10. Unternehmenstag: NEUE Vereinbarkeit - Unternehmenskultur für MEHR Familie

 Am 1. Juni 2017 fand in Berlin der 10. Unternehmenstag von „Erfolgsfaktor Familie“ statt. Rund 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Jubiläumsveranstaltung und diskutierten unter dem Titel „NEUE Vereinbarkeit - Unternehmenskultur für MEHR Familie“ über betriebliche Lösungen und Angebote von heute und morgen. Begleitet wurde der Austausch von einem abwechslungsreichen Programm. Die Gäste hatten die Gelegenheit, im Gallery Walk auf die Erfolge aus zehn Jahren Unternehmensnetzwerk zu schauen: Fotos und Filme, zehn Unternehmen aus der "ersten Stunde", die „Gemeinsame Erklärung", die Frage nach der Zukunft der Vereinbarkeit zeigten, wie vielseitig Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der betrieblichen Praxis war und sein wird.

Gemeinsam können wir auf einen erfolgreichen, herzlichen und kurzweiligen Unternehmenstag zurückblicken, der vor allem durch Ihr Engagement für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich wurde.

Die schönsten Fotos vom Unternehmenstag können Sie in unserer Galerie einsehen und herunterladen. Die Nutzung der Fotos ist mit der vollständigen Angabe der Quelle erlaubt.

 

Zu den Bildern

Im Fortschrittsindex 2017 geben wir Ihnen einen Überblick darüber, wie sich Deutschland und die Unternehmen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den letzten Jahren entwickelt haben. 

 

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Die "Gemeinsame Erklärung" steht Ihnen zum Nachlesen als Download zur Verfügung. Sie können die "Gemeinsame Erklärung" mit einer Aktivierung in Ihrem Profil unterstützen.

 

Zur gemeinsamen Erklärung

In unserem Gallery Walk haben wir zehn langjährigen Netzwerkmitgliedern die Gelegenheit, über ihre Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ihre Mitgliedschaft im Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" zu berichten. Die daraus entstandenen Poster können Sie beim Klick auf den Button einsehen.

 

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Zukunftslabore

Zukunftslabore

In den Zukunftslaboren am Nachmittag des Unternehmenstages hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, Vereinbarkeitsthemen einmal neu oder aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten. Die wichtigsten Ergebnisse aus den Zukunftslaboren finden Sie auf dieser Seite.    

Zukunftslabor 1: Mit Familienkompetenzen punkten - neue Entwicklungswege in Unternehmen

Erste Unternehmen setzen bereits heute „Familienzeiten“ (Eltern- oder Pflegezeit) als Baustein in der Entwicklungs- und Karriereplanung ein. Die in der Familienzeit erworbenen Kompetenzen werden gemessen und bilanziert, um sie als Qualifikation für das berufliche Profil nutzen zu können. Dafür müssen sich Arbeitgeber/-innen und Arbeitnehmer/-innen über das Angebot (den Baustein), seine Chancen und Grenzen austauschen – es ist ein gemeinsames Verständnis notwendig. Für einen Erfolg muss der Ansatz top-down getragen und gefördert werden. Die betriebliche Umsetzung braucht Zeit, eine Ad-hoc-Umsetzung ist nicht möglich.

Wichtig für die betriebliche Umsetzung ist: Erworbene Kompetenzen müssen auch zum Jobprofil passen. Eine Selbsteinschätzung durch die Beschäftigten reicht nicht aus. Es empfiehlt sich immer eine ergänzende Fremdeinschätzung (i. d. R durch Vorgesetzte/die Führungskraft). Führungskräfte und Beschäftigte müssen darauf vorbereitet werden, Kompetenzen richtig/berufsrelevant beschreiben und erfassen zu können.

Familienkompetenzen ergänzen, ersetzen jedoch nicht klassische Karrierewege und -bausteine.

Die Stiftung Warentest hat Kompetenzbilanz-Verfahren getestet und die Ergebnisse im Februar 2017 online veröffentlicht: http://weiterbildungsguide.test.de/infothek/beratung/kompetenzbilanzierung.

Expertinnen:

  • Patricia Montbrun-Löffler, Beauftragte für Chancengleichheit, Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt
  • Andrea Himmelsbach-Neff, Head of Corporate Communications, Biologische Heilmittel Heel GmbH, Baden-Baden
  • Christine Knüppel, Koordination Vereinbarkeit Beruf & Familie Konzern, ZF Friedrichshafen AG, Friedrichshafen

Download unter: Mit Familienkompetenzen punkten - neue Entwicklungswege in Unternehmen

Zukunftslabor 2: Vereinbarkeit und Führung - vernetzt und digital

Digitalisierung braucht mehr Mut zum Experiment. Führungskräfte müssen neue Wege und Tools ausprobieren und diese genauso wieder fallenlassen können, wenn sich herausstellt, dass sie nicht zum Ziel führen. „Wir haben bestimmt sechs verschiedene Apps ausprobiert, bis wir das Tool gefunden haben, mit dem unsere Bauleiter effizient arbeiten können“, erzählt Larissa Zeichardt. Die Idee für die Nutzung von Apps entstand im Rahmen eines Design-Thinking-Workshops mit den Mitarbeitenden. „Um sie dafür zu gewinnen, musste ich allen Mut und alle Überzeugungskraft aufbringen“, erzählt die Geschäftsführerin. Aber es hat sich gelohnt: „Spätestens als die Leute ihre Idee real in den Händen hielten, waren sie überzeugt.“ Auch das bedeutet Führen in Zeiten der Digitalisierung: Mitarbeitende mitnehmen und für neue Wege begeistern, indem man sie beteiligt und mitgestalten lässt.

