Praxisbeispiele Corona

Vom Erlernten profitieren

Über die gelebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Einzelhandel in Corona-Zeiten berichtet Petra Kannengießer, Geschäftsleiterin im SB-Warenhaus Globus Zell und verantwortlich für das Projekt „audit berufundfamilie“.

Portrait Petra Kannengießer

Petra Kannengießer, Geschäftsleiterin im Globus Zell und verantwortlich für das Projekt „audit berufundfamilie“. Quelle: Globus SB-Warenhaus

Globus setzt sich seit vielen Jahren für die persönliche Entwicklung der Beschäftigten ein und findet individuelle Lösungen, die auf die jeweilige berufliche und private Situation abgestimmt sind. Momentan besteht die größte Herausforderung im Unternehmen darin, den Spagat zwischen den Anforderungen seitens der behördlichen Vorgaben und den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herzustellen und dennoch alle Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzubilden.

Offene und transparente Kommunikation

Die Personalverantwortlichen bei Globus müssen die Beschäftigten immer wieder für neue Maßnahmen sensibilisieren, eine sichere Umsetzung der geforderten Hygienemaßnahmen gewährleisten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets motivieren und über den aktuellen Stand der Corona-Pandemie informieren. Eine offene und unkomplizierte Kommunikation ist hierbei ebenso wichtig wie transparente Informationen zu den vielfältigen Möglichkeiten. Die Möglichkeiten werden in allen Märkten empfängerorientiert kommuniziert, zum Beispiel in Form von Flyern oder in persönlichen Gesprächen mit den Führungskräften. „Der offene Umgang mit individuellen und personifizierten Lösungen schafft Transparenz, erhöht die gegenseitige Solidarität und unterstützt das organisatorische Lernen in einer dezentralen Organisation“, erklärt Petra Kannengießer. „Unsere Angebote unterscheiden sich in den einzelnen Häusern voneinander und sind individuell auf die einzelnen Mitarbeiter abgestimmt. Gerade unsere Teilzeit-Arbeitszeitmodelle sind sehr flexibel. Diese reichen von 15 bis 39,5 Stunden die Woche, und wir versuchen, jeden Wunsch im Einklang mit den Möglichkeiten in den Betrieben zu berücksichtigen“.

Kompetenz als Garant in der Krise

Aus dem Erlernten profitiert Globus in der Krise. So müssen keine neuen Vereinbarungen aufgrund von Corona getroffen werden, sondern es wird auf bereits etablierte Strukturen gesetzt: Flexible Arbeitszeiten, Freistellung zur Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, Elternzeit sowie individuelle Abstimmungen gehören seit Jahren zum Standardprogramm für Vereinbarkeit von Beruf und Familie von Globus.

Die Möglichkeit für Homeoffice ist für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar gegeben, wird aber verstärkt insbesondere in der Globus Koordination genutzt. „In den Globus-Märkten setzen wir nach wir vor auch unter den Corona-Bedingungen konkret auf individualisierte Lösungen“, erklärt Petra Kannengießer. „Viele unserer Beschäftigten waren durch die Schließung von Kitas und Schulen betroffen, hier haben wir mit den betroffenen Personen direkt das Gespräch gesucht. Besonders schwer ist die Zeit aber vor allem für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Risikopatienten seit Monaten nur aus dem Homeoffice heraus arbeiten können. Das betrifft hauptsächlich die Beschäftigten in der Unternehmenszentrale in St. Wendel, die für die Koordination der einzelnen Globus-Betriebe zuständig sind. Gerade ihnen fehlt das soziale Umfeld und ein Stück Normalität“. Hier versucht Globus die Bedürfnisse der Beschäftigten im Einklang mit dem betrieblichen Bedarf abzubilden, um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu garantieren und für Motivation zu sorgen.

Individuelle Lösungen für die Beschäftigten

Insbesondere bei der Personaleinsatzplanung werden familiäre Belange berücksichtigt und sowohl vielfältige Teilzeitmodelle als auch die Ausbildung in Teilzeit werden ermöglicht. „Die Arbeitsfähigkeit bis zur Rente oder die Pflege von Angehörigen gewinnt bei uns an Bedeutung. Hier bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Vielzahl an unterstützenden Maßnahmen und damit eine echte und hilfreiche Entlastung“, sagt Petra Kannengießer.

Beim Thema Pflegeverantwortung kooperiert Globus mit dem externen Dienstleister WDS Care. Die Pflegeberatung ist über eine Hotline 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr für die Globus-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erreichbar, bietet Informationen und weitere Hilfeleistungen zur Pflege von Angehörigen. Für das vielseitige Engagement im Bereich Pflege und Vereinbarkeit wurde Globus zudem 2017 mit dem Otto Heinemann Preis in der Kategorie Großbetriebe gewürdigt. „Der Zusammenhalt untereinander hat sich in der Corona- Krise verfestigt und wir werden als Unternehmen gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen. Viele Maßnahmen haben sich durch Corona weiter ausgeprägt; im Grunde haben wir in der Krise aber nicht anders agiert als zuvor“, folgert Petra Kannengießer.

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