Corona

Wie kann die Arbeitszeit der Beschäftigten in Krisenzeiten flexibel gestaltet werden?

Gerade während einer Krise, von der niemand wirklich genau sagen kann, wie lange sie dauern wird, haben Unternehmen und Beschäftigte verstärkten Bedarf nach Zuverlässigkeit, aber auch nach Flexibilität. Flexible, familienbewusste Arbeitszeiten sind ein seit vielen Jahren bewährtes Instrument für diese Balance. In Krisenzeiten können sie umso mehr helfen, dass der Job, die Kinderbetreuung oder auch die Pflege von Angehörigen unter schwierigen Bedingungen vereinbar sind.

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Durch die Corona-Pandemie sind vor allem Beschäftigte mit Fürsorgeverantwortung auf die Möglichkeiten einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung angewiesen. Erwerbstätigen Vätern und Müttern kann so zum Beispiel die Möglichkeit gegeben werden, ihre Kinder wechselseitig zu Hause zu betreuen. Selbst wenn Notfallalternativen zur gewohnten Kinderbetreuung angeboten werden, bieten diese oft nur geringere Betreuungszeiten. Auch Eltern, deren Arbeit ortsgebunden ist und die nicht die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, müssen ihre tägliche Arbeitszeit verkürzen oder in kürzeren Abschnitten ableisten. Viele berufstätige Elternpaare haben ein Betreuungs- und Arbeitsschichtsystem miteinander vereinbart, in dem jeweils ein Elternteil für vier Stunden die Betreuung übernimmt, damit der andere Elternteil in dieser Zeit ungestört arbeiten kann. In Betrieben bedeutet dies mitunter eine erhebliche Anpassung der bisherigen Abläufe – und gelingt am besten mit Solidarität und gegenseitiger Unterstützung. Neben berufstätigen Elternpaaren sollte diese Solidarität auch insbesondere alleinerziehenden Eltern gelten. Sie sind ganz besonders auf flexible Arbeitszeiten und Unterstützung Dritter bei der Kinderbetreuung angewiesen.

Für eine bedarfsgerechte Arbeitszeitorganisation sind folgende Fragen zu klären:

  • Wer ist in welchem Umfang unverzichtbar?
  • Wer kann kritische Bereiche wie unterstützen?
  • Wer kann zu welcher Zeit welche Arbeitsinhalte erledigen und welchen Einfluss hat das auf die leistbaren Arbeitsmengen?
  • Wenn weniger zu tun ist: Welche Arbeitspakete können mit anderen Arbeitszeitmodellen neu verteilt werden?

Was Sie machen können:

  • Flexible Arbeitszeiten/Gleitzeit: Gibt es die Möglichkeit, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Arbeitseinsatz flexibel beginnen und beenden können, damit sie die Gelegenheit haben, sich bei der Kinderbetreuung zu Hause mit ihrem Lebenspartner/ihrer Lebenspartnerin abzustimmen?
  • Flexible Schichtmodelle: Lassen sich Schichten teilen, so dass sie sich mit einer „schichtweisen“ Kinderbetreuung synchronisieren lassen? Kann Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen ein Mitspracherecht für bevorzugte Schichten (nur Frühschicht, nur Spätschicht etc.) eingeräumt werden
  • Gleittag/Abbau von Überstunden: Können kurzfristig Überstunden abgebaut werden, um die Kinder zu betreuen? Es sollte auch ermöglicht werden, dass die Beschäftigten kurzfristig bis in den Minus-Bereich hinein Stunden abbauen und diese später wieder aufbauen.
  • Jahresarbeitszeitkonten: Hier gilt das gleiche Prinzip: Angesammelte Überstunden können für die Kinderbetreuung zu Hause in größerem Umfang abgebaut oder nicht erbrachte Arbeitszeiten bzw. für die Arbeitszeitverkürzungen gesammelt und zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen werden.

Wenn die oben genannten Empfehlungen nicht ausreichen, kann die kurzfristige, zeitlich begrenzte Vereinbarung von Kurzarbeit oder eine begrenzte bezahlte Freistellung allen Familien mehr helfen als eine unentgeltliche Freistellung:

  • Flexible Änderung des Stundenvolumens der Beschäftigten: Können Sie Ihren Beschäftigten (in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung) vorübergehend die Möglichkeit geben, das Stundenvolumen zu reduzieren, welches später wieder auf die ursprüngliche Wochenarbeitszeit angehoben wird? Alternativ kann für Eltern temporär ein kürzerer Soll-Arbeitstag (z.B. sechs statt acht Stunden) gelten – ohne dass später ein Ausgleich verlangt wird.

Unabhängig von der Lösung im Einzelfall: Flexibilität fußt auf gegenseitigem Vertrauen, zum Beispiel bei der Erfassung von Zeiten oder der Zuverlässigkeit der zu leistenden Ergebnisse. Temporäre Betriebs- oder Dienstvereinbarungen für die Krisenzeit, nach deren Ende wieder die alten Regelungen greifen, bieten dabei zusätzlich Sicherheit und Zuverlässigkeit.

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