„Jede Teamsitzung verträgt zwei live zugeschaltete Videochats“

Frau Ahmad, sehen Sie in mobilen Arbeitsformen eine Möglichkeit, die Rückkehr in den Beruf zu beschleunigen?

Ja, nicht in vollem Umfang, jedoch ein gutes Stück. Mütter, die tendenziell lieber lange zu Hause bleiben, weil der Stress zu groß ist, bekommt man mit Telearbeit nicht nur früher, sondern auch in größerem Umfang zurück. Laut einer Zeitverwendungserhebung vom Statistischen Bundesamt brauchen Erwerbstätige pro Weg durchschnittlich mehr als eine Stunde. Wenn sie dann noch ein Kind in die Kita bringen, verlängert sich die Zeit entsprechend. Sie sparen mit einer Homeofficelösung also mehr als zwei Stunden kostbare Zeit täglich. Das halte ich für die Motivation für mobile Arbeit. Hinzu kommt das „Ich-ziehe-jetzt-ins-Grüne-Phänomen“, das wir häufig bei Schwangeren beobachten. Die Kinder sollen Platz zum Spielen haben, die Wege werden noch weiter – und Arbeitgeber rennen mit Angeboten zur Telearbeit offene Türen ein.

Wie muss der Kontakt zu den Beschäftigten gestaltet sein, um den früheren Wiedereinstieg mittels Telearbeit erfolgreich zu gestalten?

Mütter und Väter müssen nach der Geburt eines Kindes ein lebendiger Teil der Unternehmenscommunity bleiben und dann beim Wiedereinstieg sehr konkret betreut werden. Mütter steigen in den meisten Fällen einfach so wieder ein. Viele geben sich der Illusion hin, dass die Einstellungen, Werte, ja sogar die Technik gleich geblieben sind. Man unterschätzt den Wandel. Da greifen Instrumente wie Comeback-Letter zu kurz! Nicht, weil Mütter besonders bedürftig sind, sondern weil eine professionelle Begleitung beim Wiedereinstieg nötig ist. Da ist im Rahmen eines Kontakthalteprogramms zum Beispiel ein Webinar sehr viel lebendiger und kommunikativer und vielleicht zielführender als ein Newsletter. Außerdem erleben nach meiner Erfahrung Urlaubsvertretungen oder kleinere Projekte während der Elternzeit wieder eine Renaissance. Voraussetzung ist, dass die Unternehmen aktiv auf ihre Beschäftigten in Elternzeit zugehen, ihnen etwas anbieten und mobile Officelösungen ermöglichen.

Wir wissen, dass für Telearbeit ein hohes Maß an Selbstorganisation und an Kommunikation ins Team wichtig ist. Auf Arbeitgeberseite sind Regeln und Vertrauen zentral. Was sind aus Ihrer Sicht weitere Erfolgsfaktoren für gelungene Telearbeit während der El

Zentral ist, Führungskräfte nicht zu verdonnern, sondern zu gewinnen – man-che haben dieses Thema noch nicht verinnerlicht. Sie kann man leichter über-zeugen, wenn man vereinbart, dass Telearbeit nur die Hälfte der gesamten Stundenzahl ausmacht. Wenn dann ein früherer Wiedereinstiegstermin und eine Erhöhung des Stundenumfangs aufgrund der Telearbeit möglich sind, wirkt das überzeugend. Was die Kommunikation ins Team angeht, so wunde-re ich mich immer, dass Kolleginnen und Kollegen Videochats hauptsächlich privat und so wenig in Unternehmen nutzen. Ich setze mich dafür ein, dass Beschäftigte von zu Hause aus visuell eingebunden werden. Das ist während der Elternzeit besonders wichtig. Jede Teamsitzung verträgt leicht zwei live zugeschaltete Videochats. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind sicher die Partner-monate beim Elterngeld. Väter möchten in der Familie einen aktiveren Part übernehmen, so können Frauen früher wieder einsteigen – von zu Hause aus und mit Präsenzzeiten im Büro.

Vielen Dank für das Gespräch.

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