Lutz Kipp

Prof. Dr. rer. nat. Lutz Kipp

Schleswig-Holstein
Präsident, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, und Botschafter für das Land Schleswig-Holstein

"Bei der Gewinnung der besten Köpfe für unsere Universität ist die Familienfreundlichkeit heute ein wichtiger Aspekt"

Fünf Fragen an Prof. Dr. rer. nat. Lutz Kipp

Welche familienfreundlichen Maßnahmen haben Sie in Ihrer Hochschule zuletzt eingeführt – und warum?
Prof. Kipp: Wir hatten in letzter Zeit einen Fokus auf den Themen Information und Kommunikation für verschiedene Zielgruppen unserer Hochschule. Daraus entstanden sind unter anderem eine neue umfassende Informationsbroschüre und ein deutsch-englischer Internetauftritt. Außerdem wurden Familienbeauftragte in den Fakultäten, den Exzellenzclustern und dem Graduiertenzentrum benannt, die als erste Ansprechpersonen für Beschäftigte und Studierende zum Thema Vereinbarkeit von Familie mit Beruf und Studium fungieren. Ein Arbeitskreis für Vereinbarkeitsfragen unterstützt die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren.

Warum praktizieren Sie an Ihrer Hochschule eine familienbewusste Personalpolitik?
Prof. Kipp: Es ist für uns selbstverständlich, die Beschäftigten und Studierenden bei der Vereinbarkeit von Familie mit Beruf, Lehre und Studium zu unterstützen. Nur so können wir langfristig Zufriedenheit und Motivation unserer Hochschulmitglieder erreichen und damit die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen erhöhen und erhalten. Bei der Gewinnung der besten Köpfe für unsere Universität ist die Familienfreundlichkeit heute ein wichtiger Aspekt für potentielle Professoren, Professorinnen und Beschäftigte. Wir haben die Bedeutung guter Vereinbarkeitspraxis schon früh erkannt und uns bereits seit 2002 durch das „audit familiengerechte hochschule“ zertifizieren lassen.

Welche Rolle kommt den Unternehmen in Deutschland zu, wenn es darum geht, unser Land familienfreundlicher zu machen?
Prof. Kipp: Unternehmen und Hochschulen können Vorbilder und Multiplikatoren für ein gelebtes familienfreundliches Umfeld sein. Als fortschrittliche familienfreundliche Arbeitgeber tragen sie zum Wandel von Arbeits- und Wissenschaftsumfeld bei. So tragen zum Beispiel Abgänger von Universitäten, die bereits an der eigenen Hochschule Familienfreundlichkeit erfahren haben, das Thema als Fach- und Führungskräfte weiter in ihr zukünftiges Arbeitsumfeld.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf, damit sich Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren lassen?
Prof. Kipp: Natürlich muss sich zunächst die Arbeits- und Hochschulkultur an veränderte familiäre Rollenmodelle anpassen. Wenn künftig zum Beispiel immer mehr Menschen im Zuge des Demographischen Wandels Familienangehörige pflegen werden, muss die Arbeitswelt dies auch zulassen. Ein anderes Thema ist die Versorgung mit Betreuungsplätzen in Ballungsräumen. Wenn Menschen im Umland großer Städte wohnen, können sie ihre Kinder nicht dort betreuen lassen. Es fehlt an einer abgestimmten Betreuungsstruktur zwischen den Kommunen. Vieles wäre einfacher, wenn unsere Beschäftigten und Studierenden Betreuungsangebote auf dem Campus nutzen könnten. 

Welches Erlebnis hat Sie im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf am stärksten beeindruckt?
Prof. Kipp: Sicher, dass ich als Vater zweier Kinder  aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es manchmal ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen (lacht).

Kurzvita

  • Jahrgang 1963
  • Seit Juni 2014: Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 2008 bis 2012: Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät
  • 2006 bis 2008: Prodekan für Forschung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät
  • 1999: Habilitation an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 1993: Promotion an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel


Über die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

  • Beschäftigte: Mehr als 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 25.000 Studierende
  • Familienfreundliche Maßnahmen: u.a. Familienbeauftragte in den Fakultäten, Belegplätze in Kindertagesstätten und bei Tagespflegepersonen, Ferienbetreuung für schulpflichtige Kinder, gleitende Arbeitszeit und alternierende Telearbeit im Bereich der technisch-administrativen Beschäftigten, Maßnahmen zur Chancengleichheit, familiengerechte Infrastruktur, Internetseite zum Thema „Pflege von Angehörigen“, Broschüre „Hochschule und Familie“


Weitere Informationen: www.uni-kiel.de

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