PraxisbeispieleCorona

Wie die Wismut GmbH die Corona-Krise erlebt

Auf dem Bagger, unter und über Tage, im Labor und am Rechner: insgesamt 42 unterschiedliche Berufe werden bei der Wismut GmbH, einem Sanierungsunternehmen aus Chemnitz, ausgeübt. An den insgesamt vier Standorten des Unternehmens arbeiten unter anderem Sanierungsarbeiter*innen, Ingenieur*innen, Laborant*innen und Sachbearbeiter*innen. Dabei haben nur knapp 50 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Büroarbeitsplatz.

Sämtliche Sanierungsarbeiten werden in den akkreditierten Laboren der Wismut GmbH überwacht. Quelle: Wismut GmbH

Wie die Wismut GmbH die vergangenen drei Wochen erlebt hat, schildert die Gleichstellungsbeauftragte Elke Schmid. Sie ist verantwortlich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Betrieb und nun auch Mitglied des betrieblichen Pandemiestabs: „Als Mitte März das Ausmaß der Pandemie deutlich wurde, war für uns klar: Der Schutz der Gesundheit unserer Beschäftigten steht bei Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Unternehmens an oberster Stelle.“ Vorausschauendes und besonnenes Handeln waren gefragt und ein Pandemiestab wurde ins Leben gerufen.

„Es galt Regelungen und Maßnahmen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen“, erzählt Elke Schmid. Sämtliche Betriebsabläufe wurden auf ein notwendiges Minimum umgestellt. Systemkritische Prozesse galt es seitdem mit flexibler Einsatzplanung, gegenseitiger Solidarität und besonderer Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln abzusichern. „So müssen beispielsweise unsere Wasserbehandlungsanlagen trotzdem rund um die Uhr laufen. Wir haben in der letzten Zeit circa 30 Prozent Präsenz im Unternehmen, ansonsten arbeiten die Beschäftigten im Homeoffice oder befinden sich in strategischer Abrufbereitschaft“, berichtet Elke Schmid.

Vereinbarkeit als Katalysator

„Es ist ein glücklicher Umstand, dass wir im Zuge unserer familienfreundlichen Maßnahmen im vergangenen Jahr alternierende Telearbeit – da gab es auch Widerstände – in der Wismut GmbH etabliert haben. Damit sicherten wir uns einen wertvollen Vorsprung, wenn wir uns die Situation heute im Land ansehen. Die praktischen Erfahrungen helfen uns in der jetzigen Krise. Denn wir wussten wie und wo wir organisatorisch und technisch anpacken müssen. Plötzlich sind es nicht mehr 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von zuhause aus Arbeiten, sondern über 100. Unglaublich - und es sichert uns Arbeitsergebnisse, die sonst ausblieben. So konnten beispielsweise termin- und qualitätsgerecht Berichte im ingenieurtechnischen Bereich oder wichtige Genehmigungsverfahren für die Sanierung weiter vorangebracht werden. Auch die bislang eher selten praktizierten Möglichkeiten von Video- und Telefonkonferenzen werden inzwischen von vielen Arbeitsteams sowie auch für den struktur- und standortübergreifenden Austausch genutzt.“

Das Miteinander ist bedeutungsvoller denn je

„Im Moment ganz wichtig: mit den Beschäftigten – ob im Betrieb oder zuhause – in Verbindung bleiben. Wir kommunizieren zur aktuellen Lage im Betrieb, zu arbeitsrechtlichen und arbeitsorganisatorischen Aspekten (bspw. zur Sicherstellung Kinderbetreuung oder Öffnung der Rahmenarbeitszeit) und erläutern aktuelle Schutzmaßnahmen zur Minderung des Infektionsrisikos. Die verantwortlichen Leiterinnen und Leiter, der Betriebsrat und die Gleichstellungsbeauftragte stehen jederzeit als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Auf der Absetzanlage Culmitzsch arbeiten Beschäftigte der Wismut GmbH an einer sicheren Abdeckung der Industrieschlämme.

Auf der Absetzanlage Culmitzsch arbeiten Beschäftigte der Wismut GmbH an einer sicheren Abdeckung der Industrieschlämme. Quelle: Wismut GmbH

Um in Verbindung zu bleiben, nutzen wir vier Kanäle: Homepage, Intranet, Briefpost und einen spontan entwickelten internen Newsletter. Wir erreichen damit viele Beschäftigte, unabhängig davon ob sie am Arbeitsplatz präsent oder zuhause sind. In Bearbeitung ist auch eine Mitarbeiter-App, die wir im Mai an den Start bringen werden. Aktiviert wird der Newsletter über unser Intranet und über private E-Mail-Adressen derer, die uns diese Angabe freiwillig zur Verfügung stellen. Kurzbeiträge zu den aktuellen krisenbedingten Herausforderungen in den verschiedenen Arbeitsbereichen, Statements und Informationen der Geschäftsführung, Beiträge zu den Arbeitsinhalten des Pandemiestabes und des Betriebsrates sowie Beiträge der Projektgruppe berufundfamilie erreichen somit wöchentlich die Leserinnen und Leser - unsere Beschäftigten.“