Die neuen Führungspersönlichkeiten müssen vor allem eines sein: Mensch. „Seien Sie ehrlich, mit sich selbst und Ihren Mitarbeitenden“, sagt Larissa Zeichardt. „Zeigen Sie auch mal Schwäche, benennen Sie Fehler. Das macht Sie glaubwürdig und überzeugend“, so Zeichardt weiter. Xaver Irlesberger ergänzt: „Seien Sie präsent.“ Seines Erachtens funktioniert Führung in Zeiten der Digitalisierung nur dann, wenn man sich wenigstens ab und an „leibhaftig“ begegnet.

Die „digitalisierungsfitte“ Führungskraft braucht das Rüstzeug einer/eines Feldforscher/-in. Über Distanzen nämlich kann man nur dann führen, wenn man genau beobachten, gut zuhören und gezielt nachfragen kann. „Man muss lernen, Nuancen wahrzunehmen, in der Stimme, der Wortwahl“, berichtet Xaver Irlesberger über das Führen auf Distanz. „Ich habe jedes Telefongespräch mit zwei Fragen begonnen: Wie geht es dir? Und passt es dir gerade?“, erzählt Larissa Zeichardt aus ihrer Zeit bei einem Weltkonzern. „Und die waren so gemeint. Selbst wenn die Telko verabredet war – im Homeoffice passieren einfach unerwartete Dinge.“ 

Expertin und Experte:

  • Larissa Zeichardt, Geschäftsführerin, LAT Fernmelde-Montagen und Tiefbau GmbH, Berlin
  • Xaver Irlesberger, Leitung Interne Organisation, GPI Consulting GmbH, Stuttgart

Download unter:  Vereinbarkeit und Führung - vernetzte und digital

Zukunftslabor 3: Unternehmenskultur neu denken

Nach einem kurzen Input zur NEUEN Vereinbarkeit bearbeiteten die Teilnehmer/-innen in vier Arbeitsgruppen typische Rollenkonflikte zwischen Beschäftigten mit Flexibilisierungs- und Vereinbarkeitswünschen und Vorgesetzten. Ziel war es, einen Dialog zu entwickeln, der die Situation im Sinne der NEUEN Vereinbarkeit löst. Dabei schauten ihnen zwei Schauspieler des Improvisationstheaters frei.wild über die Schulter, die nach der Arbeitsphase alle vier Rollenkonflikte hintereinander vorspielten.

Klar zu erkennen war dabei folgende Tendenz: Trotz vieler Stichpunkte in Richtung von mehr Partnerschaftlichkeit bei der Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit unter Paaren und dem Versuch, entsprechende Hilfestellungen vom Unternehmen für die Vereinbarkeit zu erhalten, fielen die Schauspieler reflexhaft in alte Rollenkonflikte zurück.

Auf die Fragen, warum sie dies so aufgefasst hätten, antworteten sowohl die Schauspieler als auch Teilnehmer/-innen, dass dies die eingefahrenen Wege seien und es atmosphärisch in der Luft gelegen habe.

Das Resümee: Das über Jahrzehnte eingeübte Rollenverhalten, sowohl was Geschlechterrollen betrifft, als auch was Rollen in Hierarchieebenen angeht, ist nach wie vor dominant. Das Lernziel des Workshops lag darin, sich auf einen Perspektivwechsel einzulassen, sich zu öffnen für Argumente anderer Positionen. Dabei galt die Losung: Empathie entwickeln und sich daran beim nächsten Mitarbeitergespräch erinnern. Dass hier noch viel zu tun ist und dass es sich lohnt, daran zu arbeiten, hat der Workshop eindrucksvoll und am Ende unterhaltsam vermittelt.

Begleitung:

  • Improvisationstheater frei.wild

Zukunftslabor 4: Technik und Unternehmenskultur für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Aktuell gibt es eine Vielzahl an technischen bzw. intelligenten Assistenzsystemen, die Pflegebedürftige in ihrer Selbstständigkeit im Alltag unterstützen und zudem Angehörige bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entlasten, z. B. Rauch- und Sturzmelder oder Orientierungslicht für den Haushalt.

Unternehmen beantworten die Frage, ob technische bzw. intelligente Assistenzsysteme Beschäftigte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unterstützen können, mit einem Ja. Wichtige Voraussetzung: Unternehmen und Beschäftigte müssen über die entsprechenden Angebote umfassend informiert werden und gemeinsam abstimmen, wie Assistenzsysteme vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer hilfebringend eingesetzt werden können.

Die Nutzung technischer bzw. intelligenter Assistenzsysteme in der Pflege (aber auch allgemein) setze voraus, dass sich Menschen im Sinne des lebenslangen Lernens regelmäßig auch zu technischen Neuerungen fortbilden, so Christine Weiß. Albert Premer verwies zudem darauf, dass es zwar Technik gäbe, aber Technik alleine nicht helfe. „In einem stimmigen Gesamtkonzept ist Technik zwar ein wichtiger Baustein, aber für die Umsetzung brauchen Unternehmen Partner, vor allem aus der Gesundheits- und Pflegebranche.“

Expertin und Experte:

  • Christine Weiß, Seniormanagerin, Institut für Innovation und Technik (iit), Berlin
  • Albert Premer, Geschäftsführer, Escos automation GmbH, Berlin

Downloads: Vortrag von Christine Weiß, Vortrag von Albert Premer 

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