Corona

Unsere Arbeitswelt im Wandel: Vereinbarkeit stärkt!

Wie die Zukunft der Arbeitswelt aussehen wird, erklärte Prof. Dr. Jutta Rump (IBE) beim Digitalen Forum „Vereinbarkeit stärkt“. Im folgenden Beitrag stellt sie die zentralen Thesen vor.

Foto Digitales Forum

Prof. Dr. Rump beim Digitalen Forum „Vereinbarkeit stärkt“. Foto: Nils Hasenau

Kann eine familienbewusste Personalpolitik Unternehmen auch in Krisenzeiten voranbringen? Welche Rolle spielt Vereinbarkeit für unsere Arbeitswelt nach der Corona-Pandemie? Über diese und weitere Fragen habe ich mich mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Unternehmens- und Personalverantwortlichen aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen der verschiedensten Branchen und Regionen beim Digitalen Forum „Vereinbarkeit stärkt – Familienbewusstsein in Unternehmen“ am 30. April 2021 ausgetauscht. Die Diskussion brachte spannende Erkenntnisse für unsere Arbeitswelt hervor.

Der Transformationsdreiklang in der Arbeitswelt

Dass Corona auch als Katalysator für Veränderung wirkt, können Unternehmen nach einem Jahr Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen bestätigen. Geschwindigkeit, Ausmaß und Technologien wirken wie ein Brennglas auf die Flexibilität der Arbeitswelt – und es wird kein vollständiges Zurück geben. So werden wir in Zukunft hybrider und mobiler arbeiten. Gleichzeitig befördert die digitale Transformation aber auch die ökonomische und ökologische Transformation, weil Unternehmen diese einmalige Umbruchsituation zur kritischen Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle nutzen.

Dieser Dreiklang von Transformationsprozessen schafft ein Szenario der Ungewissheit: Es stellt sich die Frage, wie Beschäftigte noch die Balance halten können – damit einher geht auch, dass die Vereinbarkeit von Familie und Familie neu austariert werden muss. Denn die „drei H“ –Haushalt, Homeoffice und Homeschooling – haben unter Pandemie-Bedingungen vor allem überall dort Frauen besonders stark betroffen, wo vorher keine partnerschaftliche Aufteilung der beruflichen und familiären Verantwortung stattgefunden hat. Eine Folge dieser Mehrfachbelastung ist, dass diese Frauen im Job kürzertreten und weniger sichtbar sind, was in letzter Konsequenz auch Risiken für die Karriereentwicklung mit sich bringt.

Da sich aber das Selbstverständnis vieler Arbeitsverhältnisse (dort, wo die Aufgabe es zulässt), von stationär zu hybrid wandelt, gilt es, die damit verbundenen Chancen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – für Väter und Mütter – zu nutzen. Denn hybrider werdende Formen der Kommunikation und der Zusammenarbeit ermöglichen flexiblere Wahlmöglichkeiten des Arbeitsorts – was gerade auch in agilen Arbeitsformen mit ihren stark auf physische Präsenz setzenden Arbeitsformen sonst nicht der Fall wäre. Entsprechend tun Unternehmen gut daran, durch passende Tools und Strukturen dafür zu sorgen, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch in einer agilen, hybriden und mobilen Arbeitswelt sichtbar und erfolgreich sein können.

Vereinbarkeit stärkt Beschäftigte und Unternehmen

Diese grundlegende Transformation der Arbeitswelt wird uns in den nächsten Jahren weiterhin begleiten. Viele Aspekte sind nicht gänzlich neu, aber durch die Corona-Krise wurden das Ausmaß und die Intensität dieser Entwicklungen verstärkt. Die entscheidende Frage ist daher, wie es Unternehmen gelingt, ihren Beschäftigen die notwendige Orientierung zu geben. Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann nicht nur einen ganz zentralen Faktor im Transformationsmanagement darstellen, es muss sogar so sein. Aktuelle Befragungen zeigen, dass viele Unternehmen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon zuvor gefördert haben, mit der Pandemiesituation insgesamt besser zurechtkommen. Unterstützungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen in der aktuellen Krisensituation und entlasten Eltern. Diese sind laut Befragungen entspannter und dadurch auch produktiver, was somit einen Mehrwert für beide Seiten darstellt – für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

Familienbewusste Personalpolitik wird über die Corona-Pandemie hinaus eine wichtige Rolle spielen– auch und gerade wenn finanzielle Ressourcen knapper werden. In Zeiten der Krise wurde deutlich wie nie zuvor, wie wichtig Vereinbarkeitsmaßnahmen sind und wie dankbar Beschäftigte für diese Unterstützung waren. Damit wird eine familienbewusste Unternehmenskultur künftig noch ausschlaggebender für die Attraktivität von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern sein und damit auch ein zentraler Faktor ihrer globalen Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen sollten daher Investitionen in eine entsprechende Personalpolitik noch stärker als strategischen Erfolgsfaktor verstehen – und die Ausweitung von entsprechenden Vereinbarkeitsmaßnahmen als Chance wahrnehmen und ergreifen.

Zur Person

Dr. Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Darüber hinaus ist sie Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen IBE.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie auf YouTube.

Teile: