PraxisbeispieleCorona

„Das ist für uns wie ein fliegender Start gewesen“

„Kommunikation ist in dieser Zeit das A und O“, erklärt Björn Mylius auf die Frage, wie sein Betrieb, die SMV Sitz- & Objektmöbel GmbH, bei Ausbruch der Corona-Krise reagiert hat. Björn Mylius ist seit 2018 neben seiner Mutter Inge Brünger-Mylius Geschäftsführer des Familienbetriebs aus Löhne in Nordrhein-Westfalen.

Geschäftsführer Björn Mylius. Quelle: SMV Sitz- & Objektmöbel GmbH

1994 als Handelsunternehmen für Büromöbel gegründet, hat die SMV die kommenden Umbrüche am Markt früh erkannt und konsequent das Angebot auf hochwertige Loungemöbel umgestellt. Dabei lagert sie lediglich die Produktion als „verlängerte Werkbank“ aus, alle anderen Schritte bis zum Produkt werden im Haus in NRW realisiert. Die zahlreichen Design-Awards sprechen für sich. Das langjährige Mitglied des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ investiert aber auch viel Energie in eine familienorientierte Unternehmenskultur.

Auf welche Regelungen konnte die SMV zurückgreifen, als die Krise losbrach? Ein zentraler Aspekt dabei ist die Homeoffice-Regelung, die bei der SMV „Out-of-Office“-Arbeit genannt wird. „Für uns ist es im Prinzip zweitrangig, wo die Kolleginnen und Kollegen arbeiten, solange sie erreichbar sind“, fügt Mylius hinzu. „Wir haben die Regelung nur ausgeweitet.“

Die betrieblichen Abläufe hat die Krise trotzdem gehörig durcheinandergebracht. Ein Teil der Belegschaft musste zum Beispiel auf Kurzarbeit umgestellt werden. Dabei hat die SMV mit dem Vertrieb begonnen, da der Fachhandel, der die Möbel des Unternehmens abnimmt, von einem auf den anderen Tag weggebrochen ist.

Neben der frühen Einführung von Masken für die Belegschaft hat der Möbelhersteller die Distanz zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Arbeitsstätten ausgeweitet. Die offenen Räume für die Beschäftigten im Vertrieb und Marketing haben dies erleichtert. Eine ähnliche Regelung hat die SMV auch für das „Bistro“, die Kantine, gefunden.

Familien wird große Flexibilität zugestanden

Die SMV profitiert aktuell davon, dass der Betrieb in den letzten Jahren konsequent eine familienorientierte Personalpolitik umgesetzt hat. So bot die Firma einem Mitarbeiter und getrennt lebenden Vater schon vor Längerem ein „Block-Modell“ an, das es ihm bis zum Beginn der Corona-Krise ermöglichte, in einer Woche 35 Stunden, in der nächsten 45 Stunden zu arbeiten, um die Kinder morgens in die Schule und die Kita bringen und sie am Nachmittag früher abholen zu können. Auch das Spielzimmer in der Betriebsstätte wird rege genutzt, unter anderem von den beiden Kindern von Björn Mylius, dessen Frau auch bei der SMV arbeitet.

So war die SMV gut aufgestellt, um mit der Krise umzugehen. „Wir mussten ja nichts Neues erfinden. Wir mussten uns nicht umstellen, nicht im Kopf, nicht im System. Wovon wir jetzt profitieren, ist quasi schon installiert gewesen, die Beschäftigten kannten unsere Angebote und wussten vor allen Dingen damit umzugehen“, fügt Björn Mylius hinzu.

Kommunikation ist das A und O

Welche Erfahrungen kann Björn Mylius an die Mitglieder des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ weitergeben, welche zentralen Learnings nimmt die SMV aus den Erfahrungen der letzten Wochen mit?

„Wir spüren die Corona-Auswirkungen wahrscheinlich noch nicht so stark wie andere Unternehmen. Zurzeit läuft das Projektgeschäft noch weiter: Das Hotel wird trotzdem weitergebaut und die Schule kauft trotzdem ihre Möbel. In Zukunft wird das Geschäft sicher etwas ruhiger werden, aber wir haben keinen Grund, in Panik zu verfallen. Das ist unser großes Learning: Wir haben uns alles in Ruhe angeschaut. Wir haben regelmäßige Gesprächsrunden mit allen Führungskräften und in den Teams untereinander eingeführt und tauschen uns deutlich öfter aus als früher. Kommunikation ist in dieser Zeit das A und O. Wir informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und vollumfänglich über sämtliche Maßnahmen. Wie sieht es im Moment aus? Und wie soll es weitergehen? Das haben wir in den letzten Jahren auch schon so gehandhabt, nur vertiefen wir das im Moment und weiten es aus.“

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