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Führen in Teilzeit – geht das?

Welche Herausforderungen es gibt, erklärt die Personalreferentin der Berliner Elektromontagefirma LAT im Interview.

Die Personalreferentin Tamara Gross von der LAT Gruppe (Quelle: LAT Gruppe)

Anhand von 12 Kennzahlen misst der Fortschrittsindex Vereinbarkeit, wie familienfreundlich die Unternehmenskultur ist. Eine der Kennzahlen betrifft den „Anteil der Führungskräfte in freiwilliger Teilzeit“. Wie Führen in Teilzeit funktionieren kann, weiß Tamara Gross, Personalreferentin der Elektromontagefirma LAT aus Berlin.

Frau Gross, Sie sind Personalreferentin bei LAT, einem Unternehmen, das rund ums Gleis und für den Öffentlichen Nahverkehr in Berlin arbeitet. Seit wann ist das Thema Vereinbarkeit in der Personalabteilung präsent?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat bei LAT als mittelständischem Familienunternehmen schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Unsere Monteure arbeiten oft nachts, am Wochenende und an Feiertagen unter Termindruck. Daher können wir nicht immer auf alle Wünsche eingehen. Umso wichtiger ist es der Geschäftsführung, dass wir ein offenes Ohr für die Belange und Nöte unserer Mitarbeitenden haben und versuchen, individuelle Lösungen zu finden.

Wie hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei LAT entwickelt?

Durch die zunehmende Digitalisierung in der Verwaltung sowie auf unseren Baustellen können wir mobiles Arbeiten ermöglichen. Eines unserer aktuellen Projekte ist die Ausweitung der Baustellen-App, die mit dem Ziel eingeführt wurde, Wegzeiten zu sparen und somit Familie und Beruf besser vereinen zu können.

Welche Maßnahmen zur Vereinbarkeit werden angeboten?

Bei LAT steht an erster Stelle das Mitarbeitergespräch, um individuelle und flexible Lösungen für den einzelnen Mitarbeiter im Rahmen unserer Möglichkeiten zu finden. Das kann für den einen Gleitzeit sein, für den anderen die Nachtschicht, um unter der Woche zum Beispiel die Kinder von der Schule abzuholen, Teilzeitarbeit, regelmäßige Homeoffice-Tage, die Möglichkeit, seinen Hund mit ins Büro zu nehmen, die Freistellung zur Pflege von Familienangehörigen oder die Verkürzung von Arbeits- und Wegezeiten durch digitale Kommunikationsmittel und Systeme. Oftmals zählen hier die kleinen Dinge und Veränderungen, die eine Erleichterung darstellen.

Wie hoch ist der Anteil der Führungskräfte in freiwilliger Teilzeit?
 
Der Anteil der Führungskräfte in freiwilliger Teilzeit beträgt bei LAT 20 Prozent.

Hat sich die Unternehmenskultur durch die Führungskräfte in Teilzeit verändert? Ist sie familienfreundlicher geworden?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird durch die Geschäftsführerinnen Arabelle Laternser und Larissa Zeichhardt thematisiert und vorgelebt. Die freiwillige Teilzeit und die 30-Stunden-Woche gab es für die Verwaltung aber auch schon in der Gründergeneration. Es war immer klar, dass Familie und LAT nur im Einklang funktionieren.

Gibt es Beschäftigte, die sich ein Beispiel an den Führungskräften in Teilzeit genommen haben, um Beruf und Familie besser zu vereinen und auch in freiwilliger Teilzeit arbeiten?

Ich selbst habe mich nach der Geburt meines zweiten Kindes erstmal für eine verkürzte Arbeitszeit entschieden. Ich konnte auch meinen Wiedereinstieg proaktiv gestalten. Ich glaube, dass gute Beispiele die Möglichkeiten aufzeigen. Es gibt durchaus Beschäftigte, die es vorziehen, eine Teilzeitbeschäftigung auszuüben, aber sich nicht trauen aktiv danach zu fragen, weil es nicht in allen Branchen üblich oder scheinbar möglich ist.

Was hat Ihnen die Kennzahl 7 beim Fortschrittsindex Vereinbarkeit gezeigt? Waren Sie überrascht von dem Ergebnis oder hatten Sie damit gerechnet?

Der Anteil von Führungskräften in freiwilliger Teilzeit liegt bei LAT im Vergleich zu anderen Unternehmen der gleichen Branche deutlich höher. Letztendlich hat uns dies aber nicht so überrascht, wenn man bedenkt, dass die Branchen der Verkehrswirtschaft, Elektrotechnik und dem Baunebengewerbe auch in der Führung immer noch Männerdomänen sind.

Hat das Modell auch Risiken? Wenn ja, wie können diese Risiken minimiert werden?

Veränderung müssen wir immer wieder lernen. Eine geteilte Führung war für LAT nicht selbstverständlich, bringt aber in erster Linie nur Vorteile mit sich. Als einziges Risiko konnten wir bisher die Kommunikationslücken benennen. Hier setzten wir auf intensive Abstimmung und bedienen uns dabei digitaler Tools und Hilfsmittel.

Wie viele Führungskräfte arbeiten bei Ihnen in freiwilliger Teilzeit?

Testen Sie Ihre familienfreundliche Unternehmenskultur mit dem Fortschrittsindex Vereinbarkeit.

 

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