Corona

Vier Aspekte, welche die zukünftige Rolle von Homeoffice prägen werden

„Homeoffice“ hat das Potenzial zum (Un-)Wort des Jahres zu werden – je nach Perspektive. In Zeiten von Corona wurde das begehrte Homeoffice für viele schlagartig zur Selbstverständlichkeit. Nach drei Wochen Improvisation zwischen Wäscheständer und Homeschooling sollte der Blick darauf gerichtet werden, ob und wie professionell gestaltetes mobiles Arbeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch auf Dauer fördern kann.

Schreibtisch Homeoffice, Quelle: Grovemade bei Unsplash

Arbeiten von zu Hause: Das betraf in Deutschland über viele Jahre nur wenige Mütter (und noch weniger Väter), denen es als „Privileg“ zu Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zugestanden wurde. Viele haben von dieser Flexibilität nur träumen können – selbst wenn die Aufgabe es eigentlich erlaubt hätte, war dies in deutschen Unternehmen einfach nicht “angesagt“. Und das lag ganz überwiegend nicht an unlösbaren technischen, rechtlichen und/oder finanziellen Fragen, sondern an der Unternehmenskultur.

Der „unfreiwillige“ Kulturwandel der letzten Wochen zeigt vier Punkte, die relevant für die zukünftige Rolle von Homeoffice in einer familienbewussten Unternehmenskultur sind:

  1. Unumkehrbarkeit: Viele der traditionellen Vorbehalte beziehungsweise Präsenzerwartungen haben an Überzeugungskraft verloren und es dürfte schwierig werden, Homeoffice wieder komplett zurückzufahren. Dies sollte im Führungskreis klar thematisiert und mit dem Ziel einer gemeinsamen Haltung diskutiert werden.
  2. Sicherheit in der Flexibilität: Nach einer Zeit der akzeptierten Improvisation muss jetzt in den Unternehmen ein halbwegs stabiler Zwischenstand geschaffen werden, der – je nach Verlauf der Lockerungen – noch länger anhalten oder schnell wieder eingeführt werden kann. Temporäre Betriebs- oder Dienstvereinbarungen rund um Arbeitszeit, Datenschutz etc. bieten die notwendige Sicherheit und Zuverlässigkeit und sollten in Abständen auf Bedarfsgerechtigkeit geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
  3. Ausnahmen bleiben Ausnahmen: Es muss kommuniziert werden, dass einige Vorgehensweisen und Lockerungen nur temporärer Natur sind und im Normalbetrieb wieder angepasst werden müssen (zum Beispiel die Akzeptanz einer eingeschränkten Erreichbarkeit).
  4. Begleitende Evaluation starten: Es sollte jetzt schon gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung ein Verfahren vereinbart werden, wie die gewonnen Erfahrungen evaluiert werden. Transparente Kriterien und definierte Erhebungsroutinen helfen dabei, ausreichend Fakten zu sammeln. Dies können zum Beispiel sein:
    • Funktionalität der technischen Infrastruktur (Sicherheit, Geräte, Leitung etc.)
    • Kommunikations- und Kollaborationstools sowie deren Handhabung (Stabilität, Nutzerverhalten, Etikette)
    • Arbeitsergebnisse (Qualität, zeitlicher Aufwand, Zuverlässigkeit)
    • Führung und Zusammenarbeit (Rolle der Vorgesetzten und Teams, Geben und Nehmen

Auf einer breiten und akzeptierten Faktenbasis lässt sich so zu gegebener Zeit eine konstruktivere Auseinandersetzung mit Homeoffice als reguläre Arbeitsform im Unternehmen führen; und zwar als optionale Arbeitsform für bestimmte Zeiten und Bedürfnisse.

Auch das ist eine Chance des unfreiwilligen Kulturwandels. Denn der frühere „Sehnsuchtsort Homeoffice“ ist etwas verblasst. Mit zwangsweiser Heimarbeit wächst auch die Wertschätzung für Arbeitstage im Büro und Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen.

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