PraxisbeispieleCoronaNews

„Wir dürfen nicht aufhören, miteinander zu sprechen. Dann finden wir auch gute Lösungen!“

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen besteht im Zimmererhandwerk nicht die Möglichkeit, die Beschäftigten in der aktuellen Situation ins Homeoffice zu senden. Trotzdem kommt die Zimmerei Norrenbrock bislang gut durch die Corona-Pandemie. Was können andere Unternehmen von ihr lernen?

Team der Zimmerei Norrenbrock

Die Zimmerei Norrenbrock profitiert in der Corona-Pandemie davon, dass Familienbewusstsein fester Bestandteil der Firmenphilosophie ist. (Quelle: Zimmerei Norrenbrock)

Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat Pauline Norrenbrock zwei Zimmererhandwerksbetriebe aufgebaut: eine Zimmerei und ein Abbund-Center, in dem Holzkonstruktionen vorbereitet werden. 20 Beschäftigte arbeiten bei Norrenbrock im niedersächsischen Vrees. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen besteht im Zimmererhandwerk nicht die Möglichkeit, die Beschäftigten in der aktuellen Situation ins Homeoffice zu senden.

Denn der Kontakt mit Architektinnen und Architekten muss aufrechterhalten, Bauherren wollen weiterhin persönlich betreut und Bauprojekte müssen fortgeführt werden. „Solange wir draußen auf den Baustellen sind, können wir über die Abstandsregeln und Angebote des Desinfektionsschutzes gut mit den aktuellen Herausforderungen umgehen“, sagt Pauline Norrenbrock. „Unsere Auftragslage ist trotz des Shutdowns aktuell gut. Wir mussten keine Kurzarbeit anmelden. Deswegen liegt es uns sehr am Herzen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit vollem Engagement ihre Arbeit fortsetzen können“, so Norrenbrock.

Familienbewusstsein gehört zur Firmenphilosophie

Aber auch in diesen Handwerksbetrieben stehen Eltern vor der Herausforderung, während der Kita- und Schulschließungen Beruf und familiäre Aufgaben zu vereinbaren. Sie profitieren in der Corona-Pandemie nun davon, dass Familienbewusstsein bei der Zimmerei Norrenbrock fester Bestandteil der Firmenphilosophie ist. Ein wichtiges Instrument sind Arbeitszeitkonten. Bereits vor fünf Jahren führte Pauline Norrenbrock sie ein. Die teilnehmenden Beschäftigten können Zeit/Überstunden und Geld auf die Konten einzahlen und profitieren dann in Zeiten, in denen sie Entlastung benötigen, zum Beispiel für Kinderbetreuung und -erziehung, die Pflege von Angehörigen oder einen gleitenden Vorruhestand. „Dieses Angebot nutzen in der aktuellen Situation auch Väter in unserem Betrieb, die sich mit ihrer Partnerin die Kinderbetreuungsaufgaben phasenweise aufgeteilt haben. Dafür werden vor allem eingezahlte Überstunden genutzt“, erklärt Pauline Norrenbrock.

Im Gespräch mit den Mitarbeitenden bleiben

Eine alleinerziehende Mitarbeiterin wurde für die Zeit, in der eine Betreuung fehlte, freigestellt. Jetzt ist sie wieder in Teilzeit dabei, weil eine Betreuung für drei Tage in der Woche organisiert werden konnte. Eine andere Beschäftigte nutzt die Notbetreuung im Dorf. „Da haben wir Vorteile im ländlichen Raum. Die Notbetreuung wurde bis dahin von niemandem in Anspruch genommen. Pragmatische Lösungen sind hier gut umzusetzen“, so die Einschätzung der Unternehmerin. Das Wichtigste ist dabei aus ihrer Sicht, dass alle miteinander im Gespräch bleiben. „Nur, wenn wir miteinander reden, wissen wir, wer gerade welche Sorgen hat. Und dann lassen sich gemeinsam auch individuelle, gute Lösungen finden. Wir merken ganz deutlich, dass wir von unserer familienbewussten Unternehmenskultur profitieren, jetzt, wo wir alle besonders flexibel sein müssen“, ist das Fazit von Pauline Norrenbrock, mit dem sie auch andere Betriebe motivieren möchte, an ihrem Familienbewusstsein zu arbeiten.

Das Interview führte Kirsten Frohnert, Projektleiterin des Netzwerkbüros „Erfolgsfaktor Familie“.

Teile: