Wie können Führungskräfte für die interne Kommunikation in Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie motiviert werden?

Führungskräfte sind verantwortlich für Ergebnis, Personal, Unternehmenskultur und Atmosphäre. Idealerweise sind sie Vorbilder, Coaches, Inspiratoren und Potenzialentwickler, die dafür sorgen, dass Beschäftigte produktiv, gesund, motiviert, innovativ und kundenorientiert sind. Und natürlich: Wie Führungskräfte sich den Beschäftigten gegenüber verhalten, was sie sagen oder verschweigen, ist essenzieller Teil der internen Kommunikation. Denken Sie an die heraufgezogene Augenbraue, wenn ein werdender Vater von seinen Elternzeitplänen erzählt. Also: ohne Führungskräfte keine interne Kommunikation über Beruf und Familie? Ja und nein! Ja, weil Führungskräfte tatsächlich „Botschafter“ sind. Nein, weil es auch ohne ihre aktive Unterstützung gute Kommunikation geben kann. Wie motiviert und befähigt man Führungskräfte, aktiv über Beruf und Familie zu kommunizieren? So, dass nicht nur Ansprüche befriedigt, sondern das sensible Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen stabilisiert werden? Und wie geht man mit „Vereinbarkeitsmuffeln“ um, mit Führungskräften, die das Thema als „schön und gut“ abtun möchten? Herzlich willkommen zu unserer Oktoberausgabe im Forum IK, in der wir uns diesem besonders komplexen Thema widmen wollen – wie immer mit der Einladung an Sie, uns auch über Ihre Erfahrungen dazu zu berichten.

Ihre Sofie Geisel
Prokuristin/Projektleiterin


Interne Kommunikation

Otto GmbH & Co KG: Führungskräfte müssen Vereinbarkeit vorleben!

„Führungskräfte haben in der Verwirklichung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine wichtige Rolle, denn durch ihren Einsatz wird das Thema mit Leben gefüllt.“ Sabine Josch ist Personaldirektorin der Otto GmbH & Co KG mit über 5200 Beschäftigten und führt in dem Personalbereich allein 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie vertritt die Ansicht, dass Führungskräfte den Mut haben sollten, sich aus alten Mustern zu lösen und die vielfältigen Möglichkeiten zur Vereinbarkeit auch wirklich zu fördern, darüber zu berichten und ihre Nutzung zu steigern. Wie das geht? „Vorleben mit drei Ausrufungszeichen“, antwortet sie und berichtet, dass von ihren fünf Bereichsleitungen zwei – eine Frau und ein Mann – in Teilzeit arbeiten.

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Interne Kommunikation

Merz Pharma KGaA: Führungskräfte sind auch untereinander Vorbild

„Das Topmanagement muss hinter den Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehen“, sagt Rüdiger Koch, Betriebsratsvorsitzender bei der Merz Pharma KGaA in Frankfurt. „Es muss den Boden bereiten und eine dafür offene Unternehmenskultur schaffen. Wichtig ist dann aber, dass es gelebt und umgesetzt wird, und dies muss in der mittleren Führungsebene geschehen.“ Von Bedeutung sei daher das neu eingeführte Fortbildungsmodul „Gesund Führen“, das jede Führungskraft bei Merz durchläuft: „Nur, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tatsächlich gelingt, geraten wir nicht in Stresssituationen, die uns krank machen, und nur dann können wir den täglichen beruflichen Anforderungen gerecht werden,“ so der 64-Jährige weiter. Konkret heißt das, die Führungskraft wird in den gesamten Katalog der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingeführt und erhält Instrumente, um ihr Team entsprechend zu betreuen und zu beraten. 

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Interne Kommunikation

Koch Sanitätshaus GmbH: Vorleben und offen kommunizieren

Führungskräfte sind wichtige Botschafter und Vorbilder in einem Unternehmen, das Strukturen schaffen und kommunizieren will. Mareen Koch, geschäftsführende Gesellschafterin der Koch Sanitätshaus GmbH, ist davon überzeugt und erläutert: „Interne Kommunikation ist ein Teil der Unternehmenskultur und muss einerseits von der Führung vorgelebt und andererseits auch eingefordert werden.“ Gerade beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für sie die offene Kommunikation und das Spiegeln von Themen ein wichtiger Baustein für Lösungen und die Umsetzung von familienfreundlichen Maßnahmen. „Es ist meine Aufgabe als Führungskraft, ein Thema oder auch ein Problem zu erkennen und frühzeitig anzusprechen“, sagt die zweifache Mutter. „Da braucht man ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Und es gilt, den Beschäftigten klarzumachen, dass Lösungen für alle gelten und die, die Rücksicht nehmen, wertgeschätzt werden. Das muss konsequent vorgelebt und vor allem kommuniziert werden.“ 

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Ausgabe Oktober 2013

Ausgabe Oktober 2013

Rollenmodelle für Manager...

Führungskräfte sind besonders wertvolle Verbündete in der Kommunikation von Themen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als Vorgesetzte sind sie Autorität und Vorbild zugleich.

Im Arbeitsalltag, unter Druck und in Hektik, gerät die Besinnung auf Familienverträglichkeit allerdings schon mal in Vergessenheit oder muss hinter wirtschaftlichen Themen zurückstehen. Sechs Tipps von Montua & Partner können Ihnen helfen, Ihren Führungskräften Themen zu Beruf und Familie nahezubringen und sie zu motivieren, diese offen und authentisch mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu thematisieren.

1. Verbünden Sie sich

Prüfen Sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen vom Bereich Personal und dem Betriebsrat, inwieweit sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Leitlinien für Führungskräfte integrieren lässt. Ist dies geschehen, „übersetzen“ Sie das Ergebnis in den Arbeitsalltag. 

2. Deklinieren Sie Werte und Leitlinien

Schauen Sie sich die Leitlinien und Werte Ihres Unternehmens an. Wie wirken sie sich aus, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht? Wie lassen sie sich situativ übersetzen? Ein Beispiel: Angenommen, der Begriff „Respekt“ findet sich in den Werten Ihres Unternehmens. Respekt gegenüber einem jungen Familienvater könnte in den Alltag übertragen heißen, dass seine Führungskraft Besprechungen nicht mehr nach 17 Uhr ansetzt. Eine faire Chance für den jungen Vater, sein Kind am Abend noch vor dem Zubettgehen zu sehen. Kommunizieren Sie diese Art von Familienfreundlichkeit, können Sie die Werte und Leitlinien des Unternehmens aus dem Familienblickwinkel heraus in den Arbeitsalltag übertragen. Bringen Sie diese Übersetzungen Ihren Führungskräften nahe, zum Beispiel als Serie im Führungskräftenewsletter, als Führungskräfte-Mail oder als integralen Bestandteil der Führungskräfteschulungen.

3. Nutzen Sie die Klaviatur der internen Kommunikation

Neben den auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deklinierten Werten schaffen kleine Reportagen über besonders familienfreundliche Chefs und Chefinnen Aufmerksamkeit. Außer der positiven Bestätigung für die „Best Practice“-Führungskräfte promoten Sie so gleichzeitig positive Rollenvorbilder. Obendrein haben Sie mit solchen Reportagen die Chance, Aufmerksamkeit auf die gesamte Bandbreite der Themen zu Beruf und Familie zu lenken, von der Sorge für Kleinkinder bis hin zu den Nöten mit pflegebedürftigen Eltern. Nutzen Sie zur Veröffentlichung neben der Mitarbeiterzeitung für klassische Reportagen auch Ihr Intranet für Kurzberichte. Dort können Sie weitergehende Informationen per Link bereitstellen, zudem könnten Expertinnen und Experten oder der im jeweiligen Fall gelobte Chef oder die Chefin im Chat Rede und Antwort stehen und Kolleginnen und Kollegen in Foren ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen.

4. Helfen Sie, Anlässe zu schaffen

Eine Bereichsmesse zur Kinderbetreuung, ein Lunchbreak zu Alter und Rente, ein Info-Frühstück zum Thema Pflege – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um die „Live-Umsetzung“ von Vereinbarkeitsthemen im Unternehmen geht. Besonderes Plus: Selbst Erlebtes bleibt bei allen Beteiligten besonders anhaltend haften. Also: Gewinnen Sie Führungskräfte dafür, in ihren Bereichen die aktive Auseinandersetzung mit Themen zu Beruf und Familie zu leben. Ein wichtiger Erfolgsfaktor: fertige Minikonzepte, die den Führungskräften eine kurze Anleitung für Familienevents in ihrem Bereich geben und Expertinnen und Experten zu dem jeweiligen Thema nennen. Und sehen Sie sich als Berater, mischen Sie sich ein, denn ein Kita-Info-Lunch in einem Bereich, in dem niemand mehr kleine Kinder hat oder plant, läuft ins Leere.

5. Seien Sie flexibel

Ihr Unternehmen ist zu klein? Kein Problem, solche Events können natürlich auch bereichsübergreifend organisiert werden. Wichtig ist nur, dass Sie die Führungskräfte in die Organisation und Umsetzung einbeziehen. Die direkte Beteiligung und Auseinandersetzung sensibilisiert für den Themenkranz.

6. Bleiben Sie am Ball

Auch wenn es Ihnen den Ruf einer Nervensäge einbringen mag, hier gilt einmal mehr: Steter Tropfen höhlt den Stein. Obendrein ist gerade bei der langfristigen Verankerung gewünschter Rollenbilder wichtig, für diese immer wieder zu werben und das gewünschte Verhalten in unterschiedlichen Facetten darzustellen. 

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