Corona

Flexible Arbeitsorganisation „Stufe 2“: Partnerschaftliche Vereinbarkeit auch über Betriebsgrenzen hinaus stärken

Ein Regelbetrieb von Kitas und Schulen ist noch nicht absehbar. Da inzwischen alle – berufstätige Eltern und Arbeitgeber – an ihre Grenzen gehen, muss partnerschaftliche Vereinbarkeit breiter gedacht werden. Und zwar auf beiden Seiten – mit partnerschaftlichen Lösungen in der Familie und durch überbetriebliche Vereinbarungen.

Jeder dritte Deutsche mit Kindern im Haushalt benennt in einer aktuellen Umfrage die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als die größte Herausforderung. Quelle: Unsplash

Die Überbrückungsstrategien von berufstätigen Eltern wie Überstundenabbau und Urlaub sind vielfach ausgereizt, das Homeoffice ist für sie auf Dauer nicht mehr wirklich tragfähig – vor allem, wenn im Zuge der Lockerungen wieder mehr Präsenz am Arbeitsplatz erforderlich ist. Diese (Un-)Vereinbarkeit ist für viele aktuell das größte Problem: Jeder dritte Deutsche mit Kindern im Haushalt benennt in einer aktuellen Umfrage die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als die größte Herausforderung. Die Notlösungen in vielen Familien führen dazu, dass vor allem Mütter die Hauptlast bei Kinderbetreuung und Haushalt tragen, auch wenn es im „normalen“ Alltag noch vor ein paar Wochen anders gelebt wurde.

Es stellt sich daher die Frage nach einer „Stufe 2“ der betrieblichen Vereinbarkeitslösungen: Was ist also zusätzlich zu den bisherigen flexiblen Arbeitszeitmodellen sowie dem temporären Homeoffice möglich, um die Betreuungsfrage auf längere Zeit zu lösen?

Betrachtung der Lage der berufstätigen Eltern über Betriebsgrenzen hinaus

In einer Ausnahmesituation wie dieser liegt der Gedanke nahe, partnerschaftliche Vereinbarkeit breiter zu verstehen. Denn eine partnerschaftliche Verteilung der Aufgaben der Kinderbetreuung beziehungsweise des Homeschooling auf beide Elternteile setzt auch eine partnerschaftliche Verteilung der flexiblen Arbeitsmodelle voraus – zwischen beiden Arbeitgebern oder zwischen beiden Abteilungen, falls beide in einem Betrieb angestellt sind.

Mit Vätern und Müttern im Betrieb sollte das Gespräch gesucht werden, wie sich die aktuelle berufliche Situation des jeweils anderen Elternteils darstellt. Denn Betreuung ist oft nur durch „Schichtdienst“ beziehungsweise Ablösung im Laufe des Arbeitstags mit dem Partner/der Partnerin zu realisieren. Suchen Sie ebenso mit Alleinerziehenden das Gespräch, welche Lösungen es durch ein vorhandenes Netzwerk mit Eltern, Freunden oder Verwandten geben kann. Hier sollte auch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweg nach partnerschaftlichen Lösungen sowohl für beide Elternteile als auch für beide Arbeitgeberbetriebe gesucht werden – im Sinne der Wirtschaft und der Familien.

Im Rahmen der hier vorgestellten Ansätze sind in jedem Fall die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes bzw. der „Verordnung zu Abweichungen vom Arbeitszeitgesetz infolge der COVID-19-Epidemie“, der geltenden Tarifverträge/individuellen Arbeitsverträge sowie der gesetzlichen Mitbestimmung bzw. bereits abgeschlossen Notfall-Betriebsvereinbarungen zu beachten. Die vorliegenden Informationen sind allgemeiner Art und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar.

Für eine bedarfsgerechte Arbeits(zeit-)organisation sind in den Betrieben unter den neuen Bedingungen (gegebenenfalls wiederholt) folgende Fragen zu klären und dabei insbesondere die Lage der Väter und Mütter zur berücksichtigen:

  • Wer ist in welchem Umfang unverzichtbar?
  • Wer kann kritische Bereiche wie unterstützen, um die dort tätigen Beschäftigen zu entlasten?
  • Wer kann zu welcher Zeit welche Arbeitsinhalte erledigen und welchen Einfluss hat das auf die leistbaren Arbeitsmengen?
  • Welche Arbeitspakete können neu verteilt werden?
  • Welche Homeoffice-Optionen haben wir noch nicht ausgeschöpft beziehungsweise können wir auch hier umverteilen?

Dazu finden Sie hier eine Checkliste für Unternehmens- und Personalverantwortliche.

Sie können diese

  • mit dem bei Ihnen beschäftigten Elternteil beantworten und darum bitten, dass der andere Elternteil diese Punkte mit seiner Personalabteilung bespricht oder
  • mit Zustimmung des anderen Elternteils mit der für ihn zuständigen Personalabteilung besprechen – sogar ein gemeinsames Gespräch (Telefon- oder Videokonferenz) mit beiden Personalabteilungen kann vorgeschlagen werden, um somit partnerschaftliche Lösungen für alle zu finden.


Ein solches Gespräch läuft gut vorbereitet besser – auch für Ihre Beschäftigten gibt es eine Checkliste. Fünf gute Tipps zur Vorbereitung auf die Gespräche mit den Vorgesetzten/der Personalabteilung, die Sie hier herunterladen können.

Teile: