Corona

Stresstest Homeoffice: Wie die aktuellen Erfahrungen in eine zukunftsfähige Vereinbarkeitsstrategie münden können

In den vergangenen Wochen konnte man den Eindruck bekommen, dass Homeoffice die Krisenreaktion Nummer 1 war. Jetzt stellt sich in vielen Unternehmen die Frage: Wie viel Homeoffice können und wollen wir in Zukunft beibehalten? Und wie kann das gelingen? Denn die Beschäftigten wollen darauf spätestens nach den Sommerferien eine Antwort.

Frau sitzt Zuhause mit Laptop am Schreibitisch und arbeitet

Quelle: Pixabay

Inzwischen ist klar, dass in vielen Familien mehr „Home“ als „Office“ stattfindet beziehungsweise stattfinden musste. Wir haben dazu in einem früheren Artikel vier Punkte identifiziert, die die künftige Rolle von Homeoffice in einer familienbewussten Unternehmenskultur beeinflussen können. Diese erscheinen aktueller denn je, denn viele Beschäftigte können sich gut vorstellen, dass Homeoffice für sie eine dauerhafte Einrichtung zur besseren Vereinbarkeit bleiben kann.

Heute sind Personalerinnen und Personaler überwiegend davon überzeugt, dass die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, zukünftig von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiver eingefordert wird. Für Unternehmen wird es schwieriger, dem Wunsch nicht zu entsprechen. Aber die Mehrheit der Unternehmen will das auch gar nicht. Vielmehr möchte die Mehrheit der Unternehmen gute Erfahrungen in den Zeiten von COVID-19 verstetigen und mehr Möglichkeiten zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden anbieten. Diesen Kulturwandel bestätigen unter anderem die gemeinsam durchgeführte Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), die Umfrage des Fraunhofer Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) sowie eine repräsentative Umfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim.

Im Übergang zur neuen Normalität jenseits der Arbeit im Büro ist die Sicherheit in der Flexibilität durch eine klare Unterscheidung von Telearbeit, Homeoffice und mobilem Arbeiten wichtig. Werten Sie die arbeitsrechtlich fundierten Unterscheidungen weniger als einschränkenden Zwang, sondern erkennen Sie die wertvollen Hinweise auf notwendige Klärungen. Nicht zuletzt tragen diese zu einer größeren und dauerhaften Zufriedenheit der Mitarbeitenden bei. Denn die neuen Studien zeigen auch, dass die längere Arbeit zuhause bei schlechten Arbeitsbedingungen zu einer negativen Haltung der Beschäftigten gegenüber dem Homeoffice beitragen kann.

Technik und Organisation werden rückblickend als wichtiger Faktor für ein reibungsloses Arbeiten im Homeoffice gewertet. Aufmerksamkeit verdienen unbedingt auch die „weichen Faktoren“. Fragen, wie die Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben gelingt, wie der von den Mitarbeitenden als sehr wichtig wahrgenommene Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aufrechterhalten werden kann und wie gut Führung aus der Distanz funktioniert, zeigen, dass über Regeln und Ausnahmen gesprochen werden muss. Aussagen der Beschäftigten zeigen, dass die Arbeit im Büro neben der Arbeit zuhause durchaus wieder an Attraktivität gewonnen hat.

Wie können Unternehmen nun die Erfahrungen aus dem Homeoffice zu Corona-Zeiten für eine Dauerlösung nutzen?

  • Erlauben Sie sich und Ihren Beschäftigten, sich als Lernende zu verstehen. Diskutieren Sie gemeinsam, im Sinne einer Evaluation, die möglichen Konsequenzen aus Ihren Erfahrungen.
  • Klären Sie eindeutig die gegenseitigen Erwartungen.  
  • Dazu gehören die Erwartungen an Erreichbarkeit, die Sie als Arbeitgeber haben, und die Erwartungen an Grenzen der Erreichbarkeit bei den Beschäftigten.
  • Klären Sie, wieviel Kontrolle Sie für das Einhalten von Arbeitszeiten brauchen und was Sie brauchen, um diese umzusetzen.
  • Sprechen Sie mit Ihren Führungskräften über die Erwartungen an das Selbstmanagement der Beschäftigten und über die Erwartungen der Beschäftigten an Teamorganisation und Fürsorge durch Führung.

Anhand dieser Fragen können Sie erkennen, wo die Möglichkeiten und wo die Grenzen der flexiblen Arbeitsorganisation in Homeoffice oder des mobilen Arbeitens für Ihren Betrieb sind. Wenn Sie diese frühzeitig und nach einem offenen Prozess kommunizieren, vermeiden Sie, dass sich aus ungeklärten Ausnahmesituationen unerfüllbare Erwartungen entwickeln. Sie nutzen vielmehr die Chance, dass Homeoffice oder mobiles Arbeiten zu einer zukunftsfähigen Vereinbarkeitsstrategie wird.

Weiterführende Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Arbeiten in der Corona-Krise finden Sie hier.

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