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„Den kulturellen Wandel unterstützen und fördern“

Roland Mair, Leiter der DATEV-Niederlassung München, spricht über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Zeichen von Arbeiten 4.0.


Die DATEV eG ist Softwarehaus und IT-Dienstleister für die steuerberatenden Berufe und ihre Mandanten. Aber nicht nur im täglichen Geschäft mit den Mitgliedern sieht sich die Genossenschaft mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung konfrontiert. Auch für die mehr als 7.000 eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den bundesweit 26 Standorten entwickelt die DATEV eG Lösungen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stetig zu verbessern sowie die Anforderungen von Arbeit 4.0 bestmöglich umzusetzen. In deren Rahmen können Arbeiten mit Hilfe digitaler Lösungen in immer stärkerem Maße orts- und zeitunabhängig durchgeführt werden. Wir sprachen mit Roland Mair, Leiter der DATEV-Niederlassung in München, über familienfreundliche Angebote seines Unternehmens im Zeichen der Digitalisierung der Arbeitswelt.

 

Herr Mair, die Digitalisierung bzw. die technischen Entwicklungen im Zeichen von Arbeit 4.0 bieten viele Möglichkeiten, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie (neu) zu gestalten. Welche Angebote, die sich aus den Möglichkeiten der Digitalisierung ergeben, haben Sie bei DATEV konkret entwickelt? 

Digitalisierung ist in erster Linie ein Möglich-Macher. Technische Neuerungen ermöglichen heute und in Zukunft, was wir uns lange Zeit kaum vorstellen konnten. Ob vor Ort beim Kunden, Zuhause im Garten, unterwegs in der Bahn oder klassisch im Büro – es kann örtlich, zeitlich flexibel und weitgehend ohne Einschränkungen gearbeitet werden. Als pendelnde Führungskraft, als fürsorglicher Vater oder als ambitionierte Außendienstmitarbeiterin lassen sich das Privatleben im Allgemeinen sowie die Familie im Besonderen immer besser mit dem Berufsleben vereinbaren. Auf Basis dieser Vielfalt an Lebensentwürfen haben wir bei DATEV eine ganze Reihe flexibler Arbeitszeitvarianten und Möglichkeiten des mobilen Arbeitens über alle Hierarchieebenen hinweg geschaffen. Für unsere Beschäftigten bedeutet das konkret, dass Wegzeiten entfallen und sich berufliche mit familiären Verpflichtungen besser koordinieren lassen. Außerdem passen wir vorhandene Strukturen unter besonderer Berücksichtigung von Datenschutz und IT-Sicherheit stetig an die Entwicklungen der Digitalisierung an. Denn technische Entwicklungen sind nur eines von vielen Puzzleteilen, die für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Alltag zusammenpassen müssen.

 

Wie werden die Angebote von den Beschäftigten angenommen und was sind mögliche Stolpersteine? 

Über gesicherte Verbindungen mit Notebook, Tablet und Smartphone jederzeit und überall auf relevante Daten und Prozesse zuzugreifen oder E-Mails bearbeiten zu können, bietet unseren Beschäftigten im Außendienst die Möglichkeit effiziente Service- und Beratungsleistungen beim Kunden vor Ort zu führen, die früher nur im Büro möglich waren. Dadurch verändert sich die Qualität der Arbeit im Außendienst. Aber auch klassische Bürojobs und einige Servicetätigkeiten können von der zunehmenden Flexibilität profitieren – und etwa die Hälfte der DATEV-Belegschaft tut dies auch schon mehr oder weniger regelmäßig. Allerdings bedeutet es auch eine kulturelle Veränderung, wenn sich Führungskraft und Mitarbeitende seltener am Arbeitsplatz treffen: Das funktioniert nur reibungslos, wenn offen und transparent gearbeitet wird und sich eine Kultur der Ergebnisse und des Vertrauens etabliert.

 

Vor welchen Herausforderungen steht die Personalabteilung, wenn es darum geht, Vereinbarkeit und Arbeit 4.0 zusammenzudenken und damit technische Möglichkeiten mit Angeboten zur Vereinbarkeit zu verbinden? (Stichwort: Schulung von Beschäftigten, "alle mitnehmen", ...) 

