Vereinbarkeitstag 2018: Fortschritt durch familienfreundliche Unternehmenskultur

Rund 300 Gäste diskutierten beim „Vereinbarkeitstag 2018“ über Wege hin zu einer familienorientierten Unternehmenskultur. Dass unser Gehirn sich lebenslang verändern und neue Nervenzellen bilden kann und in welcher Umgebung dies möglich ist, erfuhr das Publikum in der Keynote von Sebastian Purps-Pardigol. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer beleuchteten jeweils aus ihrer Perspektive Lösungsansätze gegen den Fachkräftemangel und zur Fachkräftesicherung. Der Nachmittag stand mit einer Fishbowl-Diskussion und der Kul-Tour ganz im Zeichen der Praxis. Schauen Sie sich die einzelnen Bausteine dieser Dokumentation an und rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben.

Die schönsten Fotos vom Vereinbarkeitstag können Sie in unserer Galerie einsehen und herunterladen. Die Nutzung der Fotos ist mit der vollständigen Angabe der Quelle erlaubt.

 

Zu den Bildern

„nicht wesentlich mehr. nur mehr wesentliches“. Diesen Anspruch verfolgt Katrin Faensen, die den „Vereinbarkeitstag“ durch ein Graphic Recording in einem Bild festgehalten hat.

 

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Kul-Tour

Kul-Tour

Am Nachmittag besuchte das Team vom Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie‘“ mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Vereinbarkeitstags Unternehmen in Berlin. Hier gelangen Sie zur Übersicht der Unternehmensbesuche bei der NBB Netzwerkgesellschaft Berlin-Brandenburg, der Charité, der hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH und dem Pflegeunternehmen domino-world.

Kul-Tour 1: hhpberlin

Branche: Brandschutz

Zahl der Beschäftigten: 150

Das familienfreundliche Unternehmen für Brandschutz hat keine klassische Führungshierarchie, sondern setzt auf themenorientierte Führung. Die Philosophie im Unternehmen: ein hoher Grad an Selbstorganisation und keine formalen Grenzen der Eigenverantwortung, starke Ergebnisorientierung und eine technische Ausstattung, die es ermöglicht, jederzeit an jedem Ort zu arbeiten. Die Arbeitszeiten werden anhand der individuellen Lebensphasen und der Bedürfnisse der Beschäftigten untereinander abgestimmt, was vor allem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dient.

Zusammenfassung

Rund 20 Teilnehmende des Vereinbarkeitstags besuchten das Berliner Brandschutzunternehmen in Berlin-Mitte. Nach einem „Vereinbarkeits-Quiz“ stellte Talentmanagerin Doreen Liebenow das Unternehmen vor: 100 % der bei hppberlin beschäftigten Väter gehen in Elternzeit und 150 Mitarbeiter/-innen haben 43 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Job und Familie lassen sich hier mit individuellen Lösungen vereinbaren. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind hhpberlin vier zentralen Eigenschaften besonders wichtig: Leute begeistern, organisieren können, Alternativen aufzeigen und zuhören können. Die damit verbundenen Rollen werden von unterschiedlichen Personen im Team („Zelle“) ausgefüllt. Themenorientierte Führung tritt an die Stelle von einer vornherein festgelegten Führung(skraft). Bei der Orientierung auf die Individualität der Mitarbeitenden wird deren Lebenssituation einbezogen. Dabei helfen unter anderem digitale Möglichkeiten des mobilen Arbeitens und eine Unternehmenskultur, die es erlaubt, die Angebote zu nutzen.

Hier gelangen Sie zum Organisationsmodell „LOAZ“ von hhpberlin.

Kul-Tour 2: Charité

Branche: Gesundheitswesen

Zahl der Beschäftigten: 13.370

Die Charité stellt sich konsequent familienfreundlich auf: mit einem Familienbüro, das Studierende und Beschäftigte in allen Fragen rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. Studium berät und unterstützt, z. B. zu flexiblen Arbeitszeit- und Organisationsmodellen, umfangreichen Formaten der Kinderbetreuung, Veranstaltungen etc.

Zusammenfassung

Die Teilnehmenden tauschten sich über den Dächern Berlins im Bettenhochhaus der Charité mit Klinikumsdirektorin Astrid Lurati und der Leiterin des Familienbüros Sabine Barleben über den Weg zur Familienfreundlichkeit aus. Zukunftsweisend ist bei der Charité insbesondere die Gestaltung der Zielvereinbarungen für die mittlere Führungsebene: Eine der Vereinbarungen muss konkret das Thema „Vereinbarkeit“ beinhalten. Denn indem Führungskräfte sich um eine gelingende Vereinbarkeit in ihren Teams mit kümmern, entwickeln sie mehr Aufgeschlossenheit dafür. So schiebt die Zielvereinbarung das Thema in den eher konservativen Strukturen der Charité nach vorne. Die Kultur wandelt sich dadurch spürbar. Nach wie vor ist die betriebliche Kinderbetreuung ein zentrales Anliegen der Beschäftigten, Schritt für Schritt tritt aber auch die Pflege von Angehörigen in den Fokus der Personalarbeit.

