Corona

Transparent kommunizieren und Zusammenhalt stärken

Schulen und Kitas sind geschlossen. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind von Kurzarbeit betroffen und manche verlieren im schlimmsten Fall ihren Arbeitsplatz. Diese beispiellose Situation stellt viele von Ihnen vor große Herausforderungen – und Unsicherheit. Was kann ich als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber tun? Wie kann der Zusammenhalt in Unternehmen gestärkt und die Veränderungen kommuniziert werden?

Kompass, Quelle: Shutterstock/Zerbor

Was, wieviel, wann, wo und wie gut? Die Regelungen zur Eindämmung des Coronavirus verändern gerade massiv unsere gewohnten Arbeitsmuster wie Arbeitsumfang, Arbeitszeiten, Arbeitsorte und Arbeitsleistung. Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat schon immer bedeutet, Arbeitsmuster zu verändern. Genau diese Arbeitsmuster, die Unternehmen teilweise schon durch das Vereinbaren von Familie und Beruf kennen, bieten die Chance diese Krise etwas leichter zu bewältigen.

Veränderung braucht aber nicht nur Instrumente wie flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice, sondern auch eine entsprechende Kultur. Diese besteht aus Haltung (z. B. Umgang mit Regeln und Erwartungen, Arbeitsleistung und -qualität, Geben und Nehmen) sowie Kommunikation. Ein gelungener Einsatz solcher Instrumente setzt Folgendes voraus: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bieten sie mit dem Vertrauen in die angemessene Umsetzung der Beschäftigten an und die Beschäftigten können darauf vertrauen, dass die Nutzung dieser Instrumente gewünscht ist.

Was viel zu selten seinen Weg in den Krisenplan findet, ist die Kommunikation ins Innere des Unternehmens, also zu den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn die Corona-Krise betrifft alle Beschäftigten – vor allem, wenn sie neben der beruflichen auch eine familiäre Verantwortung tragen. Mutmaßungen, Unsicherheiten, Gerüchte und mangelndes Vertrauen können zu tiefen Rissen in der Unternehmenskultur führen. Der Zusammenhalt ist wichtiger denn je und das Geben und Nehmen muss neu austariert werden. Vereinbarkeit wird zur Gemeinschaftsaufgabe, in der gemeinsam überlegt werden muss, wie "die Stellung gehalten" werden kann, wenn Eltern zu Hause die Kinder betreuen müssen.

Was bedeutet das konkret?

  1. Zeitnah zur Unternehmenssituation und künftigen Vorgehensweisen kommunizieren. Die Meldungen sollten regelmäßig erfolgen, beruhigend und klärend wirken, sachlich sein und zeigen, dass die Unternehmensführung bereits an einer Lösung arbeitet.

  2. Zusammenhalt und Durchhalten fördern, indem gemeinsam und offen mit den Mitarbeitern nach pragmatischen Lösungen gesucht wird. Dadurch können Vereinbarkeit unterstützt und Kündigungen vermieden werden:

    • Neuverteilung von Aufgaben(-erledigung) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen überlegen,
    • nach alternativen Arbeitszeit-Strukturen suchen,
    • über Leistungsvermögen und Ergebniserwartungen sprechen, v. a. wenn gleichzeitig Kinder oder  Angehörige zu betreuen sind

  3. Offenen Austausch fördern, Fragen zulassen sowie Unsicherheiten besprechen. Wichtig ist dabei auch, den Mitarbeitern durch die eigene Ausstrahlung Zuversicht zu vermitteln. Falls nun mehr Beschäftigte im Homeoffice tätig sind, sollten neue Kommunikationswege gefunden werden, wie:

    • Ansprachen und Videobotschaften der Geschäftsleitung oder Chats und Telefon- "Sprechstunden", in denen Fragen der Beschäftigten beantwortet werden.
    • einen schnellen Kommunikationskanal einrichten (z. B. Intranet, Messenger, o. Ä.), mit dem alle Beschäftigten erreicht werden, um so u. a. auch Gerüchten und Mutmaßungen vorzubeugen
    • direkten Austausch von Informationen zwischen allen Ebenen ermöglichen z.B. über Chatkanäle – vor allem wenn die „klassischen“, direkten Kommunikationswege (z. B. Kantine und Kaffeeküche) durch bislang nicht geübte Homeoffice-Lösungen nicht mehr funktionieren. 

Interne Kommunikation erscheint zunächst als Zusatzbelastung für Verantwortliche, die ohnehin schon am Limit sind. Allerdings gilt auch wenn es hektisch ist: Interne Krisenkommunikation verdient dieselbe Aufmerksamkeit wie die Suche nach Lösungen. Sie ist vor allem aber eine Chance, an schwierigen Situationen zu wachsen. Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind gemeinsam überstandene Krisen ein weiterer starker "Kleber" der Unternehmenskultur. Auf diese Art kann aus einer Unternehmenskrise eine starke interne Bindung entstehen.

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