Die Personalabteilung muss Regeln und Gestaltungsspielräume schaffen, die das technisch Mögliche in Einklang bringen mit den beruflichen, privaten und rechtlichen Anforderungen. Vor allem aber müssen wir den kulturellen Wandel unterstützen und fördern. Dabei sind individuelle Bedürfnisse und Vorbehalte zu berücksichtigen, die sich beispielsweise zwischen Berufseinsteigern und langjährigen Mitarbeitenden oder auch zwischen den verschiedenen Tätigkeiten im Unternehmen unterscheiden. Ganz wichtig ist es uns, dass unsere Beschäftigten trotz erhöhter Mobilität und Flexibilität auch zukünftig sozial im Unternehmen eingebunden sind. Daher kommt unseren Führungskräften, die ihre Teammitglieder als Coaches begleiten, eine entscheidende Rolle zu.

 

Wie binden Sie die Führungskräfte in den Umgestaltungsprozess ein und wie bereiten Sie sie darauf vor, dass immer mehr Beschäftigte z.B. (öfter) mobil oder im Homeoffice arbeiten können oder auch sollen? 

Natürlich stellen Informationen und Schulungen einen wichtigen Bestandteil dar. Wer aber denkt, dass es ausreichen würde, alle Führungskräfte einmalig zu schulen, täuscht sich. Dieser Prozess ist umfassend und tiefgreifend. Nur mit gegenseitigem Respekt und Verständnis füreinander kann es gemeinsam über alle Hierarchieebenen hinweg gelingen, die notwendige Vertrauenskultur zu schaffen. So eine Kultur des Vertrauens, die Grundlage für die Gestaltungsspielräume einer Arbeitswelt 4.0 ist, lässt sich weder befehlen noch vorschreiben noch schulen. Sie kann sich nur dann entwickeln, wenn alle stetig daran arbeiten.

 

Was ist der wichtigste Ratschlag oder Hinweis, den Sie Führungskräften und Beschäftigten geben, wenn es um Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Zusammenhang mit der Digitalisierung geht? 

Mit den zahlreichen Möglichkeiten der Digitalisierung für eine flexible Arbeitszeitgestaltung gehen auch Herausforderungen einher. Denn sowohl die Beschäftigten als auch ihre Führungskräfte müssen sich an die neue Situation gewöhnen und ihre Routinen anpassen. Deshalb empfehle ich, dass zwischen Führungskräften und ihren Teammitgliedern feste Regeln vereinbart werden. Auf diese Weise lässt sich Verlässlichkeit auf beiden Seiten schaffen. Diese Verlässlichkeit sollte auch die Möglichkeit umfassen, getroffene Vereinbarungen an sich verändernde Rahmenbedingungen sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld anzupassen.

 

Welche Tipps können Sie aus Ihren Erfahrungen anderen Unternehmen geben? 

Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Möglichkeiten für ortsunabhängiges und zeitlich flexibles Arbeiten ist der persönliche Austausch zwischen Beschäftigten untereinander sowie mit ihren Führungskräften sehr wichtig. Ich kann daher nur dazu raten, dass in den Teams feste Präsenztage („Sozialtage“) vereinbart werden. Zum einen haben Führungskräfte so die Möglichkeit, Aufgaben und Anforderungen mit ihren Teammitgliedern persönlich zu besprechen. Zum anderen bietet dies auch für jene die Gelegenheit, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren.

 

Was nehmen Sie aus der BIHK-Veranstaltung mit? 

Das Thema der BIHK-Veranstaltung ist für alle beteiligten Unternehmen wichtig. Ich nehme mit, dass wir uns mit unseren Maßnahmen zur Arbeitsplatzgestaltung auf dem richtigen Weg befinden. Auch künftig werden wir den Teammitgliedern in den Niederlassungen eine Plattform bieten, um sich nach Bedarf mit anderen auszutauschen. Persönliche Kommunikation wird im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in der Arbeit zunehmend wichtiger.

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