PraxisbeispieleCorona

Doppelte Belastung durch Corona Hilfsprogramme und Schutz der Beschäftigten

Wie die Investionsbank Schleswig-Holstein die Corona-Krise erlebt(e) und vor welchen besonderen Herausforderungen die Bank zu Beginn stand, erklärt Personalreferentin Lina Buttgereit im Praxisbeispiel.

Personalreferentin Lina Buttgereit von der IB.SH

Personalreferentin Lina Buttgereit von der IB.SH. Quelle: Privat

Zu Beginn der Corona-Krise war schnell klar, dass auf die IB.SH mit der Abwicklung unterschiedlicher Hilfsprogramme große zusätzliche Aufgaben zukommen werden, begleitet von den Betreuungsherausforderungen durch das Schließen von Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Gleichzeitig stand der Schutz der Beschäftigten im Vordergrund. Individuelle Lösungen für jeden Beschäftigten zu ermöglichen – das versucht die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) während der Corona-Krise von Anfang an. Um das zu erreichen, „muss im Kleinen, aber auch im Großen kommuniziert werden“, erzählt Lina Buttgereit, Personalreferentin der IB.SH. Doch wie schafft das die IB.SH mit über 600 MitarbeiterInnen, die als zentrales Förderinstitut für das Land Schleswig-Holstein gerade in der aktuellen Situation gefragter ist denn je?

Ein großer Teil der MitarbeiterInnen arbeitet aktuell aus dem Homeoffice, zudem wurden die Arbeitszeiten flexibler gestaltet und der Arbeitszeitrahmen von 6 bis 22 Uhr erweitert. Schon vorher war der Arbeitszeitrahmen von 6 bis 20 Uhr weitgefasst und alle MitarbeiterInnen mit mobilen Endgeräten ausgestattet. Doch nun können gerade Beschäftigte mit Familienverantwortung später am Abend oder sogar am Wochenende die Arbeitszeit nachholen. „Für unsere Beschäftigten vor Ort im Unternehmen gibt es momentan Einzelbürolösungen und über unser Intranet wurden alle MitarbeiterInnen zusätzlich zur Kommunikation durch die Führungskräfte über die Regelungen für den Aufenthalt in der IB.SH laufend informiert,“ schildert Lina Buttgereit.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertrauen

Gerade für Beschäftigte mit Kindern oder Angehörigen, die gepflegt werden müssen, ist die Anpassung der Arbeitszeit hilfreich. So kann in den Teams individuell geklärt werden, wer wann welche Arbeit erledigen kann. „Wir haben den Eltern auch gesagt, dass uns bewusst ist, dass mehr Betreuungszeit notwendig ist.Wir schenken ihnen das Vertrauen, dass sie ihren Job im Homeoffice so gut wie möglich machen.Ihre Arbeitszeit können sie regulär erfassen, auch wenn zwischendurch Unterbrechungen für die Betreuung notwendig sind,“ erzählt Lina Buttgereit. Das Vertrauen der Geschäftsführung, dass alle MitarbeiterInnen, insbesondere die mit Betreuungsaufgaben, das Wichtigste erledigen und ihr Bestes geben, wird von der IB SH im persönlichen Gespräch und Intranet kommuniziert.

Unterstützung bei der Kinderbetreuung

Neben der Anpassung der Arbeitszeitregelungen gibt es weitere Angebote wie befristete Veränderungen der Arbeitszeit, Gleitzeit oder Langzeitarbeitskonten. Auch eine interaktive Kinderbetreuung über den PC wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Doch am Wichtigsten sind die individuellen Lösungen, da die Bedürfnisse der über 600 MitarbeiterInnen sehr verschieden sind. „Es gibt keine starren Regeln, sondern verschiedene Möglichkeiten, die im Gespräch individuell geregelt werden können,“ betont Lina Buttgereit.

Auch Kamil Becker, zweifacher Vater, konnte durch die individuellen Anpassungen die Betreuungssituation zuhause mit dem Beruf vereinbaren. „Die Schließung der Kindergärten und Schulen hat uns im ersten Moment sehr verunsichert und vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt. Da meine Partnerin in einer Klinik arbeitet, habe ich die Kinderbetreuung übernommen“, erzählt Becker. Sowohl beim Home-Schooling, als auch im Unternehmen half das gegenseitige Verständnis und die transparente Kommunikation auf allen Ebenen. Gemeinsam mit seinen Kindern erstellte Kamil Becker Stundenpläne, die kontinuierlich angepasst wurden:„ Wir haben den Stundenplan so angepasst, dass er zum Bedarf meiner Kinder und zu meinem Arbeitskalender gepasst hat. So konnte ich die weniger betreuungsintensiven Lehrinhalte auf Zeiten legen, in denen ich in Telefonkonferenzen beschäftigt war.“

Psychologische Unterstützung

Ein anderes Angebot für die MitarbeiterInnen der IB.SH macht deutlich, welche besondere Situation Corona auch für die Investitionsbank in den letzten Wochen bedeutet hat und was für eine Belastung für die Beschäftigten daraus entstehen kann: eine psychologische Unterstützung für MitarbeiterInnen, die stark in dem Bereich der Corona-Hilfsprogramme involviert waren. „Die MitarbeiterInnen, die im telefonischen Kontakt intensiv mit Einzelschicksalen konfrontiert sind, können die psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen,“ erklärt Personalreferentin Lina Buttgereit. Auch die telefonische, psychosoziale Beratung per Telefon durch die Betriebsärztin wurde für alle Beschäftigten ausgeweitet.

Corona hat also in mehrfacher Hinsicht eine besondere Situation geschaffen. Deutlich erhöhter Arbeitsaufwand durch Hilfsprogramme, gleichzeitiger Schutz der MitarbeiterInnen und neue Arbeitskonzepte. „Es war sehr wichtig, alle MitarbeiterInnen individuell mitzunehmen und regelmäßig über die neuen Regelungen und Angebote zu informieren, aber auch dass die Führungskräfte das Befinden und die jeweilige Situation der MitarbeiterInnen im Blick haben“, berichtet Lina Buttgereit und fügt hinzu, dass „Kommunikation wirklich das A und O ist, gerade wenn man sich nicht immer sieht.“

Teile: