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Warum eine familienbewusste Haltung in Krisenzeiten unverzichtbar ist

Das Leitmotiv dieser Zeit lautet: Umdenken. Viele Unternehmen müssen zwangsweise ihre Produktion beziehungsweise Dienstleistungen drosseln, zum Beispiel über Kurzarbeit. Andere haben mehr zu tun als vorher oder versuchen, ihre Leistungen unter neuen Bedingungen aufrecht zu erhalten – neue Bedingungen also auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine familienbewusste Unternehmenskultur. Diese fordert jetzt vor allem eine gemeinsame Haltung aller im Unternehmen dazu, wie in der aktuellen Situation miteinander gearbeitet und Familie und Beruf vereinbart werden sollen.

Wegweiser, Quelle: Unsplash

Die Welt steht Kopf und alle, egal ob Privatpersonen oder Unternehmen, probieren neue Wege aus, um mit den aktuellen Bedingungen zurecht zu kommen. Flexible Arbeitsbedingungen sollen Vereinbarkeit ermöglichen und in der aktuellen Situation auch die Leistungserbringung steuern. Deswegen wird z. B. Homeoffice derzeit auch in vielen Unternehmen praktiziert, die damit noch keine Erfahrungen haben. Und auch dort, wo Homeoffice schon geübt ist, läuft kein „Normalbetrieb“, da eine gesicherte Kinderbetreuung in vielen Unternehmen  Voraussetzung für geregeltes Arbeiten im Homeoffice ist. Denn aktuell müssen viele Eltern neben dem Homeoffice auch Homeschooling bzw. Kinderbetreuung leisten - verbunden mit Einschränkungen bei Erreichbarkeit und beim Leistungsumfang. Diese gilt es anzuerkennen.

In schwierigen Zeiten sind für eine familienbewusste Haltung (jenseits aller technischen und rechtlichen Fragstellungen) zwei wesentliche Elemente noch bedeutender als sonst.

  • Zum einen die Formulierung von (neuen, temporären) Regeln und der Umgang mit ihnen
  • Und zum zweiten das Management der gegenseitigen Erwartungen an die aktuelle, ggf. veränderte Leistungserbringung

Familienbewusste Haltung bedeutet daher ganz konkret einen offenen Umgang mit der Situation berufstätiger Eltern:

  • Beschäftigte, die derzeit in Kurzarbeit geschickt werden müssen, haben zwar weniger Arbeitsstunden – und können daher ihre Kinder besser betreuen – sehen sich allerdings mit gestiegenen Belastungen durch aktuelle finanzielle Engpässe und Zukunftsängste konfrontiert.
  • Viele Beschäftigte müssen nach wie vor am Arbeitsplatz präsent sein. Für sie ist Betreuung eine noch größere Herausforderung und z.B. nur durch „Schichtdienst“ bzw. Ablösung im Laufe des Arbeitstags mit dem Partner/der Partnerin zu realisieren. Hier sollte auch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweg nach partnerschaftlichen Lösungen sowohl für beide Elternteile als auch für beide Arbeitgeberbetriebe gefunden werden.
  • Im Homeoffice ist unter den aktuellen Bedingungen – wenn die Kinder, die Partner usw. alle zur gleichen Zeit zu Hause sind – die Leistungsfähigkeit oft eingeschränkt.

Dementsprechend ist die zu erbringende Arbeitsleistung mit dem Vorgesetzten und im Team mit den Kolleginnen und Kollegen gemeinsam zu reflektieren („was geht wann und wie gut?“). Macht es Sinn, bestehende Arbeitsteilungen neu zu überdenken? Entsprechende Erwartungshaltungen an zeitliche und inhaltliche Vorgaben sind transparent zu kommunizieren.

Haltung im Unternehmen bedeutet aktuell auch ein neues Verständnis von Geben und Nehmen:

  • Beschäftigte brauchen die Sicherheit, dass ihnen bei der Arbeit im Homeoffice vertraut wird, dass es Verständnis dafür gibt, wenn Arbeitszeitflexibilität jetzt wirklich bedeutet, mal für ein, zwei Stunden nicht erreichbar zu sein.
  • Umgekehrt ist es auch angemessen, mit den Beschäftigten offen über einen fairen Umgang mit ggf. geringerem Arbeitsumfang zu sprechen und sich zum Beispiel über den Abbau von Arbeitszeitkonten/Überstunden abzustimmen.

Haltung bedeutet nicht zuletzt auch, Chancen in der Krise zu erkennen und diese als Signale der Zuversicht in die Zukunft zu tragen. Ein Bekenntnis zur Vereinbarkeit auch unter schwierigen Bedingungen wird sich langfristig und nachhaltig auf die Motivation aller Beschäftigten im Unternehmen auswirken und so die positiven Effekte auf die Unternehmenskultur voll entfalten. 

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