Internationale Ludwigs-Arzneimittel GmbH & Co. KG, eines Import- und Exportunternehmens von über 500.000 medizinischen Produkten pro Jahr und mit Kontakten in etwa 50 Länder. In der Zentrale am Münchner Hirschgarten arbeiten acht Männer und 44 Frauen jeden Alters. Der Umgangston ist locker, einen Dresscode gibt es nicht, man duzt sich. Der Altersdurchschnitt beträgt nur 33,8 Jahre, dennoch werden in den kommenden zehn Jahren drei von fünf Führungskräften in Rente gehen, da die Führungskräfte zu den Generationen Babyboomer (geboren 1956–1965) und X (geboren 1966–1980) gehören. Auch Fuchsberger-Paukert gehört zu ihnen und will in fünf Jahren anfangen, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu suchen.

Ein breiter Pool an Fähigkeiten Fuchsberger-Paukert berichtet immer wieder von der offenen Kultur und der guten Arbeitsatmosphäre, die von allen geschätzt würde. Mit 50 Personen geht es in der Tat familiär zu. Die Belegschaft setzt sich aus mindestens vier Generationen zusammen. Zehn Prozent der Beschäftigten gehören der Generation Babyboomer an, 24 Prozent der Generation X, 41 Prozent sind Yer (geboren 1981–1995) und sogar 25 Prozent Zler (geboren 1996 bis heute). „Wir sind offen für alle Altersgruppen“, sagt die Mutter von erwachsenen Zwillingen. Sie sieht bei altersgemischten Teams viele Vorteile: „Diese Teams profitieren von den jeweils persönlichen Stärken sowie einem unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissensschatz“, so die Chefin. „Dies mündet in verbesserte Entscheidungsfindungen und eine höhere Kreativität.“ Man habe, berichtet sie weiter, einfach einen breiteren Pool an Fähigkeiten, Wissen und Sichtweisen, die die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams steigern. Aber sie sieht auch Risiken: Gleichaltrige bilden Untergruppen in größeren Teams, arbeiten eng zusammen, grenzen sich ab und verursachen so Konflikte, die die Effektivität des ganzen Teams beschränken können.

Eigene Kita ist aufwendig, aber sie lohnt sich

Heute sind die Möglichkeiten der Kinderbetreuung viel besser als früher. Fuchsberger-Paukert hat eine eigene Kita im Haus auf die Beine gestellt und nicht nur in der Belegschaft, sondern auch im Umfeld Plätze angeboten. Flixbus ist schließlich mit eingestiegen und hat einen Teil der Plätze fest gebucht. Nun läuft die Einrichtung, allerdings endet die Betreuung um 16.30 Uhr, weshalb das Unternehmen einen Großteil der Kosten für einen zusätzlichen Babysitter-Service übernimmt. „Die Kosten sind hoch und das Angebot richtet sich nur an eine bestimmte Zielgruppe“, meint Fuchsberger-Paukert. Doch Nachwuchs zu rekrutieren ist schwer und daher lohnt sich das Engagement in puncto Kinderbetreuung.

In München und Umgebung herrscht nahezu Vollbeschäftigung, es gibt eine ganze Reihe an pharmazeutischen Großbetrieben in der Nachbarschaft, die höhere Gehälter zahlen können als ilapo. Konkurrieren kann der Mittelständler daher vor allem über eine familienfreundliche und mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur, durch viel Flexibilität und mit kreativen Maßnahmen.

Vor Kurzem hat ilapo seinen ersten Rentner eingestellt: „Der Kollege arbeitet zehn Stunden bei uns, hat viel Erfahrung, strahlt Gelassenheit aus und verbreitet eine gute Stimmung“, sagt Fuchsberger-Paukert.

„Frieden“ mit Teilzeit

„Derartige Möglichkeiten entdecken wir gerade. Allerdings“, fügt sie hinzu, „war ich der Teilzeitarbeit gegenüber vor 10, 15 Jahren noch sehr kritisch eingestellt.“ Denn fast jeder, der bei ilapo arbeitet, muss aufwendige Schulungen absolvieren und täglich bestimmte Nachrichten lesen. Die Geschäftsführerin sieht eine sehr geringe Teilzeit auch heute noch eher kritisch, hat aber eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht zufriedenstellende Lösung gefunden: Rentner/-innen und Werkstudierende mit geringer Wochenarbeitszeit sind von den genannten Aufgaben befreit und müssen auch nicht an Teammeetings teilnehmen. „Ich habe meinen Frieden gemacht“, sagt die Geschäftsführerin lachend.

So rekrutiert ilapo seine zukünftigen Fachkräfte

Bei der Rekrutierung setzt ilapo einerseits auf klassische Instrumente wie Anzeigen, Messen, Praktika und Kooperationen mit Hochschulen, andererseits geht Fuchsberger-Paukert auch in Schulen und hält Fachvorträge vor angehenden pharmazeutisch-technischen und -kaufmännischen Assistenten. All diese Maßnahmen sind dringend geboten, da das Unternehmen weiter wachsen möchte. Studierende in Studiengängen rund um das Management im Gesundheitswesen sind bei ilapo gern gesehene Kolleginnen und Kollegen im Pflichtpraktikum. Nicht selten rekrutiert das Unternehmen aus ihnen neue Fachkräfte – so auch im Fall von Marina Spinner, die mit einem Bachelor in Gesundheitsmanagement als Personalleiterin bei ilapo angefangen hat und berufsbegleitend ihren Master in Personalmanagement absolviert.

Eine lange Liste von Maßnahmen

Die 26-Jährige arbeitet 32 Wochenstunden und kann statistische Daten über die Zusammensetzung der Belegschaft quasi aus dem Ärmel schütteln. Die lange Liste an Fragen beantwortet sie schnell und mit viel Hintergrund: Eine Beschäftigtenbefragung hat ergeben, dass allen – generationenübergreifend – die Familie wichtig ist. 13 Beschäftigte haben Kinder unter 18 Jahren. Mütter und Väter in Elternzeit können an Schulungen teilnehmen, erhalten Einladungen zu Festen und halten so Kontakt. Eine Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr – außer in Bereichen, die länger besetzt sein müssen –, Karriere in Teilzeit, Homeoffice, Freistellung in Pflegesituationen, Altersteilzeit und ein auf Entspannung ausgerichteter „Schweigeraum“ sollen eine gute Vereinbarkeit von Beruf und (Familien-)Leben ermöglichen.

Das erste Mal bei „Great Place to Work“

Für eine gute Vereinbarkeit arbeiten zwei Apothekerinnen schon seit vielen Jahren als Führungskräfte im Tandem. Der Koordinierungsaufwand sei allerdings erheblich, stellt Fuchsberger-Paukert in ihrer direkten Art klar. Dennoch: Der pharmazeutische Großhandel will die Generationen Y und Z binden. So setzt er derzeit auf eine komplette Überarbeitung seines Internetauftritts, der technisch noch etwas altbacken daherkommt. Das soll sich ändern. Und auch was die Arbeitgeberattraktivität insgesamt angeht, ist ilapo in Aufbruchstimmung: Dieses Jahr beteiligt sich das Unternehmen zum ersten Mal am Wettbewerb „Great Place to Work“. Alle bei ilapo sind gespannt auf das Ergebnis.


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