 Auch der Geschäftsführer des Belegschafts- und Kaufmännischen Ressorts, Rainer M. Türmer, ist von den Kommunikationsmöglichkeiten überzeugt: „In der Krise haben wir einige neue Wege der Kommunikation erschlossen. Wir haben in kurzer Zeit sehr pragmatische Entscheidungen getroffen. Dabei wurde ein Höchstmaß an Beteiligung aller Mitwirkenden und Gremien bewahrt – mit sehr guten Ergebnissen.“ Er hofft, dass auch nach der Krise einige Erfahrungen in den Normalbetrieb mitgenommen werden können: „Denn auch in der Krise finden sich gute Aspekte, die es zu erhalten gilt.“

Bei Elke Schmid klingelt nun ständig das Telefon. Kolleginnen und Kollegen stellen Fragen. Zum Beispiel: „Wie geht es für mich weiter, wenn die Kitas und Schulen geschlossen bleiben? Wie funktioniert der Nachweis der Arbeitszeit im Homeoffice? Kann ich den geplanten Jahresurlaub verschieben, wenn die Familienreise abgesagt wurde?“ Aber auch Tipps für das Entspannen während der Doppelbelastung durch Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung gibt sie gern weiter. Sie schätzt ein: „Informationsaustausch jeglicher Art verbindet. Nähe und Zusammenhalt sind trotz fehlender physischer Präsenz im Betrieb zu spüren. Unsere aus dem audit berufundfamilie entwickelten Kontakthalteprogramme (ursprünglich für Väter und Mütter in der Familienzeit) bewähren sich nun umso mehr.“ Elke Schmid erreichen in den letzten Wochen emotionale Reaktionen und positive Signale von Beschäftigten. Sie fühlen sich gut vernetzt und begleitet während der betrieblichen Herausforderungen dieser Zeit.

Das erste Mal im Homeoffice

So erlebt Kristina Brottka, Geophysikerin der Abteilung Monitoring/Strahlenschutz, die Situation: Frau Brottka arbeitete „vor Corona“ auf dem Gebiet der radiologischen Bewertung von Sanierungsvorhaben regelmäßig Montag bis Freitag in Vollzeit im Büro beziehungsweise darüber hinaus auch in der freien Natur „im Feld“ zur Bestimmung strahlenschutztechnischer Parameter. Seit 20. März ist sie zum Großteil im Homeoffice tätig.

Geophysikerin Kristina Brottka im Homeoffice.

Geophysikerin Kristina Brottka im Homeoffice. Quelle: Wismut GmbH

„Die Kommunikation mit den Kollegen klappt sehr gut per E-Mail oder verabredete Telefonate, auch über die privaten Telefonnummern. Manche Prozesse sind umständlicher, es lässt sich nicht jede Information auf Knopfdruck abrufen, so dass man doch ab und zu ins Büro fahren muss. Uns als Familie hilft es, Arbeit und Hausaufgaben auf die Woche zu beschränken und das Wochenende doch „frei“ zu machen. Am schwierigsten sind die Tage, an denen wir zu viert zu Hause sind und alle arbeiten wollen. Wir haben definitiv nicht genug Rechner und Tische! Also werden am Morgen erstmal die Schulaufgaben gesichtet, gedruckt und eingeteilt, dann sind die Kinder (11 und 13 Jahre) für drei Stunden beschäftigt. Nachmittags dürfen es auch mal die Videospiele sein: glückliche Kinder und arbeitende Eltern.“

Die Krise als Chance

Dr. Peter Schmidt, Leiter Bereich Ingenieurwesen/Strahlenschutz, sieht große Chancen in der aktuellen Situation: „Im Bereich Ingenieurwesen/Strahlenschutz verrichten die Kolleginnen und Kollegen in den Laboren, als Probenehmer/innen und im praktischen Strahlenschutz nach wie vor ihre Arbeit an den Sanierungsstandorten. Das Gros der Ingenieure arbeitet jedoch von zu Hause aus, mit Präsenzzeiten im Büro von lediglich 20 bis 30 Prozent. Man kommt, um Arbeitsergebnisse für den Druck und Versand abzuliefern, sich untereinander im Büro abzustimmen, erforderliche Recherchen zu treffen und neue Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Das alles klappt dank der Disziplin unserer Mitarbeiter*innen und deren Wille, unter den gegebenen Umständen von zuhause aus effizient und zielorientiert zu arbeiten. Ich bin mir sicher, dass nach der Corona-Krise, die wir hoffentlich alle gesund überstehen werden, die Arbeitswelt in der Wismut etwas anders aussehen wird als vor der Krise. Darin liegt auch eine Chance. Die derzeit gesammelten Erfahrungen mit modernen Arbeitsformen werden uns sicherlich helfen, in Zukunft unsere Arbeit effektiver zu gestalten.“

Dem kann auch Elke Schmid nur zustimmen, da vieles zügig und unkompliziert ohne lange Diskussion „einfach gemacht wird“. All das tangiert auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Corona-Krise sieht sie trotz allem Chaotischen und Unschönen „auch als eine große Chance für unser zukünftiges Tun und Handeln im Unternehmen.“

Über das Unternehmen

Die Wismut GmbH ist ein Unternehmen des Bundes in Sachsen und in Thüringen mit Sitz in Chemnitz. Die ca. 930 Beschäftigten arbeiten an vier Standorten. Das Unternehmen stellt sich mit der Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus einer der größten ökologischen und technischen Herausforderungen, national wie auch im internationalen Maßstab. Die jahrzehntelang vom Erzbergbau beanspruchten Flächen sind zum großen Teil wieder nutzbar gemacht. Das Unternehmen nimmt nun Kurs auf Langzeitaufgaben zur aktiven Nachsorge und Überwachung der Umwelt.

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