Hier gelangen Sie zum Familienbüro der Charité.

Kul-Tour 3: domino world

Branche: Gesundheits- und soziale Dienste

Zahl der Beschäftigten: 800

Das Pflegeunternehmen domino-world aus Berlin zeigt, dass Pflege auch anders gehen kann: Mit dem sogenannten domino-coaching wird ein neues Pflegeverfahren umgesetzt, in dessen Mittelpunkt ein rehabilitativer, therapeutischer Ansatz steht. Bei domino-world zeigt sich, dass mit guter Planung auch in einem scheinbar schwierigen Arbeitsumfeld familienfreundliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden können. Dies sorgt für ein hohes Maß an Zufriedenheit bei den Beschäftigten, was auch auf die Bewohnerinnen und Bewohner („Kunden“) ausstrahlt.

Zusammenfassung

Wertekodexe, Leitlinien, Wertschätzung und viel Empathie für die Beschäftigten ziehen sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren beispielsweise von Wunschdienstplänen. Gibt es dabei doch einmal Überschneidungen, können die teilautonomen Teams die Dienstpläne weitgehend eigenverantwortlich abstimmen und festlegen. Gewürdigt und motiviert werden Beschäftigte, die für andere einspringen, zusätzlich dadurch, dass sie einen Wellnessgutschein erhalten und ihre Extraleistung in Teamsitzungen angesprochen wird. Darüber hinaus wird eine jährliche Scorecard mit Zielsetzungen für den jeweiligen Beschäftigten erarbeitet und einmal pro Quartal ein Mitarbeitergespräch geführt. Alle ein bis zwei Jahre werden die Arbeitspflegeverträge durchgesprochen, denn „ändern kann sich immer was“. Belohnt wird das Unternehmen, das ganz ohne Leasing-Kräfte arbeitet, mit einer geringen Fluktuationsrate und einem niedrigen Krankenstand.

Hier gelangen Sie zur Wissensbilanz von domino-world, in der u.a. die Leitlinien des Unternehmens zu finden sind.

Kul-Tour 4: NBB

Branche: Erbringung wirtschaftlicher Dienstleistungen

Zahl der Beschäftigten: 420

Die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg ist ein junges Unternehmen. Bei der NBB erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Thorsten Neumann, dem Stabsleiter Personal/interne Kommunikation, warum eine motivierende und leistungsfördernde Unternehmenskultur auch Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie einschließen sollte.

Zusammenfassung

Die familienbewusste Unternehmenskultur bei NBB ist gekennzeichnet von Respekt, Vertrauen und Offenheit, auch seitens der Firmenleitung. Dazu gibt es u. a. 360-Grad-Feedbacks (Einschätzung der Kompetenzen und Leistungen von Fach- und Führungskräften aus unterschiedlichen Perspektiven), Beschäftigtenbefragungen, Lebenslagencoaching und wöchentliche Geschäftsführerdialoge. Angebote zur Vereinbarkeit sind für die NBB selbstverständlich. Vor allem die „jungen Wilden“, sprich, die jungen Kolleginnen und Kollegen, erwarten Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort und Angebote zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege, Ehrenamt oder Hobbys. „Wir versuchen allen Wünschen gerecht zu werden. Für die Umsetzung habe ich auch den Rückhalt aus der Geschäftsführung“, sagt Thorsten Neumann. „Die Grundlage ist unsere familienbewusste Unternehmenskultur. Es ist jedoch stets eine Herausforderung, wenn die NBB wächst. Dann heißt es nämlich: Neue Netze + neue Menschen = neue Kulturen. Sie können eine Kultur nicht nur per Skype vermitteln. Daher ist es für uns trotz Mobile Office oder Teilzeit auch immer wichtig, den persönlichen Kontakt zu pflegen. Als Personalverantwortlicher besuche ich jede Woche die Außenstellen von NBB, die Kolleginnen und Kollegen nehmen an den Betriebsveranstaltungen in der Berliner Zentrale teil.“

 

Der „Fortschrittsindex Vereinbarkeit“ unterstützt Unternehmen dabei, eine familienorientierte Unternehmenskultur mit Leitlinien und Kennzahlen weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen.

Lesen Sie mehr zu den Leitlinien des "Fortschrittsindex Vereinbarkeit".

Sehen Sie sich die Ergebnisse der Umfrage zur familienorientierten Unternehmenskultur an.

Im untenstehenden Erklärfilm zeigen wir Ihnen, wie der Fortschrittsindex funktioniert.

Familienfreundlichkeit ist einer der entscheidenden Faktoren, um eine Beschäftigung für junge Fachkräfte attraktiv zu machen und Beschäftigte im Unternehmen zu halten. In unserem Kulturcheck erfahren Sie schnell und unkompliziert, wie familienfreundlich Ihr Unternehmen ist.

 

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