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Interview: Fleischerei Bittner ist 6000. Mitgliedsunternehmen bei „Erfolgsfaktor Familie“

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ konnte mit der Fleischerei Bittner GmbH & Co. KG das 6000. Netzwerkmitglied begrüßen. Das Familienunternehmen im Münsterland mit etwa 100 Beschäftigten druckt nicht nur das Mitgliedslogo von „Erfolgsfaktor Familie“ auf seine Etiketten, sondern setzt auch auf die Nähe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Iris Bittner kümmert sich um Personalfragen und sieht sich oftmals auch als Beraterin in vielen Lebenslagen. Lesen Sie im Folgenden ein Interview warum und wie sie auf Familie setzt.

Quelle: Netzwerkbüro "Erfolgsfaktor Familie" / Heiko Adrian

Frau Bittner, wir freuen uns, die Fleischerei Bittner als 6000. Mitglied in unserem Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ zu begrüßen. Was hat Sie motiviert, unserem Netzwerk beizutreten?
Wir liegen in einer ländlichen Gegend im Münsterland. Zu dem regionalen Aspekt kommt noch das Image des Berufs: Die meisten Menschen essen gerne Fleisch, aber keiner will es herstellen. Ich bin daher immer auf der Suche, was ich unseren Beschäftigten bieten kann, um sie zu binden, und um neue Fachkräfte und vor allem Auszubildende zu finden. Wir sind ein Familienbetrieb, daher setze ich auch auf Familie.

Und wie geht das?
Sie kennen ja sicher die Etiketten mit grünen Landschaften und lächelnden Kindern auf den Verpackungen von Fleischprodukten. Wir haben zusätzlich noch das Mitgliedslogo von „Erfolgsfaktor Familie“ darauf gedruckt, um ein Zeichen zu setzen, dass wir zu unseren Mitarbeitern stehen. Ich persönlich sehe das als zusätzliches Qualitätssiegel, das aussagt: Wir pflegen den sozialen Kontakt zu unseren Beschäftigten. Und unser Engagement zahlt sich aus: Wir haben den einzigen Auszubildenden im Fleischereihandwerk hier im Kreis Steinfurt und Warendorf in diesem Lehrjahr.

Ein Themenschwerpunkt im Jahr 2016 wird im Netzwerk eine väterfreundliche Personalpolitik sein. Gibt es bei Ihnen Väter, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, und was bieten Sie ihnen?
Bei uns arbeiten einige Männer ohne Ausbildung in der Produktion, und ohne Ausbildung verdient man nicht sehr viel, sodass die Partnerin schon aus diesem Grund meistens auch arbeitet. Beide Eltern organisieren gemeinsam die Kinderbetreuung. Um dies zu unterstützen, ermöglichen wir es zum Beispiel einem Vater, statt um 5 Uhr erst um 8 Uhr anzufangen, damit er sein Kind noch zur Kita bringen kann. Er arbeitet dafür am Nachmittag länger. Allerdings leistet er in den Abteilungen Verpackung und Versand Zuarbeit, sodass die Produktion selber davon nicht unmittelbar betroffen ist. Die Mitarbeiter können ihre Schichten bei uns übrigens selbstständig tauschen. Und auch Teilzeitarbeit ist möglich. Unser Abteilungsleiter in der Produktion arbeitet zum Beispiel 75 Prozent.

Sie bieten bereits viele Maßnahmen zur Vereinbarkeit. Was möchten Sie in diesem Jahr an familienfreundlichen Maßnahmen neu einführen und welche Vorteile haben Sie dabei als Familienunternehmen?
Ich möchte eine Beschäftigtenbefragung entwickeln, in der unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Positives und Negatives äußern und Anregungen geben können. Ansonsten schwebt mir vor, eine Frau aus den Reihen der Flüchtlinge eventuell als Springerin für Notfälle in der Kinderbetreuung bei uns einzusetzen. Meine Tür steht außerdem immer offen. Wir verstehen uns als Familie und versuchen ein Vertrauensverhältnis zu unseren Beschäftigten aufzubauen. Oft geht es in den Gesprächen über rein Organisatorisches hinaus – manchmal führe ich auch Ehe- oder Schuldenberatungsgespräche. Das Thema Rückenschulung als Präventionsmaßnahme steht außerdem mit an erster Stelle auf meiner Liste. Welchen Tipp haben Sie für andere – gerade auch kleinere – Handwerksbetriebe, die sich stärker um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kümmern möchten? Viele Betriebe sind schon sehr familienfreundlich, sie sorgen aber zu wenig dafür, dass ihre Angebote intern und auch extern bekannt werden. Durch das Logo von „Erfolgsfaktor Familie“ könnten sie vermitteln, dass sie ihren Beschäftigten etwas bieten und die Familien mitdenken. Mein Tipp lautet: Zeigen Sie, was Sie bereits umsetzen – auch kleine Maßnahmen –, und nutzen Sie dies, um sich einen Ruf als familienfreundlicher Betrieb zu erarbeiten. Dann können Sie diesen Erfolg gezielt für Ihr Personalmarketing einsetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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