PraxisbeispieleCorona

„Jetzt müssen auch die Kunden Homeoffice akzeptieren“

... nennt Anne Driescher ein erstes Learning aus der gegenwärtigen Coronakrise. Driescher ist Fachbereichsleiterin Recruiting & Staffing bei der MT AG in Ratingen bei Düsseldorf. Das Unternehmen mit 250 Beschäftigten unterstützt seine Kunden beim Aufbau ganzer IT-Architekturen und der Entwicklung individueller Softwarelösungen sowie deren Betrieb und Monitoring.

Anne Driescher, Fachbereichsleiterin Recruiting & Staffing bei der MT AG in Ratingen bei Düsseldorf. Quelle: Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“, DIHK Service GmbH

„Von uns gibt es bislang vor allem gute Nachrichten“, berichtet Driescher weiter. Es seien weder Budgets dramatisch gekürzt worden noch spürbar Kunden weggebrochen. Wer aus der IT normalerweise beim Kunden säße, dürfe jetzt in der Regel vom Homeoffice aus seine Aufgaben erledigen. Auch Kunden, die sonst der Remote-Arbeit kritisch gegenüberständen, ließen sie jetzt zu. „Ich hoffe sehr, dass dies ein nachhaltiger Lerneffekt ist, von dem wir auch nach der Coronakrise profitieren werden. Wir sind ein familienorientiertes Unternehmen – jetzt lernen unsere Kunden von uns.“

Welche Maßnahmen hat die MT AG im Zuge der Coronakrise ergriffen? Driescher nennt vor allem eines: Kommunikation, und zwar innerhalb der Belegschaft und zwischen den Beschäftigten und dem Vorstand. Dabei gebe es drei Formate:

  1. Plattformen, auf denen sich die Beschäftigten untereinander virtuell austauschen können, zum Beispiel im MT-Café oder in einer neu eingerichteten WhatsApp-Gruppe.
  2. „Meet the Chief“ ist ein alle drei Wochen stattfindender Austausch zwischen Beschäftigten und dem Vorstand Jürgen Allmich. Alle Beschäftigten können sich anmelden, Fragen stellen und ihre Sorgen offen ansprechen. In der ersten Sitzung ging es um mögliche Maßnahmen rund um Corona, wie Home Office-Regelungen, technische Arbeitsmittel und Überstundenabbau. Tenor war: Die
    MT AG unternehme alles, um niemanden entlassen zu müssen.
  3. Die Personalabteilung hat eine Umfrage zur Krisenkommunikation des Unternehmens unter den Beschäftigten gestartet. Das Ergebnis: Die große Mehrheit ist „zufrieden“ und „sehr zufrieden“ mit den Inhalten der Rundmails des Vorstands als coronaspezifisches Update. Auch im Hinblick auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Rechtzeitigkeit, Vollständigkeit und Relevanz zeigt sich, dass circa 90 Prozent der Teilnehmer*innen „zufrieden“ und „sehr zufrieden“ sind.


Die MT AG hat sich schnell und ohne großen Aufwand auf die neue Arbeitssituation einstellen können. Das hat auch deswegen funktioniert, weil die Arbeit vom Homeoffice aus als familienfreundliche Maßnahme schon lange möglich ist. Seit 2018 ist die MT AG Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ und für einen Austausch oder ein Interview zu aktuellen Themen der Vereinbarkeit immer zu haben. Die höchst flexiblen Arbeitszeiten bei dem IT-Unternehmen sind – ohne Kernarbeitszeit – Ausdruck einer starken Ergebnisorientierung. „Solange das Arbeitsergebnis stimmt, kann ich auch spät abends arbeiten“, erklärt Driescher. Voraussetzung sei allerdings, dass man die Ruhepausen einhalte. Eltern können Urlaub nehmen, auch längeren unbezahlten Urlaub, sie können Überstunden abbauen und zu jeder Tages- und Nachtzeit arbeiten. Anfangs haben einige Eltern ihre Kinder mit ins Büro gebracht, doch seit alle 205 Männer und 45 Frauen mit insgesamt mindestens 136 Kindern nahezu vollständig im Homeoffice arbeiten, ist dies nicht mehr möglich. An kreativen Lösungen, um sie noch mehr zu unterstützen, arbeiten die Personaler noch.

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