Praxisbeispiele Corona

Gemeinsam an einem Strang ziehen und flexibel reagieren

Ein Unternehmen wie die Christoph Miethke GmbH & Co. KG kann nicht einfach schließen: Von den dort hergestellten Produkten im Bereich der Medizintechnik hängt die Gesundheit von Menschen ab – und so war es die oberste Priorität zu Beginn der Krise, den Betrieb und die Herstellung von Ventilen und Zubehör zur Behandlung des Hydrocephalus (krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume des Gehirns) unter allen Umständen aufrechtzuerhalten.

Christoph Miethke, Geschäftsführer. Quelle: © CHRISTOPH MIETHKE GMBH & CO. KG

„Besonders in den ersten Wochen ging es darum, schnell und besonnen zu handeln, um die Gefahr einer Infektion im Unternehmen möglichst gering zu halten, damit der Betrieb nicht geschlossen wird“, erläutert Christoph Miethke, Geschäftsführer des Unternehmens, seine Strategie. Die Verantwortung gebe es nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für Patientinnen und Patienten. Deshalb wurde schon Anfang März in kürzester Zeit ein Krisenstab eingerichtet, der sich täglich trifft und auf sich verändernde Situationen reagiert.

Eltern sollen sich keine Sorgen machen

Schnell war klar, dass möglichst viele der 220 Beschäftigten ins Homeoffice gehen werden. Hier hat die IT innerhalb einer Woche die bisherigen Homeoffice-Plätze auf eine größere Zahl ausgeweitet. Eltern sollten sowieso zu Hause bleiben, um aufgrund der Kita- und Schulschließungen ihre Kinder betreuen zu können. „Wir unterstützen die Eltern, indem wir versuchen, ihnen den Druck und die Ängste zu nehmen. Die Entgeltfortzahlung läuft normal weiter. Unsere Devise lautet: Kümmert Euch um die Kinder und macht Euch keine Sorgen“, unterstreicht Miethke. Zugute kam ihm auch, dass es in seinem Unternehmen schon immer Vertrauensarbeitszeit in einem Zeitrahmen von 6 bis 21 Uhr gab.

Shuttle-Service verringert Kontakte

Ein Teil der Belegschaft muss an den beiden Standorten in Potsdam in der Produktion arbeiten. Für sie wurden strenge Hygienevorschriften festgelegt, Masken verteilt und Kontaktwege so weit wie möglich eingeschränkt. Die Beschäftigten tragen sich zu Beginn ihres Arbeitstags in ein Buch am Eingang ein und am Ende wieder aus. So könnten Kontakte schnell nachvollzogen werden.


Dankesbotschaft am Firmenstandort Christoph Miethke GmbH & Co. KG in Potsdam. Quelle: © CHRISTOPH MIETHKE GMBH & CO. KG

Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sollte so weit wie möglich vermieden werden. Über eine Umfrage wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermittelt, die keinen Führerschein oder kein Auto haben. Jetzt gibt es den Shuttle-Service: Diese Beschäftigten werden von Kollegen abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Die Fahrer sehen das als ihren Beitrag, den sie für das Unternehmen in der Krise leisten können.

Trotz sozialer Distanz haben die Kolleginnen und Kollegen Kontakt: Der einmal pro Woche stattfindende Betriebssport wurde auf digital umgestellt. Hier kann man sich gegenseitig sehen und auch die Kinder machen mit.

Zusammenhalt und Wertschätzung

Die jetzige Situation zeigt, dass die familienbewusste Personalpolitik bei dem langjährigen Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ funktioniert: Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht nur ein Begriff in den Leitlinien, vielmehr ist ihre Umsetzung ernst gemeint und wird im Unternehmen gelebt. Diejenigen, die im Homeoffice arbeiten, sagen den Kolleginnen und Kollegen vor Ort „Danke“; Transparenz und kurze Informationswege fördern den Zusammenhalt. „Für uns ist es schön, zu sehen, dass das Miteinander nicht verloren geht und wie flexibel wir reagieren können. Aus unserer Sicht ist es wichtig, Verständnis füreinander zu zeigen, füreinander einzustehen und die Entscheidungen und Lösungen gemeinsam umzusetzen. Schnell nachjustieren können wir jederzeit“, schließt Miethke.

Sehen Sie hier ein Video von Christoph Miethke von Ende März 2020 zum betrieblichen Umgang mit der Corona-Krise.

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