Corona

Vereinbarkeit in der vierten Welle – alle(s) zurück auf Los?

Hohe Inzidenzen statt „neues Normal“: In der vierten Corona-Welle stehen Beschäftigte und Arbeitgeber (zum wiederholten Mal) vor gemeinsamen Anstrengungen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Erfahrungen und Rezepte aus dem letzten Jahr sind ein wichtiges Potenzial – aber ein einfaches „zurück auf Los“ wäre der jetzigen Situation nicht angemessen.

Quelle: Unsplash/Glenn Carstens-Peters

Hatte die erste Corona-Welle den Fachkräftemangel kurzfristig in den Hintergrund gerückt, machen die Personalengpässe den Arbeitgebern jetzt sogar mehr Sorgen als vor Corona. Knapp über die Hälfte der Unternehmen können dem DIHK-Report Fachkräfte 2021 zufolge offene Stellen zeitweise nicht besetzen, da die passenden Fachkräfte nicht verfügbar sind. Die langfristige Perspektive macht deshalb deutlich: Sich mit einer guten Vereinbarkeit als attraktiver Arbeitgeber aufzustellen, ist wichtiger denn je. In vielen Betrieben war man bereits dabei, die guten Erfahrungen mit einer flexiblen Arbeitsorganisation aus der Krise in zukunftsweisende Konzepte für ein hybrides „neues Normal“ weiterzuentwickeln. Doch durch die hohe vierte Welle, mit 2G bzw. 3G befinden sich (nicht nur) Unternehmen auf einmal wieder im vollen Pandemiemodus. Kontaktbeschränkungen, Homeofficepflicht und Nachweiskontrollen – grüßt hier das besagte Murmeltier?

Nicht ganz. Denn die Lage für die Vereinbarkeit in den Betrieben ist eine andere als im vergangenen Frühjahr: Arbeitgeber sowie Beschäftigte können auf einen in der Pandemie entwickelten Katalog von Maßnahmen zurückgreifen, der auch bei weiteren Eskalationsstufen bis hin zu Schul- und Kitaschließungen Unterstützung geboten hat. Allerdings hat die Erfahrung, dass kurzfristige Lösungen möglich gemacht wurden, auch eine höhere Erwartungshaltung zur Folge: Beschäftigte fordern mit einem stärkeren Selbstbewusstsein eine Reaktion auf individuelle Bedürfnisse ein. Demgegenüber erwarten Führungskräfte in gleichem Maße eine entsprechende Selbstorganisation der Beschäftigten, vor allem was den Umgang mit Betreuungsaufgaben betrifft.

Dementsprechend gilt es jetzt zum einen, die guten Erfahrungen und bewährten Maßnahmen erneut in den betrieblichen Alltag zu integrieren – sofern sie nicht sowieso bereits Praxis sind. Zum anderen – und das ist der wesentliche Unterschied – muss die betriebliche Kommunikation sehr sensibel auf diese veränderte Lage reagieren.

In der Kommunikation die veränderte Lage aufnehmen

Mehr denn je braucht es in den Unternehmen eine familienbewusste Haltung sowie Rahmen, Offenheit und Kompetenz für die unausweichlichen Aushandlungsprozesse zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. Auch Maßnahmen, die in der letzten Welle gut geholfen haben, müssen jetzt nochmal geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Es gilt, die Anforderungen und Erwartungen unter einen Hut zu bringen und alle Beteiligten in den Austausch einzubeziehen. Vielerorts zu berücksichtigen, dass in dieser vierten Welle bei Vielen der Geduldsfaden sehr gespannt ist und die Rücksichtnahme an ihre Grenzen gerät.

Konkret bedeutet dies, aktiv auf eine gemeinsame Suche nach Lösungen zu gehen: Maßnahmen flexibel an die neue Situation anzupassen kann zum Beispiel bedeuten, frühzeitig Gespräche über mögliche Einschränkungen in Schule und Betreuung zu führen, ohne dass gleich der neue Jahresurlaub genommen werden müsste. Spätestens jetzt solllte auch wieder eine regelmäßige Kommunikation der Unternehmensleitung aufleben, die an die trotz allem vielfach positiven Erfahrungen und damit gestärkte Unternehmenskultur anknüpft.

Die bewährten Rezepte (wieder) abrufen und sie stabilisieren

Ein prüfender Blick in unsere Corona-Toolbox zeigt, dass viele der dort enthaltenen Vorschläge, Praxistipps und Tricks nicht an Aktualität eingebüßt haben. Sie helfen dabei – auch und gerade unter Pandemiebedingungen – eine familienbewusste Unternehmenskultur zu festigen:

  • Flexibilität bei den Arbeitsbedingungen ist das erneute Gebot der Stunde. Das Argument „geht nicht“ hat an Überzeugungskraft verloren. Ob wieder im „Normalmodus“ bislang nicht betroffen oder das erste Mal „Herausforderung Homeoffice“: Für Arbeitgeber finden sich Anregungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten bzw. zur Umstellung auf (teilweises) Homeoffice. (mehr)
  • Auch in Betrieben mit Schichtarbeit oder überwiegend in Präsenz am Arbeitsplatz zu erledigenden Tätigkeiten hat die Krise kreative Lösungen für mehr Vereinbarkeit hervorgebracht, die auch in der aktuellen Lage umsetzbar sind. (mehr)
  • Wenn betriebsintern alles ausgereizt erscheint, kann es Sinn machen, eine partnerschaftliche Vereinbarkeit auch über Betriebsgrenzen hinaus stärken. (mehr)
  • Im Falle von Einschränkungen im Kita- oder Schulbetrieb kann auch auf ein Repertoire an schnell umsetzbaren Ideen, wie z. B. die Organisation von Webinaren oder Schaffung von Gruppen zum virtuellen Austausch unter den Beschäftigten, zurückgriffen werden. (mehr)

Auch wenn inzwischen alle pandemiemüde sind: Die guten Erfahrungen können Unternehmen und Beschäftigten ermutigen, sich nicht von den Herausforderungen der erneuten Welle überrollen zu lassen. Zur Inspiration finden Sie weitere Praxisbeispiele von ausgewählten Unternehmen verschiedenster Größe und Branche, die sich als „krisenfest“ erwiesen haben.

Schnelle Orientierung mit dem Fortschrittsindex „Quick“

Mit einer Unternehmenskultur, in der flexible Arbeitszeit- und ortgestaltung und die entsprechende Kommunikation bereits etabliert sind, segeln Unternehmen heute besser durch die vierte Welle und sind morgen gut gewappnet für eine stabile Fachkräftegewinnung. Der Fortschrittsindex Vereinbarkeit „Quick“ des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ unterstützt Unternehmen in dieser Phase: Mithilfe dieses Tools erhalten Sie passgenaue Empfehlungen für Handlungsfelder, die für Ihr Unternehmen aktuell von besonderer Relevanz sind, um Vereinbarkeit umzusetzen und weiterzuentwickeln (beispielsweise Homeoffice oder Führung in Teilzeit). Zudem können Sie sich mit anderen Unternehmen der gleichen Größe und Branche anonym und kostenlos vergleichen.

Hier geht es zum „Fortschrittsindex Quick“: https://fortschrittsindex.erfolgsfaktor-familie.de/

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